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Schweriner Industriebrachen : „Vorwärts“-Hallen verfallen

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Industriebrachen in Schwerin – heute: Für das einstige Kraftfahrzeuginstandsetzungswerk am Mittelweg sucht die Stadt Investoren

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erstellt am 07.Mär.2017 | 11:50 Uhr

Einst gingen Hunderte dort zur Arbeit, die Produktionsstätten waren aus dem Alltag der Schweriner nicht wegzudenken. Heute sind es nur noch dem Verfall preisgegebene Industriebrachen. In dieser Woche nimmt SVZ fünf unter die Lupe – heute: das ehemalige Kraftfahrzeuginstandsetzungswerk (KIW) „Vorwärts“ am Mittelweg.

Für die innerstädtische Industriebrache sucht die Stadt nach wie vor Investoren, die durch ein tragfähiges Finanzierungs- und Nutzungskonzept eine nachhaltige Nutzung sicherstellen können. Das Zentrale Gebäudemanagement und die Stadtplaner arbeiten dafür Hand in Hand. Bislang gibt es aber keine Interessenten.

Nach dem viel beachteten Konzert „Unerhörte Orte“ der Festspiele MV im vergangenen Jahr musste die kommunale Gebäudeverwaltung jetzt weitere Vermietungen der Hallenflächen absagen. Bei einer Begehung wurde asbesthaltiges Kamilit entdeckt, das in der großen Halle als Dämmstoff offen auf den Wärmelampen liegt. Eine Sanierung der Altlasten auf Kosten der Stadt, um dort weiterhin Veranstaltungen zuzulassen, wäre zu teuer.

Vor zwei Jahren hatte die Linksfraktion der Stadtvertretung eine erneute Initiative zur Wiederbelebung des zentral gelegenen Areals gestartet – und Unterstützung bei den anderen Fraktionen gefunden. Mehrheitlich hatte die Stadtvertretung die Verwaltung beauftragt, die Suche nach einem Investor zu intensivieren. Herausgekommen ist dabei bislang nicht viel. „Das Areal wurde von potenziellen Investoren im vergangenen Jahr nicht angefragt, es erfolgten lediglich sporadische Fragen zur bestehenden Gesamtsituation“, hieß es damals aus der Verwaltungsspitze. Dennoch: Das Areal werde nach wie vor auf Immobilienveranstaltungen und -messen wie der „ExpoReal“ in München über die städtische Wirtschaftsförderung überregional beworben.

Die ursprünglichen, in der Vergangenheit in der Diskussion gestandenen Ansätze wie Museumspark, Wohnflächen, Freizeitareal, Dienstleistungspark, Handwerker- oder Technologiezentrum wurden in den zurückliegenden Jahren nicht weitergehend verfolgt. Jetzt möchte die Stadt Verantwortliche in der Hochschule Wismar ansprechen, ob eventuell Konzeptideen durch studentische Master- oder Semesterarbeiten entwickelt werden können.

Auf dem sechs Hektar großen Gelände hatten in der Vergangenheit jährlich die Oldtimertreffen des IFA-Vereins MV stattgefunden. Der rührige Verein wollte in den KIW-Hallen sogar ein Oldtimermuseum errichten. „Seit 2006 bestehen Bemühungen des Vereins, neben dem Sammeln, Bewahren, Restaurieren und Darstellen von historischen Fahrzeugen auch eine Dauerausstellung einzurichten“, so Vereinsvorsitzender Dirk Pittermann. „Dazu gab es konzeptionelle Überlegungen, das Gelände des KIW-Vorwärts zu nutzen, auf dem seit 2007 Oldtimertreffen stattfinden.“ Das Vorhaben scheiterte aber an den Kosten. Gänzlich gestrichen haben die Oldtimerfreunde die Idee aber noch nicht. Und auch das diesjährige Oldtimertreffen steht noch im Terminplan des Vereins: Vom 29. September bis 1. Oktober soll es zum elften Mal stattfinden.

Das Werk wurde 1948 gegründet und bestand bis kurz nach der Wende. Mehr als 800 Mitarbeiter zählte der Volkseigene Betrieb, die sich hauptsächlich um die Lebensverlängerung von Lastkraftwagen der Marke IFA kümmerten. Die imposante Anlage mit dem „Leuchtturm“ genannten Lichtmast auf dem großen Vorfeld, der großen Montagehalle mit dem typischen Sägezahndach und dem Verwaltungsgebäude, das mittels Rohrpost die Aufträge an die Schaltstellen sendete, ist noch komplett erhalten.



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