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Enterokokken-Keime im Schweriner Trinkwasser : Wasserwerk baut Bakterien-Barriere

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Nach der Verunreinigung des Schweriner Leitungssystems durch Enterokokken-Keime am vergangenen Wochenende wird jetzt ein Netz von Sicherheitsmaßnahmen in der Landeshauptstadt installiert.

svz.de von
erstellt am 08.Jun.2013 | 09:46 Uhr

Neumühle | "Ich arbeite jetzt schon mehr als 25 Jahre im Wasserwerk. Es ist das erste Mal, dass wir Bakterien im Trinkwasser hatten", sagt Volkhardt Zillmann. "Und hoffentlich auch das letzte Mal", fügt Axel Krause, Geschäftsführer des städtischen Wasserversorgers WAG, hinzu. Dafür hätten die Wasserwerker jetzt einen ganzen Katalog von Maßnahmen festgelegt, damit nie wieder Keime das Schweriner Trinkwasser verunreinigen.

"Das Problem ist, dass wir die Ursache für das Auftreten der Enterokokken im Trinkwasser nicht exakt bestimmen können", sagt Krause. Fakt sei, dass es eine relativ geringe Konzentration war, die auch nur an einer Stelle im System aufgetreten ist: Bei der ersten Probe 15 Keime in 100 Milliliter Wasser, einen Tag später noch drei, am nächsten Tag null. Das deute auf einen einmaligen Eintrag, fasst der Chef des Wasserversorgungsunternehmens zusammen. Zum Vergleich: In den Hochwassergebieten tritt die hundertfache Konzentration auf.

"Wir suchen die Nadel im Heuhaufen", sagt Krause. "Wir gehen nach dem Ausschlussprinzip vor und haben eine mögliche Schwachstelle nach der anderen unter die Lupe genommen, bisher aber nichts gefunden." Da die Verunreinigung im Wasserwerk Mühlenscharrn auftrat, wurden alle sieben Brunnen, die abwechselnd das Trinkwasser aus 70 bis 100 Meter Tiefe fördern, akribisch unter die Lupe genommen. Die Köpfe der Brunnenstuben liegen jeweils etwa 1,5 Meter über der Erdoberfläche, so dass selbst eine leichte Überschwemmung keinen Regenwasser-Fremdeintrag verursachen kann. Alle Schächte sind mit einem äußerst komplizierten Sicherungssystem verschlossen, die Deckel haben eine zusätzliche Gummidichtung. Die Brunnenstuben sind innen trocken, ihre Belüftungsrohre mit feinster Gaze verschlossen, so dass keine Mücken oder andere Insekten eindringen können. "Wir haben die Umgebung der Schächte und das ganze Areal abgesucht, ob es möglicherweise oberirdische Verunreinigungen durch Landwirte oder Kleingärtner gegeben hat, konnten aber nichts entdecken", berichtet Zillmann.

Auch im Innern des Wasserwerkes ist alles vorschriftsmäßig gesichert. Die beiden je 3000 Kubikmeter fassenden Frischwassertanks sind hermetisch verschlossen, selbst die Sichtkontrollen erfolgen durch Panzerglas, ebenso die Beleuchtung. Die Kessel der Filteranlagen werden nur von erfahrenen Fachleuten beschickt. "Wir haben selbst die Belüftung der Rohwasserleitungen unter die Lupe genommen, konnte aber keine Schwachstellen entdecken", bilanziert Krause. "Die Zuckmücken, die im vergangenen Jahr bei mehreren Wasserversorgern in Vorpommern Bakterienalarm verursacht hatten, können bei uns nirgendwo eindringen", versichert der Geschäftsführer.

Die Ursachensuche bläst er dennoch nicht ab. "Wir haben gemeinsam mit dem Technologiezentrum Karlsruhe und einem Stralendorfer Ingenieurbüro einen Maßnahmenkatalog erarbeitet." Festgelegt worden sei unter anderem, dass beim nächsten Starkregen die Kollegen raus müssen, um die Umgebung der Brunnen und anderer Anlagen gezielt nach Schwachstellen abzusuchen. Täglich werden Wasserproben an verschieden Stellen genommen und im Labor analysiert, obwohl dies nicht vorgeschrieben ist. "Das Schweriner Trinkwasser hat im Bundesvergleich eine vorzügliche Qualität. Das wird so bleiben", versichert Krause.

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