Vorhang auf für die Wochen der Wahrheit

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26. September 2012, 12:16 Uhr

Schwerin | Das wollte er dann doch noch klarstellen. Immer wieder hatte Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) gestern Nachmittag betont, er bevorzuge erstmal keines der neun neuen Theater-Strukturkonzepte, Theater und ihre Träger müssten sich auf ein Modell einigen. Aber, so der Minister: "Freiwilligkeit meint nicht, dass wir tatenlos der Meinungsbildung zusehen." Sollten sich die Theater-Träger nicht einigen, "werden wir darüber nachdenken müssen, die FAG-Zuweisungen neu zu organiseren, um einen Anreiz zu setzen." Heißt: Die finanziellen Daumenschrauben anziehen, damit Bewegung in die Sache kommt.

35,8 Millionen Euro verteilt das Land pro Jahr per Finanzausgleichsgesetz (FAG) an die Theater und Orchester im Land. Die Summe ist seit 1994 konstant und soll es laut Koalitionsvertrag bis 2020 bleiben. Die Bühnen und ihre Träger - die Kommunen - ächzen aber unter stetig steigenden Kosten. Das Staatstheater Schwerin beispielsweise musste vom Land mit Sonderzuschüssen vor der Pleite gerettet werden.

Wie die Theater- und Orchesterlandschaft aussehen muss, um mit der Fixsumme von 35,8 Millionen nicht nur heute, sondern bis 2020 ausreichend finanziert zu sein, dazu sollte die Beraterfirma Metrum mehrere Varianten ausarbeiten. 120 000 Euro bezahlte das Land für die Studie.

Metrum-Vertreter Peter Gartiser betonte, die Theater hätten schon viele Opfer gebracht: "Es ist schon kräftig gespart worden." Dennoch: MV leiste sich mit 22,30 Euro pro Einwohner und Jahr relativ hohe Ausgaben für Theater und Orchester - bei sinkender Einwohnerzahl. Bei allen Varianten sei es aber darum gegangeen, "das künstlerische Angebot vor Ort nicht zu reduzieren". Beispiel: Wenn man die Orchester- und Musiktheatersparten aus dem Staatstheater Schwerin und dem Volkstheater Rostock in eine "Staatsoper Mecklenburg" ausgliedere, dann würde das zwar 97 Stellen und damit pro Jahr 6,4 Millionen Euro Kosten einsparen - da das neue Ensemble aber beide Städte bespielen würde, könnte das Publikum vor Ort genauso viele Neuproduktionen pro Spielzeit sehen wie bisher.

Auch Minister Brodkorb betonte, durch die meisten der nun vorgelegten Ideen für Einsparungen werde "die künstlerische Qualität der Angebote nicht negativ tangiert". Das sei "kein Widerspruch, wenn man davon ausgeht, dass in den Strukturen noch Effizienzreserven schlummern".

Die Opposition überzeugte der Minister damit nicht. Reserviert bis ablehnend haben gestern Linke und Grüne auf die neun neuen Modelle für die Theaterreform reagiert. Torsten Koplin (Linke) sagte, die Kommunen trügen keineswegs allein die Verantwortung für die Theater und Orchester, wie es der Bildungsminister behaupte: "Die Landespolitik muss Rahmenbedingungen schaffen, die Arbeitsplätze sichern und das kulturelle Angebot so gewährleisten, dass der Osten des Landes nicht hinten runterfällt." Zufrieden war Koplin aber, dass frühere Vorschläge seiner Partei sich in den Modellen wiederfinden.

Die Grünen dagegen kritisierten, Brodkorb habe die Chance vertan, "eine wirklich offene Debatte für eine Weiterentwicklung der Theater- und Orchesterstruktur anzuregen". Alle Metrum-Varianten "wurden nicht unter dem Aspekt entwickelt, welche Modelle künstlerisch und strukturell sinnvoll sind", so die kulturpolitische Sprecherin der bündnisgrünen Fraktion, Ulrike Berger. Empörend sei der Zeitplan: Ehrenamtliche Kommunalpolitiker sollten nun in vier bis sechs Wochen entscheiden, wofür die Landesregierung Jahre benötigt habe.

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