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Schlossfestspiele Schwerin : Wechselspiel von Musical und Oper

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„West Side Story “ zog 32 000 Zuschauer in ihren Bann: Intendant plant für die Schlossfestspiele 2018 „Tosca“ und „Dracula“

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erstellt am 06.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Lars Tietje kann entspannt in den Urlaub fahren: Seine ersten Schweriner Schlossfestspiele und die erste Spielzeit als Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters seien gut gelaufen. „Grundsätzlich war alles genau so, wie ich es mir vorgestellt habe“, sagt er. „Vor allem freue ich mich über die Schweriner. Sie sind ein tolles Publikum mit großer Neugier, Begeisterungs- und Kritikfähigkeit. Ich empfinde es als Privileg, hier arbeiten zu dürfen.“ Natürlich stünden in den kommenden Jahren noch große Aufgaben vor ihm, zu denen auch weiterer Personalabbau gehöre. Aber ein erstes Ziel ist heute erreicht: Mit mehr als 32 000 Zuschauern hat die „West Side Story“ ihr gestecktes Ziel erreicht. Heute Abend lief die letzte Aufführung auf dem Alten Garten. 2016 sahen die „Aida“ an gleicher Stelle nur rund 27 000 Gäste. „Ab 30 000 Besucher beginnt sich eine so aufwändige Produktion zu rechnen“, sagt Tietje. Und rechnen, das ist eine der Hauptaufgaben des neuen Intendanten.

So gab es in dieser Spielzeit beispielsweise viel weniger Vorstellungen als in den vergangenen Jahren. Und das werde wohl auch so bleiben. „Bei unseren neuen Strukturen können wir nicht ständig auf Volllast fahren“, sagt Tietje. „Dann bekommen wir mittelfristig ein Qualitätsproblem. Schließlich machen wir nicht nur einen Monat Festspiele, sondern ein ganzes Jahr lang Theater.“ Welche Stücke aber wie oft gespielt werden, damit werde er künftig noch ein wenig experimentieren, sagt Tietje und räumt ein, dass der Publikumsmagnet „My Fair Lady“ in der vergangenen Spielzeit zu selten gezeigt wurde. Aber die ersten drei Jahre seiner Intendanz habe er sich Zeit gegeben, um ein Gefühl für die Strukturen hier zu bekommen und Neues zu versuchen, sagt Tietje.

Die Schweriner Schlossfestspiele erstmals mit einem Musical zu besetzen, war einer dieser Versuche – aus Tietjes Sicht ein erfolgreicher. „Ich glaube, wir haben viel mehr junge Leute erreicht als in den Vorjahren“, meint er. Die 1900 Plätze seien zwar selten komplett ausgebucht gewesen, aber die Gesamt-Besucherzahl am Ende stimmte. In einem nassen, stürmischen Sommer wie diesem litt vor allem der Kartenverkauf an der Abendkasse. Selbst wenn es während der Vorstellungen zumeist trocken blieb – viele potenzielle Besucher machten sich an regnerischen Tagen gar nicht erst auf den Weg nach Schwerin. „Wenn der Nachmittag aber sonnig war, haben wir abends 130 Karten verkauft“, sagt Tietje.

Dass ein Musical auf dem Alten Garten funktioniert, das hat Lars Tietje jetzt bewiesen. Trotzdem möchte er auf die klassische Oper unter freiem Himmel nicht verzichten. Nächstes Jahr steht Puccinis „Tosca“ auf dem Programm. „Das ist ein tolles Stück, kurz und knackig. Puccini und Bernstein liegen gar nicht so weit auseinander“, sagt er lächelnd. Eine möglichst große Bandbreite ist ihm in seinem Theater trotzdem wichtig. Er selbst würde Schlager übrigens genauso gern hören wie Neue oder Atonale Musik, könne sich köstlich über deftige Scherze der Reuter-Bühne amüsieren und staune bei der Liliom-Inszenierung. Für die Schlossfestspiele wünscht er sich einen regelmäßigen Wechsel zwischen großer Oper und Musical, ohne dabei allzu poppig zu werden. „Damit würden wir uns verraten.“ Aber junge Stücke wie „Elisabeth“ könnte er sich vor allem vor der Schlosskulisse gut vorstellen. Als Opern stünden Beethovens „Fidelio“ oder Mozarts „Entführung aus dem Serail“ auf der Wunschliste.

Auch der Schlossinnenhof soll bei den nächsten Schlossfestspielen wieder bespielt werden – und zwar mit „Dracula“. Ein klassisches Schauspiel, mit eigens dafür komponierter Musik unterlegt. 400 bis 500 Plätze sind aktuell geplant, der Brandschutz müsse das Konzept aber noch abnehmen, sagt Tietje. Insgesamt sechs Tage die Woche soll es dann Schweriner Schlossfestspiele geben, an einigen Tagen sogar an beiden Orten.

 

 

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