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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 00:31 Uhr

Pädagogen gesucht : Waldorfschule bildet Lehrer aus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Rezept gegen Nachwuchssorgen: In Schwerin kann man in drei Jahren in Abend- und Wochenendkursen zum Pädagogen werden

von
erstellt am 03.Jan.2015 | 09:00 Uhr

Lehrermangel herrscht nicht nur an staatlichen, sondern auch an Waldorfschulen. Wenngleich das Kollegium in der Schlossgartenallee zurzeit noch gut bestückt ist, schauen die Pädagogen bereits einige Jahre voraus und haben reagiert: In Schwerin kann man sich jetzt zum Waldorflehrer ausbilden lassen. Und zwar berufsbegleitend in Abend- und Wochenendkursen in der Schlossgartenallee 57.

Gestartet wurde bereits Ende Oktober, doch Interessierte können bis Ende Januar noch in die dreijährige Ausbildung einsteigen, sagt Annemarie Garben, die das Schweriner Seminar mit aufgebaut hat und als Mentorin begleitet. „Ich sehe mich eher als Hebamme für dieses Projekt“, sagt die Lehrerin lächelnd. „Denn das Seminar ist in großen Teilen selbstverwaltet, so dass jeder an seiner eigenen Ausbildung mitgestalten, Schwerpunkte setzen und seinen eigenen Lernweg in den Blick nehmen kann.“ Teilnehmen können neben staatlich examinierten Lehrern auch Menschen mit einem abgeschlossenen Studium oder einem Meisterbrief in einem unterrichtsrelevanten Fach, z. B. Gärtner, Tischler, Schneider. Die Studienzeit wird im vierten Jahr durch ein Praxisjahr komplettiert und mit einem Zertifikat abgeschlossen. Unterrichten können die in Schwerin ausgebildeten Waldorflehrer dann auf der ganzen Welt. Annemarie Garben beispielsweise hat ihr Handwerk in Neuseeland gelernt.

Die Waldorfpädagogik wurde von dem österreichischen Philosophen und Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner, entwickelt. Die erste Waldorfschule entstand 1919 in Stuttgart. Heute gibt es weltweit mehr als 1000 Waldorfschulen, in Deutschland sind es etwa 232. Die Schweriner Schule besteht seit 1997, rund 300 Kinder besuchen sie in den Klassenstufen 1 bis zum Abitur. Dabei begreifen sich die Schulen seit jeher mehr als Lebens- denn als Lernort, setzen auf eine angstfreie, produktive Atmosphäre und Gemeinschaftssinn, Naturverständnis, Handwerk sowie Kunst. Die klassischen Noten von 1 bis 6 werden erst in der Oberstufe vergeben, so lange gibt es individuell ausformulierte Texte. Viel Arbeit für die Lehrer, aber auch viel Gestaltungsspielraum und Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit mit einzubringen.

Aktuell machen acht künftige Lehrer mit, gut ein Dutzend könnte der erste Seminarjahrgang aber verkraften, meint Annemarie Garben. Etwa 1000 Unterrichtsstunden erwarten die Teilnehmer, aktuell treffen sie sich regelmäßig mittwochs von 17 bis 21 Uhr zu sechs Unterrichtseinheiten und an Wochenenden zu Intensivseminaren. Auf dem Stundenplan stehen Grundlagen der Anthroposophie und Waldorfpädagogik, Methodik-Didaktik sowie Kunst und Sinnesschulung. Dazu gehören Sprachgestaltung, Theater, Eurythmie, Plastizieren, Musik und auch Malen. Die Dozenten kommen zum Teil von anderen Waldorfseminaren, z.B. in Hamburg oder Ratzeburg, oder sind Lehrer an der hiesigen Schule.

Wer das Seminar mit Zertifikat abschließt, kann als Klassen- oder Fachlehrer in allen Waldorfschulen unterrichten. In der Nähe von Schwerin gibt es noch junge Einrichtungen in Hitzacker, Rostock und eine Gründungsinitiative in Wismar. Wer Lust auf eine Lehrerausbildung hat, kann sich jetzt noch bei Annemarie Garben melden und ein persönliches Orientierungsgespräch vereinbaren unter E-Mail a.garben@waldorf-sn.de.


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