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14. Dezember 2017 | 05:34 Uhr

Weihnachtsfeier ohne Folgen

vom

svz.de von
erstellt am 06.Dez.2011 | 11:56 Uhr

Alle Jahre wieder: In der Adventszeit sitzen deutsche Arbeitnehmer nicht nur mit ihren Lieben um den Lichterkranz, sondern treffen sich auch mit ihren Kollegen zur Weihnachtsfeier. Welche Fettnäpfchen und rechtlichen Fallstricke lauern, haben wir zusammengestellt.

Hingehen oder nicht
Sind Arbeitnehmer nicht gerade im Urlaub, sollten sie in jedem Fall die Weihnachtsfeier im Büro besuchen. Denn wer lieber zu Hause bleibt, anstatt auf die Party zu gehen, macht sich schnell zum Außenseiter, erklärt die Karriereberaterin Carolin Lüdemann aus Stuttgart. Die Anwesenheit auf der Feier sei zwar keine Pflicht, so Lüdemann. Das gelte jedenfalls, solange das Fest nicht während der Arbeitszeit stattfinde. Doch es mache keinen guten Eindruck, wenn Arbeitnehmer ohne Grund einfach wegbleiben.

Den Chef duzen?
Auf der Weihnachtsfeier ist der Umgangston oft lockerer als im Büro. Duzen sich die Mitarbeiter dann gegenseitig, heißt das aber nicht, dass das künftig auch für die Arbeit gilt. Gerade dem Chef gegenüber ist Zurückhaltung gefragt. Ob das "Du" am nächsten Tag noch Bestand hat, bestimme er allein, erläutert Carolin Lüdemann. "Sollte dieser wieder zum ,Sie’ zurückkehren, lässt man diesen Sinneswandel unkommentiert und geduldet sich bis zur nächsten Feierlichkeit." Generell biete immer der Ranghöhere dem Rangniedrigeren das "Du" an.

Nicht zu privat werden
Bei der Weihnachtsfeier ist es normal, dass man nicht nur über die Arbeit redet. Zu persönlich sollten Mitarbeiter im Gespräch aber auch nicht werden, rät Agnes Jarosch vom Deutschen Knigge-Rat. So sei eine solche Feier nicht der richtige Ort, um sich über familiäre Probleme zu unterhalten. "Das kann dem eigenen Image schaden." Besser sei es, bei unverfänglichen Small-Talk-Themen zu bleiben. "Weihnachten und Geschenke eignen sich da zum Beispiel." Denn dazu könne jeder etwas sagen, ohne dass es zu intim wird.

Kritik und Flotte Sprüche
Tabu sei es auch, auf der Feier über Kollegen zu lästern. Ebenso unpassend ist es, etwa das Essen oder den Wein zu kritisieren. Auch mit platten Witzen oder flotten Sprüchen halten Mitarbeiter sich besser zurück - sie können hinterher schnell peinlich sein. Hat ein Mitarbeiter eine Kollegin etwa durch einen anzüglichen Witz verletzt, sollte er das nicht einfach unter den Teppich kehren: "Dann ist es am besten, sich am nächsten Tag dafür zu entschuldigen", rät Jarosch.

Small Talk mit dem Chef

Bei einer größeren Feier ist eher Zurückhaltung gegenüber dem Chef gefragt, erklärt Jarosch. Denn es mag zwar nett gemeint sein, persönlich ein wenig Small Talk mit ihm halten zu wollen. Wenn 100 Mitarbeiter das tun, dürfte das dem Chef aber schnell zu viel werden. Normalerweise sei es daher Aufgabe des Chefs, einmal von Mitarbeiter zu Mitarbeiter zu gehen und kurz ein paar Worte mit ihnen zu wechseln.

Nicht zu viel Haut zeigen
Die Weihnachtsfeier ist kein Kostümfest: Um einen gewagten, neuen Dress zum ersten Mal zu zeigen, ist sie der falsche Anlass. Für welches Outfit Arbeitnehmer sich entscheiden, wenn sie vor dem gemeinsamen Abend mit den Kollegen vor dem Kleiderschrank stehen, machen sie am besten von der Art der Veranstaltung abhängig, rät Carolin Lüdemann. Wer mit den Kollegen auf die Kegelbahn gehe, mache im schwarzen Anzug keinen guten Eindruck. In einem schicken Lokal sind dagegen keine Jeans angesagt. Viel Haut zu zeigen, sei bei der Weihnachtsfeier ebenfalls nicht angesagt: Wie sonst im Joballtag auch sollte der Grundsatz gelten: "Mehr Stoff bedeutet mehr Autorität."

