Eindeutig : Warsower gegen Windkraft-Pläne

Debattieren in der Pause: Marianne Facklam, Bürgermeisterin von Holthusen, und der Warsower Gemeindevertreter Joachim Becker.
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Debattieren in der Pause: Marianne Facklam, Bürgermeisterin von Holthusen, und der Warsower Gemeindevertreter Joachim Becker.

Große Mehrheit der Teilnehmer der Informationsveranstaltung lehnt Anlagen in Dorfnähe kategorisch ab

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22. Januar 2016, 06:00 Uhr

Das war eindeutig: Die rund 50 Warsower, Kothendorfer und Krumbecker, die Mittwochabend zur Informationsveranstaltung der Gemeinde gekommen waren, lehnen mit deutlicher Mehrheit die Pläne für den möglichen Bau einer Windkraftanlage auf der Gemarkung Warsow ab. Nur wenige, eine Hand voll Einwohner, stimmte dafür.

Weil das aber keine repräsentative Meinung aller Einwohner sei, so begründete Gemeindevertreter Joachim Becker, bittet die Gemeindevertretung alle Bürger, also auch jene, die an diesem Abend nicht dabei waren, um ein Votum. Dafür hatte die Gemeindevertretung ein Schriftstück vorbereitet. Hier soll jeder abstimmen, ob die Gemeinde einen Vertrag mit der Schweriner Firma Naturwind abschließen soll oder nicht.

Zum Hintergrund: Das Schweriner Unternehmen will zwischen Alt Zachun, Bandenitz, Holthusen und Sülstorf einen Windpark mit elf Anlagen errichten. Ursprünglich waren mehr vorgesehen, das Schweriner Energieministerium hatte in seiner Genehmigung über ein Zielabweichungsverfahren die Anzahl reduziert. Jetzt will Naturwind zusätzlich ein Windrad bei Warsow bauen – und hat bei der Gemeinde um Zustimmung für die benötigte Abstandsfläche nachgefragt. Bevor die Kommune die Entscheidung trifft, will sie ihre Bürger hören. Das Votum soll bei der Entscheidungsfindung helfen, erklärte Bürgermeisterin Gisela Buller.

Das Für und Wider für den Bau eines Windrades veranschaulichte Gemeindevertreter Joachim Becker – zum Teil sehr ausführlich. So sprach er darüber, welche belastenden Auswirkungen von einem Windrad ausgehen können, welche Möglichkeiten und Risiken es bei einer wirtschaftlichen Teilhabe geben kann. Und er ging auf Aspekte ein, die im Zusammenhang mit einem möglichen Vertrag stehen. Ein Vorteil wäre: Warsow würde jährlich 6000 Euro Einnahmen erzielen, wenn sie einen Teil des kommunalen Landes als Abstandsfläche zur Verfügung stellt. Dieses Geld könnte unter anderem zur Haushaltskonsolidierung verwendet werden. Und, so führte Joachim Becker aus, die Gemeinde hätte jetzt noch Einflussmöglichkeiten, um Belastungen zu reduzieren. So könne möglicherweise die Anlagenhöhe auf 150 Meter begrenzt werden.

Becker erläuterte: Sollte die in Frage kommende Fläche zum Windeignungsgebiet ausgewiesen werden, bleibe die Gemeinde außen vor. Auf der Tagung des Regionalen Planungsverbandes am gleichen Abend in Ludwigslust wurde der Entwurf für Eignungsflächen beschlossen – mit diesem Areal (siehe unten stehende Beiträge). Wenn diese Pläne in Kraft treten, kann ein Betreiber bauen, ohne die Gemeinde einbeziehen zu müssen. In dem Fall erhält sie auch keine Einnahmen aus der Windenergie.

Von vornherein ausgeschlossen hat die Gemeinde Warsow, sich finanziell an diesem Projekt zu beteiligen – was auch möglich wäre, betonte Becker mehrfach. Dazu wäre es aber notwendig, Kredit aufzunehmen, die Gewinnaussichten würden mit einem Risiko einhergehen.

Noch könne das Vorhaben des Windparks in der Region gestoppt werden, hatte unter anderem Marianne Facklam, die Bürgermeisterin aus der Nachbargemeinde Holthusen, angemerkt. Denn derzeit gibt einen Baustopp. Ein Einwohner aus der betroffenen Region hatte Widerspruch eingelegt. Seine Klage wird beim Oberverwaltungsgericht Greifswald verhandelt. Die Entscheidung steht aus.

Ihre Ablehnung gegen den Windpark bei Alt Zachun in seiner ursprünglichen Form hatten 300 Einwohner der Gemeinde im Vorfeld kund getan – in einer Unterschriftenliste, die der Warsower Bürgermeisterin übergeben worden war. Verwundert waren Einwohner, dass diese Liste in der Gemeindevertretung bislang nicht ausgewertet wurde.

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