Lübesser Landwirt : Wann wirds wieder Erntewetter?

Dicke graue Wolken hängen über dem Getreide bei Boldela. Kein schöner Anblick für die Bauern in der Region. Die Wetterprognosen sind aber alles andere als rosig.
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Dicke graue Wolken hängen über dem Getreide bei Boldela. Kein schöner Anblick für die Bauern in der Region. Die Wetterprognosen sind aber alles andere als rosig.

Stefan Riemer von der Agp Lübesse ist mit Erträgen zufrieden – nur Sonne fehlt

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12. August 2016, 12:00 Uhr

Erntewetter ist anders. Immer wieder ziehen die grauen Wolken über das Roggenfeld bei Boldela. Immer wieder geht der Blick von Stefan Riemer gen Himmel. „Da könnte was kommen, da regnet es schon und die da hinten könnten vorbeiziehen“, sagt der junge Landwirt. Ob seine Prognose stimmt, wird sich zeigen. „Ich bin kein Wetterfrosch und oft kommt es anders – leider“, sagt Riemer. Bei der Agp Lübesse ist er für den Pflanzenbau zuständig und hat jetzt ein besonders Augenmerk auf die Feuchte des Roggens.

Noch immer ist es grau am Himmel, dennoch rollt der erste Mähdrescher Richtung Feld. Zunächst wird eine Handprobe gezogen: Körner kommen direkt von der Ähre in den Prüfer, werden gemahlen und der kleine Kasten zeigt binnen weniger Sekunden den Feuchtigkeitsgehalt an. „Jetzt haben wir 15,4 Prozent. Ist okay, mehr aber nicht“, kommentiert Stefan Riemer den Wert. Ein zufriedenes Gesicht sieht anders aus. Denn ein Prozent weniger müsste es sein, damit der Handel den vollen Preis zahlt.

Was zu feucht geerntet wird, kann mit Propionsäure für die eigenen Milchkühe haltbar gemacht werden. Das Gros werde verkauft. „Bestenfalls wird Brot draus“, sagt Riemer mit einem Augenzwinkern.

Nachgeschlagen
Mutterkorn ist kein Schnaps für Mamas
Bei  feuchtwarmer Witterung in der Blütezeit  (Mai/Juni) kann es beim Roggen zur Bildung von Mutterkorn kommen. Der Name Mutterkorn weist auf die Beziehung zur Gebärmutter hin – die Inhaltsstoffe sollen die Wehen anregen.  Aber bereits  5 bis 10 Gramm des Pilzes können tödlich sein.    Erste Berichte über eine  Mutterkornepidemie stammen von  857 n.Chr. aus Xanten.   Dr. Albert Hofmann entwickelte 1943 aus  Mutterkorn das LSD. Die letzte  Massenvergiftung gab es 1951 in Frankreich. Mit modernen Scan- und Siebvorrichtungen können  die Körner mittlerweile  aussortiert werden.

Der Landwirt ist aber zuversichtlich. Er schickt den Mähdrescher ins Getreide. „Der Wind bläst und die Sonne lugt ab und zu durch“, sagt Stefan Riemer und erklärt, dass es mit der Abtrocknung schnell gehen kann. „Stimmt die Kombination aus Sonne, Wärme und Wind, geht es ein Prozent in der Stunde runter. Regnen dürfe es dann aber nicht. „Ein kleiner Schauer reicht aus, der wirft uns um Stunden zurück.“ Weder er noch seine Berufskollegen können das momentan ohne Probleme wegstecken.

Insgesamt hat die Agp Lübesse auf 600 Hektar Roggen angebaut. 50 Prozent sind gedroschen. Mindestens fünf „super gute Tage“ brauche es noch für den Rest. Tage, an denen von morgens bis abends gedroschen werden kann. Momentan sind die Mitarbeiter in Rufbereitschaft. „Das nervt“, bringt Riemer es auf den Punkt.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist der Ertrag. „Wir können uns wirklich nicht beklagen, denn mit mehr als 40 Dezitonnen pro Hektar liegen wir deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Der lag bei 35 Dezitonnen“, nennt Stefan Riemer einige Zahlen. Auch die Fallzahl – damit wird die Backfähigkeit des Getreides gemessen – ist in diesem Jahr sehr gut, betont der 30-Jährige. Und mit dem Mutterkorn gäbe es in diesem Jahr auch keine Probleme. Der Pilz ist auf den ersten Blick auf dem Feld nicht zu entdecken, aber an einer Pflanze lässt er sich doch finden. „Ich habe in den vergangenen Tagen immer geschaut, aber keinen Pilz entdeckt“, sagt der Bauer. Und so gibt es in diesem Jahr auch dafür keine Abzüge. Glück. Nun müssten nur noch die Preise stimmen, meint Stefan Riemer. Meldungen von einer schlechten Ernte in Frankreich machen in diesen Tagen die Runde. Steigende Getreidepreise werden in Aussicht gestellt. „Das ist so, als würde man in ein volles Regenfass eine Tasse Wasser kippen“, sagt Stefan Riemer und winkt ab. Der Anteil von Getreide aus Frankreich am Weltmarkt sei marginal, die schlechte Ernte falle kaum ins Gewicht.

Also heißt es wieder: Abwarten und die Preise beobachten – im besten Fall Getreide einlagern. Doch noch wichtiger sei in diesen Tagen der Wetterbericht. Auch heute Morgen geht sicher der erste Blick von Stefan Riemer auf sein Handy. „Das liegt immer am Bett, drei Wetter-Apps habe ich, alle drei sind aber nicht zuverlässig“, sagt er und lacht.

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