zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

20. August 2017 | 10:09 Uhr

Wärmesammler unterm Putz

vom

Ortkrug | Auf dem Weg hin zum Bioenergiedorf will die Gemeinde Lübesse nicht nur Standort für Windkraft- und Solaranlagen sein: Die Kommune ermöglicht einer Forschungsgruppe von der Hochschule Wismar, ihre energie aktiven Fassaden im Freiland zu testen. "Wenn wir nicht die Forschung unterstützen, wie wollen wir dann bei den erneuerbaren Energien vorankommen?" Bürgermeister Dr. Reinhold Kunze stellt diese Frage nicht einfach in den Raum. Für die Gemeinde stand es außer Frage, dem Forschungsteam vom Bereich Bauingenieurwesen um Professor Helmuth Venzmer ein Areal für Freilandversuche zur Verfügung zu stellen. "Das hört sich jetzt einfach an", berichtet Julia von Werder, wissenschaftliche Mitarbeiterin an dem Projekt. "Aber wir mussten schon suchen, um unsere Fassaden und die Messanlage aufstellen zu dürfen." Da die Gemeinde Lübesse bereits im Bereich der Solartechnik sehr aktiv ist, liefen die Forscher hier mit ihrem neuen Projekt offene Türen ein.

Deshalb steht jetzt auf dem Doma nialhof an der B 106 eine kleine Holzhütte nebst einer - für dieses Gebäude untypischen und viel zu großen - Fassade. Diese nach Süden ausgerichtete Wand besteht aus sechs Fassaden feldern. Diese unterscheiden sich nicht nur durch die Farbgebung. Die Wissenschaftler haben verschiedene Anstriche und auch unterschiedliche Dämmstoffe verwendet. Gleich ist hingegen das "Innenleben" der Fassade. Mit Kapillarrohrsystemen und einem Wärmetauscher in der Holzhütte wird genau gemessen, wie viel Wärmeenergie jedes Fassadenelement aufnimmt. Die gesammelten Daten werden per Internet nach Wismar übertragen. Das Forscherteam, neben Professor Venzmer und Julia von Werder gehören noch Dr. Hendrik Müller und Volker Jezerkowsky dazu, kann diese auswerten, analysieren und Rückschlüsse ziehen.

Das Ziel des Projektes ist klar umrissen: Sonnenenergie, die auf die Hauswand fällt, soll in Zukunft dazu genutzt werden, um das Gebäude wenigstens zu einem Teil zu heizen oder Warmwasser aufzubereiten. Statt der Sonnenkollektoren auf dem Dach befinden sich hier die neuartigen Wärmesammler unterm Putz. Hinzu kommt noch, dass die Extra-Schutzschicht natürlich auch das Gebäude besser isoliert und die Energiebilanz so nochmals verbessert.

Die Fachleute aus Wismar sind von dem Erfolg ihres Vorhabens überzeugt. Und mehr noch. Bislang seien die Fassaden bei der Nutzung von regenerativen Energien zu wenig beachtet worden. Dabei könne die hier einstrahlende Sonnenenergie mit einem sowohl technisch als auch ökonomisch vertretbarem Aufwand aufgefangen und genutzt werden. Die Forscher von der Hochschule Wismar befassen sich seit gut einem Jahr mit diesem Projekt. Es ist auf insgesamt drei Jahre angelegt und wird sowohl vom Bundesforschungsministerium als auch von Partnern aus der Wirtschaft unterstützt.

"Wir wollen in zwei Jahren so weit sein, dass unsere Fassadensysteme praxisreif sind", blickt Professor Venzmer in die Zukunft. Dass sie jetzt erstmals im Freiland getestet werden können, ist für die Forscher ein wichtiger Schritt.

zur Startseite

von
erstellt am 19.Dez.2011 | 09:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen