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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 00:36 Uhr

Lübesse : Von der Schulbank auf den Acker

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landwirte haben Nachwuchssorgen: Vier Banzkower Jungs starten mit der Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft in der Agp Lübesse

von
erstellt am 22.Okt.2017 | 09:00 Uhr

Die Mathe-Hefter sind kaum in der Tasche verstaut, da steht auch schon der Kleinbus der Agp Lübesse vor der Tür. Für vier Jungen der Banzkower Regionalschule geht es einmal in der Woche von der Schulbank direkt in die landwirtschaftliche Produktion. An diesem Tag widmen sich die Siebt- bis Neuntklässler des Deutschen liebster Knolle: der Kartoffel. Allerdings ist der Pro-Kopf-Verbrauch rapide gesunken: So aß jeder Deutsche im Jahr 2000 noch 70 Kilogramm Kartoffeln und Kartoffelerzeugnisse. Mittlerweile sind es nur noch 53,1 Kilogramm. 1950 waren es erstaunliche 186 Kilogramm Kartoffeln, die jeder Deutsche durchschnittlich verdrückte.

Doch gegessen wurde an diesem Tag nicht, es ging vielmehr ums Pflanzen und Ernten. „Wir haben zwischen 37  000 und 38  000 erntefähige Pflanzen pro Hektar. In den Boden kommen zuvor zwischen 40  000 und 42  000 Pflanzkartoffeln“, erklärt Rainer Mönch. Der Prokurist der Agp Lübesse hat aber noch mehr Zahlen und auch Fakten zur Knolle. Die Jungs lauschen aufmerksam jedem Wort. Niels-Oliver Stürmer möchte wissen, wie denn die Kartoffeln genau aus dem Boden kommen: „Leider ist der Kartoffelroder heute in der Werkstatt. Wo gearbeitet wird, geht auch mal etwas kaputt“, sagt Mönch und schiebt hinterher: „Natürlich immer zum ungünstigsten Zeitpunkt.“ So geht es vom Acker zunächst in die Werkstatt. „Wir machen das als Trockenübung“, meint Rainer Mönch und erklärt die einzelnen Funktionen der geparkten Maschine. Danach geht es direkt in die Verpackung. In der Kartoffelhalle Sülte erklärt er die verschiedenen Sorten und auch die Besonderheiten der Kartoffel. Auf die Frage, warum grünes Licht in der kompletten Halle leuchtet, erinnert der Prokurist die Schüler an die Erklärungen unter freiem Himmel: „Wenn die Kartoffel Licht bekommt, dann wird sie grün. Dann steigt der Solaningehalt an, zu viel davon ist nicht gesund“, erläutert der Landwirt. Um eine Solanin-Vergiftung zu bekommen, müssten Erwachsene mehr als zehn Portionen Pellkartoffeln am Tag essen. Nicht nur 16 Sorten Kartoffeln wurden in diesem Jahr bei der Agp geerntet, auch Zwiebeln kommen vom Acker direkt in die Halle nach Sülte. Auch zu diesem Gemüse gibt es viele Fragen, auf die Mönch eine Antwort hat.

„Diese AG Landwirtschaft ist ein Ansatz, den Nachwuchssorgen in der Landwirtschaft zu begegnen“, erklärt Mönch. Einmal in der Woche widmet er sich den Schülern und die finden Gefallen am Projekt. „Es macht Spaß und ist neben dem normalen Schulstoff eine tolle Sache“, versichert Louis Franz. Auch wenn der Banzkower Schüler bereits im privaten Umfeld viel Landwirtschafts-Luft schnuppert, lerne er jedes Mal dazu, versichert er.

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