Unmut am Pinnower See : Waldwege sorgen für Ärger

Der Uferweg am Pinnower See:  Nach dem Holzeinschlag sieht es an manchen Stellen arg aus. Foto: Pätzold
Der Uferweg am Pinnower See: Nach dem Holzeinschlag sieht es an manchen Stellen arg aus. Foto: Pätzold

Wanderer kritisieren, dass die Pfade nach dem Holzeinschlag nicht mehr begehbar sind - Forstverwaltung: Keine offiziellen Wege

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03. März 2016, 05:00 Uhr

Der Wanderweg um den Pinnower See sei eine Perle für Wanderfreunde und Naturliebhaber, sagt Hans-Jürgen Heine und spricht damit vielen aus dem Herzen. Doch der Uferweg sei nach dem Holzeinschlag im Spätherbst an mehreren Stellen nicht wiederzuerkennen, meint der Vorsitzende des Tourismusausschusses im Amt Crivitz, und greift damit Sorgen von Wanderern auf. Auch unser Leser Markus Woelck aus Schwerin ist „erschüttert, wie es dort aussieht“: umgestürzte Bäume, Reste von gefällten Bäumen, zerfahrene Wege.

Es wäre bedauerlich, so Heine, wenn man den Weg nicht mehr nutzen könne, sagt er. Generationen von Förstern hätten ihn mit Helfern aus der Region als Wanderweg gehegt und gepflegt. Denn der Uferweg biete Entspannung und Erholung und stelle für den Tourismus eine besondere Bedeutung dar. Darauf wolle Heine auch die Forstverwaltung in Corvey aufmerksam machen.

Dass der Weg bei Wanderern sehr beliebt ist, weiß Rico Neumann. Er ist Revierförster bei der Forstverwaltung des Herzogs Viktor von Ratibor in Höxter mit Sitz im Schloss Corvey. Der Wald bei Pinnow gehört der Herzogin Donata zu Mecklenburg. Im November wurden hier Bäume geerntet (SVZ berichtete). Dabei kam auch schwere Technik zum Einsatz – vorwiegend im obereren Bereich des Buchenwaldes. Ein Rückeweg, auf dem das Holz abtransportiert worden ist, sei arg in Mitleidenschaft gezogen worden, sagt Revierförster Neumann. Diesen Weg, der auch zum Steinernen Tisch führt, wolle man in den nächsten zwei, drei Monaten herrichten lassen. Das sei mit der Waldeigentümerin abgesprochen. Dafür nehme man auch Geld in die Hand, erklärt Neumann. „Wir haben selbst Interesse daran, diesen Weg zu erhalten.“

Am Uferweg hingegen wolle die Forstverwaltung nichts unternehmen. Es sei ja nicht so, dass man hier gar nicht mehr gehen könnte, sagt Rico Neumann. Es gäbe Abschnitte, in denen der Weg genauso aussieht wie vorher. Und es gäbe Abschnitte, auf denen Reste von der Holzernte liegen geblieben sind. Neumann: „Wir haben Selbstwerbern angeboten, dass sie den Kronenschnitt und anderes Astwerk für sich aufarbeiten können. Dabei räumen sie auch den Weg frei. Das ist an manchen Stellen so passiert. Es gibt aber Bereiche, die schwer zugänglich sind, einige sind sogar geschützt. Auch aus diesem Grunde haben wir nicht alle vorgesehenen Bäume abgenommen.“

Dass es sich hier um einen offiziellen Weg und gar um einen ausgewiesenen Wanderweg handele, wie alle annehmen würden, treffe nicht zu, erklärt der Revierförster. „Das ist ein weit verbreiteter Irrtum.“ Laut Waldgesetz müsse der Wald für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Und das ist er. „Aber wir müssen keine Wanderwege vorhalten und diese instandsetzen.“ Beim Uferweg gehe es zudem um die Verkehrssicherheit. Mehrere kleine Bücken führen über Quellgebiete. Die Brücken wurden vor Jahren von ABM-Kräften errichtet. Inzwischen sind die meisten marode oder abgesackt. Zwar habe der Naturpark Sternberger Seenland signalisiert, dass er die Brücken instandsetzen lassen würde, aber „die Verkehrssicherungspflicht will auch er nicht übernehmen“, erzählt Rico Neumann.

Und das sei das A und O. Brücken sind Bauwerke, für die jemand Verantwortung tragen muss, erklärt der Revierförster. Rutscht ein Wanderer darauf aus, gehe es um die Schuldfrage. Gleichwohl will Neumann die Bedeutung des Waldes für Naturfreunde nicht herunterspielen. „Wir sind mit dem Naturpark im Gespräch. Wenn wir uns einig werden, soll der obere Weg als offizieller Wanderweg ausgewiesen werden.“ Und er fügt hinzu: Wer möchte, kann natürlich auch auf dem Uferweg wandern – auf eigene Verantwortung.

Für die Forstverwaltung mache es wenig Sinn, Geld in die Sanierung des Uferweges zu stecken. Wenn sich Helfer aus Vereinen oder Verbänden der Wander- oder Tourismusbranche melden und mit anpacken wollen, seien sie gern gesehen, den Uferweg freizuräumen, so Neumann. Er könne sich vorstellen, eine solche Aktion zu unterstützen. Dieser Vorschlag findet auch Zustimmung von Hans-Jürgen Heine vom Tourismusausschuss.

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