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Wessiner kritisieren Stallpflicht : Wann kommt Henne Berta frei?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vogelgrippe: Die Wessiner Hühnerhalter Edmund Richter und Dirk Bahnemann sagen, dass monatelange Stallpflicht unnötig ist

svz.de von
erstellt am 07.Mär.2017 | 08:00 Uhr

Wie aus Protest kräht der Hahn inmitten seiner Hühnerschar. Kein Wunder, denn draußen zwitschern die ersten Singvögel und leiten den Frühling ein, doch der Gockel samt Henne Berta und ihren gefiederten Artgenossinnen fristen immer noch ihr Dasein im Stall. Seit November ist das nun schon so, denn immer noch warnen die Landkreise und Veterinärämter vor der Vogelgrippe. Erst vor kurzem gab der Landkreis Ludwigslust-Parchim eine Pressemitteilung heraus, in der zwar von „einer leichten Entspannung der Situation“ die Rede war, aber keinesfalls von einer Entwarnung. Die Aussicht: „Wenn es bis Mitte März keine weiteren Ausbrüche bei Hausgeflügel im Land auftreten, dann könnte die Aufstallungspflicht stufenweise gelockert werden“, so Dr. Olav Henschel, Leiter des für den Landkreis und die Landeshauptstadt zuständigen Fachdienstes Veterinär- und Lebensmittelüberwachung (SVZ berichtete).

Den Wessinern Edmund Richter und Dirk Bahnemann ist die Stallpflicht jetzt schon zu lange Vorschrift. Vor drei Monaten, zu Beginn der Aufstallungspflicht, merkten sie bereits an, dass das lange Eingesperrtsein den Tieren schadet. „Es ist zwar nicht so, als wenn es meinen Tieren schlecht geht, aber im Grunde ist das Tierquälerei“, findet Edmund Richter klare Worte für die Situation. Auch, dass er als kleiner Hühnerbesitzer seine Tiere so lange eingesperrt lassen muss, findet er nicht nachvollziehbar. „Ich verstehe nicht, dass es immer wieder in Großbetrieben zu Vorfällen mit Keulungen kommen kann, wenn doch alles vom Zugvogel abgeschottet ist und die Hygienebestimmungen eingehalten werden“, wundert er sich. Für ihn als kleiner Hühnerbesitzer sei diese lange Stallpflicht „einfach komisch“.

Ihm selbst bleibe „ja nichts anderes übrig, als die Stallpflicht weiter einzuhalten“, sagt Richter und denkt dabei auch an die Hobbyzüchter. „So ein Hobby ist teuer, und den Schaden an den Rassen kann man gar nicht aufwiegen“, sagt er nicht ohne Ärger in der Stimme. Seit seiner Kindheit hat Richter mit der Landwirtschaft zu tun, aber an solch eine lange Stallpflicht kann er sich nicht erinnern. Mühsam sei das tägliche Säubern des Stalls, außerdem brauchen die Tiere abwechslungsreicheres Futter wie Grünschnitt und eigentlich beginnt dann auch die Legezeit der Hennen. Wann das Pfauen-Weibchen, das er ebenso im Besitz hat, anfängt zu legen und ob es überhaupt brütet, das kann Richter nicht abschätzen.

Auch sein Nachbar ist ein wenig genervt von der lang anhaltenden Vorschrift des Veterinäramtes. Seine Hühnerschar ist noch vollzählig . „Ich habe erst recht keine einzige Henne abgeschlachtet“, so Dirk Bahnemann. Seine Nutztiere legen zwar mangels Auslauf ein bis zwei Eier weniger am Tag, aber das stört ihn nicht weiter. Beide Männer hoffen, dass lieber heute als morgen wieder alles beim Alten vorbei ist und auch Henne Berta draußen wieder gackern kann.

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