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Zeitung für die Landeshauptstadt

15. Dezember 2017 | 14:58 Uhr

Drahtseilakt : Von der Plan- zur Marktwirtschaft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Helmut Müller stellte alte Schweriner Seilerei nach der Wende als SAS Seil- und Anschlagmittel GmbH auf gesunde Füße

svz.de von
erstellt am 22.Sep.2014 | 11:45 Uhr

Als die Wende kam, stand für Helmut Müller fest: Ich will in und mit diesem Betrieb weitermachen. Und die Chance dazu gab es auch. Das Stichwort lautete Reprivatisierung. Wer 1970 beim Übergang von der PGH in den VEB Hanf- und Drahtseilverarbeitung Angestellter des Betriebs war, der konnte jetzt Gesellschafter werden. Ein halbes Dutzend Mitarbeiter entschloss sich zu diesem Schritt. Helmut Müller gehörte dazu. Es war das Jahr 1990. Es war der Neuanfang. Und es war der Start für die SAS Seil- und Anschlagmittel GmbH in Schwerin.

Produktion von Drahtseilen, um die 100 000 pro Jahr – zu DDR-Zeiten hatten die 25 Mitarbeiter jede Menge Arbeit. Doch für Müller und Co. stand nun schnell fest, dass dringend eine Sortimentsvergrößerung her muss, wenn der Neustart nicht zu einem Drahtseilakt werden und der Sprung von der Plan- zur Marktwirtschaft klappen sollte. Die Gesellschafter sprangen – viele aus Altersgründen – nach und nach ab. Helmut Müller blieb übrig, leitete die Geschicke und erweiterte die traditionelle handwerkliche Seilerei um die Aufnahme der Produktion von textilen Hebebändern und Zurrgurten. „Dazu kam auch noch die Konfektionierung von hochfesten Anschlagketten und die Erhöhung der Drahtseilverarbeitungskapazität durch immer mehr Produkte rund ums Seil“, sagt Firmenchef Müller. War der ursprüngliche Standort an der Rogahner Straße, so zog die Firma 1995 in einen 1000 Quadratmeter großen Hallen-Neubau im Gewerbegebiet Schwerin-Süd um.


Weichen für die Zukunft gestellt


Die Seilpresse in der Fertigungshalle ist nicht zu übersehen. Ein grünes Ungetüm, Baujahr 1990, das auch so schwer ist wie es aussieht und nur so strotzt vor Kraft. Christian Martin ist an dieser Maschine im Einsatz, sorgt dafür, dass das Stahlseil eine Schlaufe bekommt, um es später an schweres Gerät hängen zu können. Der 27-Jährige ist einer von derzeit 20 Mitarbeitern, die dafür sorgen, dass die SAS Seil- und Anschlagmittel GmbH jährlich rund drei Millionen Euro Umsatz erwirtschaften kann. Die Firma unterhält auch eine eigene Näherei. Sigrid Kuhn, Vorarbeiterin in dieser kleinen Abteilung, näht gerade Zurrgurte. In einem langen Wandregal liegen unzählige, bereits fertig gestellte Gurte in allen möglichen Größen. „Wir haben immer viele Waren auf Lager“, weiß Chef Helmut Müller. „Das wissen die Kunden, die mal eben schnell etwas brauchen, zu schätzen“, ergänzt der Firmeninhaber.

Neben an, in einem großen Lager, sind die Stahlseile auf großen Rollen gelagert. Wird ein Stück dieser angelieferten Drahtseile gebraucht, dann rückt auch Andreas Stammer mit einem Spezialschneider an. Frisst sich das Gerät durch das Seil, dann sprühen auch Funken und ein beißender Qualm liegt in der Luft. Das gehört in einem Handwerksbetrieb dieser Art dazu.

Helmut Müller ist jetzt 63 Jahre alt und hat seinen Rückzug aus der Firma geplant. „2017 will ich in Rente gehen“, sagt er. Aber die Weichen für die Zukunft sind gestellt. Bereits 2013 hat er eine Tochtergesellschaft gegründet und mit Thomas Kurowsky ist auch ein Geschäftsführer mit eingestiegen. Müllers Tochter Manuela Bergmann arbeitet schon lange im Betrieb und wird 2017 mit in die Geschäftsführung einsteigen. Das Geschäft will Vater Helmut aber nicht ganz aus den Augen lassen, denn dafür ist er mit den Seilen zu sehr verbunden.

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