Gesetzlich versichert
Kommt es bei einer betrieblichen Weihnachtsfeier oder bei deren Vorbereitung zu einem Unfall, gilt der Versicherungsschutz aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Bedingung ist allerdings, dass die Feier von der Unternehmensleitung veranstaltet, gefördert oder zumindest ausdrücklich gebilligt wird und diese allen Beschäftigten offen steht. Der Versicherungsschutz besteht auch für den Hin- und Rückweg. Die Experten der Arag-Versicherung weisen allerdings auf Einschränkungen hin: Ist der Chef nach Hause gegangen, so kann dies das offizielle Ende der Weihnachtsfeier bedeuten, wodurch auch der Versicherungsschutz endet.

Zu viel Glühwein
Gehört der Besuch des Weihnachtsmarktes zum offiziellen Teil der betrieblichen Weihnachtsfeier, sind Unfälle durch die Berufsgenossenschaften versichert. Das gilt auch für den Hin- und Heimweg. Der Ort der Feier spiele für den Versicherungsschutz keine Rolle, erklären Experten der Arag-Versicherung. Entscheidend sei, dass die Feier von der Unternehmensleitung veranstaltet oder zumindest ausdrücklich gebilligt wird. Starker Alkoholkonsum kann jedoch zu einem Verlust des Unfallschutzes führen. Und zwar dann, wenn der Alkoholeinfluss die wesentliche Ursache des Unfalls darstellt.

Verspätete Feier
Verlegt ein Betrieb seine Weihnachtsfeier in den Januar, sind die Mitarbeiter trotzdem versichert. Die gesetzliche Unfallversicherung gelte für alle betrieblichen Gemeinschaftsfeiern, egal, wann sie stattfinden, erläutert die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege in Hamburg. Allerdings ist entscheidend, dass die Unternehmensleitung oder eine Abteilung einlädt und alle Mitarbeiter willkommen sind. Eine private Feier unter Kollegen sei nicht versichert, selbst wenn sie in Räumen des Betriebes stattfindet.

Ein Dankeschön
Nach der Weihnachtsfeier gehört es zum guten Ton, sich beim Chef für die Einladung zu bedanken. In kleinerem Rahmen verabschieden Mitarbeiter sich am Ende der Feier daher am besten persönlich vom Vorgesetzten und sagen Dankeschön, empfiehlt Agnes Jarosch. Bei einer großen Feier mit 100 oder mehr Teilnehmern ist das dagegen kein Muss. "Sonst bedeutet das im Extremfall, dass der Chef am Ende 100-mal Hände schütteln muss." In solchen Fällen verschieben Mitarbeiter es daher eventuell lieber auf den nächsten Tag, sich zu bedanken. Das biete sich auch an, wenn Mitarbeiter aufbrechen wollen und der Chef gerade in ein Gespräch vertieft ist.

Lohnsteuer fällig?
Lädt der Arbeitgeber die Belegschaft zur Weihnachtsfeier ein, kann das auch den Fiskus freuen. Denn das Finanzamt fordert möglicherweise Lohnsteuer von den teilnehmenden Mitarbeitern. Steuerfrei bleibt die Feier nämlich grundsätzlich nur dann, wenn es sich um eine übliche Betriebsveranstaltung handelt und die Teilnahme allen Arbeitnehmern offen steht. Nicht erlaubt sind dagegen Einladungen nach bestimmten Leistungskriterien, für einzelne Gehaltsgruppen oder allzu aufwendige Feiern. Darauf weist die Kanzlei Ebner Stolz Mönning Bachem aus Stuttgart hin. Ist die Weihnachtsfeier maximal die zweite betriebliche Veranstaltung des Jahres, darf der Arbeitgeber nicht zu großzügig sein. Ansonsten können Abgaben anfallen. Denn die Betriebsfeier darf pro Teilnehmer brutto höchstens 110 Euro kosten, um noch steuerfrei zu bleiben. In den maßgeblichen Betrag fließen Ausgaben für die Mahlzeit, Raummiete, Fahrten, Darbietungen sowie Geschenke an die Mitarbeiter ein. Fällt die Weihnachtsfeier aber teurer aus oder ist sie schon die dritte betriebliche Veranstaltung im Jahr, liegt in jedem Fall ein geldwerter Vorteil vor. Und für den muss von den Gästen Lohnsteuer abgeführt werden.

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