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Schweriner Schlossgeschichten : Vorbereitet auf den Fall der Fälle

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die kleinen Geheimnisse des Schlosses – heute: Särge auf dem Dachboden geben noch einige Rätsel auf

von
erstellt am 28.Aug.2017 | 12:00 Uhr

Das Schweriner Schloss ist Wahrzeichen der Stadt und Besuchermagnet für Menschen aus aller Welt. Herrschersitz ist es bereits seit dem 10. Jahrhundert, in den Jahren 1843 bis 1857 wurde es zu dem Märchenschloss umgebaut, das wir heute noch kennen. Seitdem der Großherzog abgedankt hat, waren dort Museen, Büroräume und schließlich die Erzieherschule untergebracht, seit 1990 sitzt hier der Landtag. Schlossfest und Museumsführungen nutzen die Schweriner gerne. Trotzdem gibt es jede Menge Winkel und Bewohner, die nur wenige kennen. Heute: Särge auf dem Dachboden.

Im kommenden Sommer wird es wieder Festspiele im Schlossinnenhof geben. Das Mecklenburgische Staatstheater zeigt hier Bram Stokers „Dracula“. Hat man für dieses Schauspiel diesen Ort gewählt, weil der Vampir hier tagsüber eine perfekte Unterkunft hat? Wer einmal auf dem Thronsaalboden die beiden historischen Särge gesehen hat, der kann sich das jedenfalls bestens vorstellen. Alt sind sie, ein bisschen verschlissen, wundervoll verziert, ziemlich groß und über alle Maßen fantasieanregend. Ein Sargdeckel steht meistens offen – um schwarzbemantelten Blutsaugern den Einstieg zu erleichtern oder vielleicht einfach nur aus Belüftungszwecken? Um die beiden Särge jedenfalls ranken sich Geheimnisse und die Auskünfte, die man zu ihnen erhält, sind recht vage. Erst weitere Forschungen und Untersuchungen können wohl genauer ergeben, wer sie wann gebaut hat, wer den Auftrag dazu erteilt hat und wer womöglich in ihnen gelegen hat.

Doch bei Sonderführungen vom Keller bis zum Dach oder auch Sonderveranstaltungen, wie der Märchennacht im Schloss, kommen auch Besucher an den Särgen vorbei. Und die haben Fragen. Die gängige Erklärung im Schloss lautet, dass es sich bei den beiden Objekten wahrscheinlich um so genannte Transport- oder Paradesärge handelt. Die seien nach einem Todesfall zum Beispiel vom Schloss zum Dom getragen oder in der Schlosskirche aufgestellt worden. „Beigesetzt wurden die Verstorbenen aber in kleineren Holz- oder Zinksärgen“, sagt Inga Müller von der Landtagsverwaltung. Die Särge selbst stammen vermutlich aus dem 19. Jahrhundert und haben einen ausgesprochen repräsentativen Charakter – sie sind mit hochwertigem Samt und goldener Borte verziert und stehen auf besonders gestalteten Füßen. Wer sich die engen Türen anschaut, die heute auf den Thronsaalboden führen, dem kommen gleich neue Fragen: Wie gelangten die Särge hier herauf und kommen sie jemals wieder herunter? Vielleicht steckt ja doch ein Vampir dahinter….

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