Schwerin : Waisengärten bekommen Froschteiche

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Mit Baubeginn in den Schweriner Waisengärten sind strenge Auflagen zu beachten, um Flora und Fauna zu schützen. Der Umweltbericht wird heute vorgestellt.

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08. Januar 2013, 12:11 Uhr

Werdervorstadt | Der Entwurf des Bebauungsplans für den ersten Bauabschnitt der Waisengärten liegt vor. Zwischen dem Areal des ehemaligen und zwischenzeitlich beräumten Polizeigeländes, rückwärtig der Ferdinand-Schultz-Straße und einem vorhandenen Graben, der in Nord-Süd-Richtung vom Bereich Am Werder fast gradlinig durch das Gelände verläuft, könnte nach Vorstellung der Planer bereits im Mai mit der Erschließung begonnen werden. Die nördliche Gebietsabgrenzung wird durch einen geplanten Standortbereich für eine Geothermie-Anlage (in der Grafik gelb dargestellt) sowie die DRK-Kindertagesstätte (grün, nördlich der Geothermie) und südlich durch die Verlängerung der Amtstraße (orange) gebildet.

Entstehen soll im ersten Bauabschnitt - im Gegensatz zu den übrigen beiden zum Wasser hin befindlichen Bereichen - vor allem mehrgeschossiger Wohnungsbau (in der Planung rosafarben gekennzeichnet). Dieser soll die vorhandene Gründerzeitbebauung der Werdervorstadt aufgreifen und daher ebenfalls fünf- bis dreigeschossig werden. In der nebenstehenden Planungsansicht ist ersichtlich, welchen maximale Höhenvorgaben die Planer geben. Für die Erschließung werde die Entwicklungsgesellschaft Schwerin verantwortlich zeichnen, ein entsprechender Vertrag mit der Stadt ist in Vorbereitung.

Der Bauausschuss der Stadtvertretung hat sich als erster mit den Planungen beschäftigt. Letztlich trifft die Stadtvertretung die Entscheidung. Laut Robert Erdmann, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft, gäbe es derzeit Gespräche mit drei Investoren für die drei Bauabschnitte. Sie wollen Eigentumswohnungen, Eigenheime und Mietwohnungen realisieren. "Wir werden schon im ersten Bauabschnitt den angestrebten Mix wahren", sagt Erdmann.

Bevor die Bagger anrollen, dürfte aber vor allem der heute Abend erstmals vorgestellte Umweltbericht der Stadt für Diskussionen sorgen. Die heutige Beratung des Ausschusses für Umwelt und Ordnung beginnt um 17 Uhr im Stadthaus, Am Packhof 2-6, Raum 1029. Sie ist öffentlich. Denn das Papier listet nicht nur akribisch den vorhanden Bestand an Flora und Fauna auf, sondern gibt auch entscheidende Empfehlungen für die Zukunft. Das am Nordrand des Plangebietes liegende Kleingewässer ist beispielsweise als geschütztes Biotop zu erhalten. Der Bereich um den kleinen See sowie der Zulauf sollen am Ufer für Bewohner und Besucher erlebbare Bereiche werden (in nebenstehender Planung grün dargestellt). Und es wird zwei weitere, jeweils 250 Quadratmeter große Teiche im zweiten Bauabschnitt geben müssen, listet der Umweltbericht der Stadt auf. Sie sind für den streng geschützten Moorfrosch gedacht, der sein Zuhause in den Waisengärten hat. Er ist wie auch der Laubfrosch in Mecklenburg-Vorpommern nach Roter Liste gefährdet.

Für die Amphibienarten denken die Experten aber noch weiter: "Verzicht auf Bordsteine oder Minimierung der Bordsteinhöhen bzw. Verwendung abgeschrägter Randsteine, Minimierung der Schlitzbreiten von Gullys, falls nicht offene Entwässerungsmulden möglich sind, Vorsehen von Ausstiegshilfen für Amphibien an Gullys und Lichtschächten, Gitterabdeckung (Maschenbreite 3-4 Milimeter) von Lichtschächten, Herstellen von Ausstiegsmöglichkeiten für Amphibien in offenen Baugruben", listet das städtische Papier auf.

Und auch das sieht der Umweltbereicht vor: "Erhalt von Grünachsen für Großer Abendsegler, Breitflügel-, Fransen-, Rauhaut-, Wasser- und Zwergfledermaus durch Sicherung von Flugrouten für Fledermäuse durch Erhalt von Grünachsen in Form von zwei Gräben mit Grünstreifen in Nord-Süd-Richtung und durch Grünflächen im Norden, Baumpflanzungen, die als Leitlinien dienen und nur teilweise Beleuchtung der Grünachsen."

Im Untersuchungsraum haben die Experten immerhin 29 Brutvogelarten mit insgesamt 222 Revieren nachgewiesen. In der Brutvogelgemeinschaft sind gleichermaßen Höhlen- und Halbhöhlenbrüter wie Meisen, Sperlinge oder Gartenrotschwanz und Freibrüter wie die Finkenarten oder Grasmücken vertreten. Es dominiert der Haussperling mit 18 Prozent an der Brutvogelgemeinschaft. Für die Vögel müssen daher - ebenso im Übrigen wie für die nachgewiesenen zehn Fledermausarten - Ersatznistplätze geschaffen werden, sagen die Experten. Wie die Nisthilfen an Bäumen und Gebäuden aussehen, listet der Umweltbericht in Bild und Text detailliert auf und schreibt auch vor: "Die Kästen sollten mit der Einflugöffnung Richtung Süden oder Osten angebracht werden."

Auch für die Neubepflanzungen gibt es bereits detaillierte Empfehlungen. Die Ersatzpflanzungen für zu fällende Bäume erfolgt im Übrigen in der Wolfsschlucht und in Sacktannen auf einer Fläche von 1,1 Hektar. An der künftig verlängerten Promenade soll die Kaiser-Linde gepflanzt werden. In den anderen Straßen sollen wegen ihres silberfarbigen Laubs und der Abstimmung auf die Bodenverhältnisse die Schwedische Mehlbeere gepflanzt werden. Die Stellflächen oberirdischer Stellplatzanlagen sind mit wasserdurchlässigen auszuführen. Gemeinschaftsstellplatzanlagen für mehr als zwei Fahrzeuge sind beidseitig mit je einem Baum einzufassen. In gleichmäßigen Abständen ist nach maximal vier Stellplätzen durch einen weiteren Baum zu unterbrechen. Bei überdachten Stellplätzen ist auf den Dächern eine extensive Dachbegrünung vorzusehen. Alle nicht überbaubaren Grundstücksflächen sind als Gärten anzulegen und dauerhaft zu unterhalten. Auf nicht überbaubaren Vorgartenflächen entlang der Planstraßen sind nur Laubgehölze zulässig. Fensterlose Fassaden, deren seitliche Flächenabstände von Fenstern, Türen, Verschattungselementen oder Solarmodulen mehr als fünf Meter betragen, sind mit Schling- oder Kletterpflanzen zu begrünen.

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