Wiligrad : Von der Burg ins Schloss

Beim Aufbau der dreieinhalb Meter großen Frauenskulptur: Thomas Otto und Detlef Kiehn
Beim Aufbau der dreieinhalb Meter großen Frauenskulptur: Thomas Otto und Detlef Kiehn

Ab heute ist die Ausstellung „Junge Kunst“ in Wiligrad zu sehen.

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10. März 2018, 05:00 Uhr

„Das sind immer die Überraschungen“, sagt Detlef Kiehn und beobachtet gespannt, wie Thomas Otto ein überdimensionales Bein aus Metalldraht in die Ausstellungsräume von Schloss Wiligrad trägt. „Wir suchen die Künstler zwar aus und schauen vorher ihre Kataloge an, aber welche Kunstwerke sie letztendlich mitbringen, sehen wir immer erst hier.“ Detlef Kiehn ist zusammen mit Philipp Humpf hauptamtlich beim Kunstverein Wiligrad angestellt und verantwortlich für die Vorbereitung und Durchführung der Ausstellungen. Diesmal zeigen vier Absolventen der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle ihre Arbeiten unter dem Motto: „Junge Kunst“.

„Die Idee hatten wir schon lange im Hinterkopf“, erklärt Vereinsvorsitzender Klaus J. Albert, der zusammen mit seiner Frau Jutta die letzten Handgriffe für die neue Kunstschau überwacht. „Wir haben ja beide auch auf der Burg studiert, in den 1970ern. Ich war wie Thomas Otto in der Metallklasse.“ Der Metallkünstler aus Berlin ist der letzte der vier Ausstellenden, der seine Kunstwerke in Wiligrad aufbaut. Die Bilder von Christoph Bouet, einem Vertreter des neuen Impressionismus, und von Thomas Henninger, der altmeisterliche Maltechnik mit am PC generierten virtuellen Landschaften verbindet, hängen schon. Auch die Skulpturen von Axel Anklam haben bereits ihren Platz gefunden.

Arbeiten von Thomas Otto habe er zum ersten Mal gesehen, als beide auf Schloss Clemenswerth im Emsland ausstellten, erzählt Klaus J. Albert. „Ich muss sagen: das, was Thomas Otto macht, hätte ich mich damals auf der Burg nicht getraut. Sowohl von der künstlerischen Aussage als auch vom Material her. Damals war die Metallklasse sehr traditionell. Wir haben eher Bronzegüsse gefertigt.“

Das Material, das Albert meint, ist zum Beispiel das Aluminium-Drahtnetz, aus dem Thomas Otto seine 3,50 Meter hohe Frauenstatue mit dem Titel „Contrapost“ gefertigt hat. „Daraus war früher ja auch der Metalldraht des Grenzzaunes zwischen DDR und BRD“, erklärt Thomas Otto. Er ist gerade damit beschäftigt, einige Stellen an der Riesenfrau mit Draht zu befestigen, die sich während des Transportes gelöst haben. Auch wenn er der letzte des Künstlerquartetts ist, der sich für seine Werke Plätze in den Ausstellungsräumen aussuchen kann, scheint er sehr zufrieden. Nachdem seine Skulptur „Stille“ – eine ebenfalls überdimensionale Metallarbeit eines zum besseren Hören gereckten Kopfes – ihren Platz vor dem Fenster mit Blick auf den Schweriner Außensee gefunden hat, steht er davor und sagt: „So habe ich das noch nie gesehen. Sonst fällt immer das Licht von vorne darauf.“ Jetzt schimmert das Tageslicht durch die vielen feinen Spalten des Metalls, so als ob die Skulptur für genau diesen Platz gemacht ist.

Am heutigen Sonnabend wird um 17 Uhr die Ausstellung eröffnet, dann können Besucher sich selbst einen Eindruck von den verschiedenen Arbeiten verschaffen und ins Gespräch mit den Künstlern kommen.

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