Vom Teichhockey zum Eishockey : Warsow, ein Wintermärchen

Warsow kämpfte sich an die Spitze der Eishockeyhobbyliga. Seit Sonntag sind sie zum zweiten Mal in Folge Landesmeister.
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Warsow kämpfte sich an die Spitze der Eishockeyhobbyliga. Seit Sonntag sind sie zum zweiten Mal in Folge Landesmeister.

EHC verteidigte in Malchow Meistertitel in der Hobbyliga / Nächstes Jahr soll der Pott für immer nach Warsow.

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06. März 2018, 16:00 Uhr

Es war einmal vor langer Zeit... Enrico Templin mag vielleicht sieben oder acht Jahre alt gewesen sein. Als Kind war der Warsower jeden Tag draußen. Besonders im Winter, bei klirrender Kälte. „Wir haben die Ranzen in die Ecke geworfen, uns die Schläger geschnappt und sind nach der Schule sofort raus aufs Eis.“ Knieschützer gab es damals noch nicht. Und auf Handschuhe konnte man auch verzichten. „Wichtig waren die Schläger“, sagt Templin. „Die haben wir uns oft selbst gebaut in der Werkstatt mit der Hilfe vom Opa.“ Als Puck diente ein Holzscheit, für das Tor stellten die Jungs einfach zwei Schlitten auf den Teich.

Die Jahre vergingen. Aus den Jungs wurden Männer. Ihre Leidenschaft für das Eis ist geblieben. Heute ist Enrico Templin 43, trägt professionelle Schützer für Knie und Ellenbogen, einen Brustpanzer, gepolsterte Hosen, einen Helm mit Gittervisier und ein Trikot wie die Profis. Gespielt wird jetzt nur noch selten auf dem Teich, sondern auf der eigenen Eisbahn im Dorf. „Die Idee dazu war aus der Not geboren“, sagt Enricos alter Schulfreund Ralf Baumann. „Draußen am Teich wurde es uns zu schnell dunkel. Wir brauchten einfach Licht.“ Am Ortseingang von Warsow, direkt an der B 321 ist auch an kalten Wintertagen lange hell. Hier haben sich die Warsower mit Autobahnleitplanken ein Spielfeld abgesteckt, Flutlichtstrahler aufgestellt, Banden im Karree gebaut, die Fläche dazwischen mit Folie ausgelegt und darauf Wasser aus dem Hydranten gespritzt. An frostigen Tagen wie in der vergangenen Woche ist hier jeden Tag was los. Nachmittags fahren die Kinder Schlittschuhe, abends trainieren die Männer vom EHC. Und weil man sich nicht auf den Frost verlassen kann, fahren die Männer seit zwei Jahren regelmäßig in die Eishalle nach Malchow. Für das zweistündige Training auf dem Eis nehmen sie gut 180 Kilometer Autofahrt in Kauf. „Da endet so ein Tag für uns oft erst Mitternacht in der heißen Badewanne“, sagt Ralf Baumann. Die Männer stört das nicht: „So lange es Spaß macht“, sagt Templin. „Wir sind ein gutes Team, das fest zusammen hält.“ Fast zwanzig Spieler gehören heute zum EHC. „Wir brauchen so viele, weil wir ständig auswechseln“, so Templin. „Das Spiel ist schnell. Es gibt kein Aus. Wir sind praktisch im Dauersprint.“

Seit zwei Jahren spielt Warsow aktiv in der Hobbyliga des Landes. Gleich im ersten Anlauf holten sie sich den Meistertitel und damit den Wanderpokal, der beim dritten Titel zuhause bleiben darf. Die Warsower sind auf einem guten Weg. Letzten Sonntag verteidigten sie ihren Titel. Das Märchen geht weiter.

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