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Hof Barniner bei der Dorsch-WM : Was zappelt denn da am Haken?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Für das Team „Meck Dorsch“ reichte es in Norwegen zwar zu keinem WM-Titel, aber Fisch und Polarlicht gab es für die Hobby-Angler trotzdem

„Noch fünf Minuten, dann ist Schluss“, ruft der Skipper. Enrico Dahl schaut in seinen Eimer und sieht – nichts. Der Wind ist eisig, die Wellen hoch und Dahls Laune im Keller.

Noch fünf Minuten, dann ist die Dorsch-WM in Norwegen vorbei. Dann wird der Kutter zurück in den Hafen von Svolvær tuckern, wo gewogen, gezählt und gerechnet wird. Hobby-Angler Dahl hat nichts zum Wiegen und Zählen. Dabei hat er seine Fang-Taktik schon geändert. Gummifisch statt Metallpilker. Vorhin, da hatte er einen Dorsch am Haken. Einen Skrei, wie die Norweger den arktischen Dorsch nennen. So um die vier Kilo schwer, vielleicht auch etwas mehr. Aber das Rausziehen war ein Reinfall. Drei Versuche und futsch, weg war er. Dann biss ein Lump an. Stattlich, durchaus, aber dieser dickbäuchige Fisch war außer Konkurrenz.

Noch fünf Minuten. Ein Ruck. Die Rute biegt sich, die Sehne ist gespannt. Der Angler auch. Gibt es für ihn und sein Team „Meck Dorsch“ doch eine dicke Überraschung?

Drei Tage zuvor. Ein kleines Propellerflugzeug hat Enrico Dahl, seinen Bruder Adrian, Mirko Streuer und Ekkehard Leipe auf die Lofoten geflogen. Wer dieses Reiseziel im Monat März wählt, der muss Schneegestöber, null Grad und einen strammen Wind abkönnen. Die Männer aus Hof Barnin, Crivitz, Bahlenhüschen und Seehof sind nicht die einzigen, die das können und zu dieser Zeit im Westfjord ankommen. Russen sind da, Briten auch. Dänen und Schweden sind angereist. Und viele Norweger aus allen Teilen des Landes. Sie alle haben ein Ziel: Sie wollen bei der Dorsch-WM mitmachen. 600 Teilnehmer. Profis sind dabei und Freizeitfischer wie die Dahls. „Wir wollten das einmal erleben“, sagt Enrico Dahl. Und vielleicht auch das Polarlicht sehen. „Das wird heute was“, orakelt ihre Bed & Breakfast-Vermieterin. In der Tat. Mit der Dunkelheit legt sich auch ein faszinierender Farbschleier über die Schnee bedeckten Bergkuppen. Jetzt fehlt nur noch der Dorsch.

Noch ein Tag bis zur WM. Probeangeln steht an. „Ein Boot? Bei dem Wind? Nichts zu machen“, sagen die Verleiher. Ein Kutterkapitän wagt sich trotzdem raus. Die Fische beißen an. Erste Fotos werden gemacht. Viele sollen folgen.

Einen Tag später wird es ernst. Der erste WM-Tag. Das Ziel: viel Fisch zu angeln. Das Problem: Der begehrte Dorsch ist nicht an den Stellen, wo er vermutet wurde. Die Ausbeute: nur zehn Fische mit 15 Kilo Gesamtgewicht. Das Schöne daran: Adrian Dahl holte einen 7-Kilo-Dorsch aus dem Wasser. Rang 31 in der Einzelwertung. „Das ist doch was“, freute sich sein Bruder Enrico, dessen Eimer leer blieb.

Noch fünf Minuten. Jetzt zappelt einer am Haken. Was es ist  ? Ein Dorsch. Endlich. Kein Riese. Aber auch kein Leichtgewicht. 4,6 Kilo. „Platz 153“, sagt Angler Dahl und muss grinsen. Die Tour war nicht nur interessant, sondern auch spaßig. Besonders abends im Festzelt am Hafen, dort, wo die kleinen und großen WM-Geschichten ihre Runden machten.

Enrico Dahl hat ein Exemplar der Lokalzeitung aus Svolvær mit nach Hause gebracht. Auf der Titelseite der „Lofotenpost“ steht ein wuchtiger Mann mit roten Wangen und einem Grinsen im Gesicht, als hätte er soeben die norwegische Fußball-Nationalmannschaft zum WM-Titel geschossen. Das hat er nicht. Aber er ist Dorsch-Weltmeister, dank eines 23,8-Kilo-Fisches, den er aus dem kalten Atlantik gezogen hat.

Nächstes Jahr will es das „Meck Dorsch-Team“ vielleicht noch mal versuchen. Im Sommer ist Enrico Dahl auf jeden Fall wieder vor Ort. Mit Familie und Wohnmobil. Dann wird geangelt. Ohne Konkurrenz – und ohne Zeitdruck.

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erstellt am 13.Apr.2017 | 20:00 Uhr

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