Pinnow : Wegestreit ist nicht vom Tisch

Um das Dorf Muchelwitz und die Straße der Stadt zu entlasten (gelbe Markierung), gibt es auf Pinnower Gebiet eine Tonnage-Begrenzung für 7,5 Tonnen (rote Markierung).  Grafik: dens
Um das Dorf Muchelwitz und die Straße der Stadt zu entlasten (gelbe Markierung), gibt es auf Pinnower Gebiet eine Tonnage-Begrenzung für 7,5 Tonnen (rote Markierung). Grafik: dens

Landwirte können Ausnahmegenehmigungen für Straßennutzung bei Muchelwitz stellen – Klärungsbedarf über Zeitrahmen

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20. Februar 2018, 23:30 Uhr

Seit einem halben Jahr schwelt der Streit zwischen der Gemeinde Pinnow und einigen Landwirten. Die Gemeinde hatte im Sommer vergangenen Jahres eine „Teileinziehung“ der Straße zwischen Pinnow und Muchelwitz durchgesetzt. Auf einem wenige hundert Meter langen Abschnitt ist Fahrzeugen mit mehr als 7,5 Tonnen die Durchfahrt untersagt. Das bedeutet Durchfahrtsverbot für die Landwirte, deren Flächen an die Straße grenzen, und diejenige, die Ackerflächen in den Dörfern der Umgebung bewirtschaften. Der Grund dafür war der schlechte Zustand der Bankette und die Befürchtung, Landmaschinen würden dafür mitverantwortlich sein.

Anlieger dürften laut Pinnows Bürgermeister Andreas Zapf die Straße nutzen. Landwirte mit Flächen im Nachbarort allerdings nicht: kein Durchgangsverkehr. Diese Bauern sollten Umwege über die Bundesstraße 321 in Kauf nehmen. Unmut regte sich – unter anderem lautstark während einer Gemeindevertretersitzung (wir berichteten).

Weitere Verhandlungen zwischen Gemeinde, Amt Crivitz und Landwirten folgten – hinter verschlossenen Türen. Jüngst gab es eine Einigung, mit der ein Teil der Bauern und die Geschäftsführerin des Bauernverbandes Parchim gut leben können. „Die betroffenen Landwirte können jetzt Ausnahmegenehmigungen beantragen“, sagt Heike Kasten. Einer, der das Angebot begrüßt und seinen Antrag jetzt abschickt, ist Landwirt Stefan Wille genannt Niebur: „Ich hoffe, dass die Aggressivität aus der Debatte verschwindet. Wir Landwirte wollen unsere Arbeit machen dürfen. Alle Fahrer sind angehalten, vor den Häusern langsam zu fahren.“ Der Plater Schweinebauer bewirtschaftet unter anderem Flächen in Augustenhof.

Dass er jetzt für die Nutzung der Straße zahlen muss, will hingegen Christian Karp nicht einsehen. „Wir werden das zur Not gerichtlich klären müssen. Meine Mitarbeiter halten sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung, fahren oftmals sogar langsamer“, sagt der Kraaker Landwirt und Miteigentümer der Sukower Bioenergie und Welsfarm. Zudem hält er an der bereits vor sechs Monaten geäußerten Forderung der Bauern fest: „Ein Schild mit der Aufschrift: ,Landwirtschaftlicher Verkehr frei’ würde das Problem lösen und ist in anderen Gemeinden auch gängige Praxis“, sagt Christian Karp.

Kommentar: Geld fürs schwarze Loch Die Bauern sollen zahlen, um an ihre Flächen zu kommen. Wo bleibt das Geld? Die Einnahmen würden laut Amts-Chefin „zur Deckung des Verwaltungsaufwandes im Ordnungsamt“ genutzt. Unnötig. Beantragen werden Bauern, die die Straße nutzen. Die kommen woher? Aus der Region. Ein Schild würde helfen und Aufwand ersparen:   Landwirtschaftlicher Verkehr frei. Bauern aus anderen Kreisen fahren dort nicht. Statt unnötiges Kleingeld fürs Amtssäckel zu spenden, würden die Landwirte vielleicht  sogar für einen Tempo-Blinki zusammenlegen.  Und so zeigen, dass sie nicht zu den Rasern gehören. Aber warum einfach? 

Die Mitglieder der Pinnower Gemeindevertretung haben sich Ende Januar noch einmal mit dem Thema befasst und einstimmig beschlossen, dass Ausnahmen entsprechend der Länge der Pachtdauer oder einmalig für Eigenland gelten. Die Crivitzer Amtsvorsteherin Heike Isbarn sieht das anders, spricht von Jahres-Regelungen „Eine Jahresgebühr für eine Ausnahmegenehmigung kostet 30 Euro. Die Verlängerung um ein weiteres Jahr ohne Änderungen 15 Euro. Eine Monatsgenehmigung ebenfalls 15 Euro, eine Änderung einer bestehenden Ausnahmegenehmigung 10,20 Euro. Ein Punkt, den Landwirt Volker Helms nicht versteht. Der Goderner will jetzt einen Antrag stellen, zu den mit der Gemeinde abgesprochenen Konditionen. „Das Problem ist wohl noch nicht vom Tisch“, sagt er.

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