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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 00:20 Uhr

Schweriner See : Wassersport und Natur im Einklang

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Jetzt entscheidet Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt über Sperrzonen an den Inseln. BUND fordert Schutz der Uferbereiche

von
erstellt am 04.Jul.2017 | 11:50 Uhr

Tausende Freizeitkapitäne dürfen bald aufatmen. Denn der Streit um die Abtonnung der Inseln Ziegel- und Kaninchenwerder könnte bald Geschichte sein. Laut eines Referenten-Entwurfes aus dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur sollen die drei Liegebuchten vor Kaninchenwerder vom bisherigen Befahrensverbot ausgenommen werden. Wann die Sperrtonnen verschwinden – und ob überhaupt, das letzte Wort liegt bei Minister Alexander Dobrindt – ist offen.

Klar positioniert hat sich längst der Bund für Umwelt und Naturschutz: „Auch wenn der BUND nicht Urheber der Schutzzonen ist, finden wir sie richtig und sinnvoll“, sagt Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag. Weil Uferbereiche der Seen durch zahlreiche Bauvorhaben, Schneisen im Schilf und Anlieger gestört würden, hätten Insellagen eine besondere Bedeutung für die Wasservögel. „Alleine in den Uferzonen von Kaninchenwerder brüten zwölf Wasservogelarten. Um die achtzig Brutplätze dieser Arten sind noch vor zehn Jahren von Experten gezählt worden. An der Westseite des Naturschutzgebietes Ziegelwerder sind es mehr als 150 Brutreviere, die sich in unmittelbarer Nähe zu den geforderten Liegeplätzen in Schilfbuchten befanden. Die Uferzonen mit Wasserpflanzen und Schilf sind für viele Wasservögel unverzichtbare Lebensräume.“ Nur, wenn bestimmte Arten, wie der Haubentaucher, der Schwarzhalstaucher, die Kolben- und die Tafelenten ungestört im Frühjahr und Sommer ihre Jungen im Schilfgürtel der Naturschutzinseln Kaninchen-und Ziegelwerder großziehen könnten, dann erfüllten diese Naturschutzgebiete ihren Zweck.

Will also der BUND die Schweriner von der Natur fernhalten, damit dort alles ungehindert wachsen und gedeihen kann? „Mensch und Natur gehören zusammen“, sagt Corinna Cwielag, die solche Vorwürfe nicht zum ersten Mal hört. „Mitglieder des BUND fahren selbst auch regelmäßig mit Booten zur Insel Kaninchenwerder, wo es eine Hafenanlage gibt, an der jedermann ganz normal anlegen kann, um die Schönheit der Insel, den Sonnenuntergang über Schwerin und vieles mehr von Land und vom Boot aus zu genießen“, berichtet die Geschäftsführerin. Der BUND habe mehrfach signalisiert, dass eine Ertüchtigung der Hafenanlage als sinnvoller Kompromiss zwischen Naturschutz und Naturnutzung gesehen wird. „Der BUND will keine Menschen aus Schutzgebieten vertreiben. Vielmehr tritt er dafür ein, dass Störungen der Natur so gering wie möglich gehalten werden.“ Ankernde Boote im oder nahe vor dem Schilf seien zu bestimmten Zeiten eine große Störung. „Sie vertreiben die dort brütenden Vögel oder setzen sie unter Stress.“


Problem: Raserei der Jetski-Fahrer


Der Schweriner See bietet rund 90 Kilometer Uferlinien. Die Naturschutzgebiete der Inseln Kaninchenwerder und Ziegelwerder machen 1,21 Prozent der Seefläche aus. Es sei ohne gesetzliche Einschränkungen möglich, bei verschiedenen Windrichtungen geeignete Liegeplätze zu finden, ohne in Naturschutzgebieten zu ankern, argumentiert der BUND. Auf dem Schweriner See finden zahlreiche Regatten und Wassersportveranstaltungen in einem störungsarmen Abstand zum Ufer statt – mehr als 100 Veranstaltungen im Jahr. Dies sei durch respektvolles Verhalten möglich. Wassersport und Naturschutz stünden sich dabei nicht im Wege. Aber es gäbe ein aktuelles Problem: „Die illegalen Rasereien durch hochmotorisierte Motorboote und Jet-Ski haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Dadurch entstehen über das gesamte Jahr, im Zeitraum von Brut bis Rast der Wasservogelarten, enorme Störungen. Bislang unternehmen weder die Stadt Schwerin noch das Ministerium etwas dagegen. Der BUND sucht Mitstreiter für eine Lösung.“ Die Stadtpolitik hat aber bereits signalisiert, genau diese finden zu wollen: Die Unabhängigen Bürger in der Stadtvertretung wollen das Befahren der Seen mit den schnellen so genannten Wassermotorrädern strenger kontrollieren und reglementieren. Sie haben einen entsprechenden Antrag in der Stadtvertretung gestellt. Die Bündnisgrünen wollen hochmotorisierte Jetski ganz verbieten und ansonsten eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 25 Kilometer pro Stunde durchsetzen. Unabhängigen-Fraktionschef Silvio Horn hält von solchen Verboten nichts. Er könne sich eher vorstellen, perspektivisch sogar eine offizielle Rennstrecke auszuweisen, beispielsweise auf dem Außensee. Über das Thema wird jetzt in den Fachausschüssen diskutiert.

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