Waldglastreffen : Von Afrika an die Warnow

Vor 20 Jahren hat Helmut Thomsen sein Herz an eine Hamburger Bierflasche verloren, seitdem sammelt er Glas.
Vor 20 Jahren hat Helmut Thomsen sein Herz an eine Hamburger Bierflasche verloren, seitdem sammelt er Glas.

Sammler aus Kapstadt gehört zu den Stammgästen beim Langen Brützer Waldglastreffen

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15. November 2017, 23:02 Uhr

Fast 9800 Kilometer liegen zwischen seinem zu Hause und dem Ort, den Glassammler mittlerweile mit Rot in ihren Landkarten markiert haben: Von Kapstadt nach Langen Brütz ist zwar kein Katzensprung, doch Helmut Thomsen machte sich gern auf den Weg. Im Gepäck hatte er statt Urlaubs-Kleidung zahlreiche Glasflaschen, Pillendöschen und auch eine Tüte mit Murmeln – selbstverständlich auch aus einem Quarz-Sand-Gemisch.

Helmut Thomsen ist Glassammler durch und durch – und das bereits seit 20 Jahren. „Ich war beruflich viel in Namibia unterwegs. Eines Tages habe ich in einem Antikladen in Swakopmund eine alte Bierflasche gesehen, und es war passiert“, sagt er und seine Augen beginnen zu leuchten. Es war keine gewöhnliche Bierflasche. Auf der „Buddel“ klebte ein Etikett von der Marienthaler Brauerei. „Ich musste bis an die Küste Südwestafrikas reisen, um von der Brauerei vor meiner Haustür zu erfahren“, erzählt der gebürtige Hamburger. Er hat auch heute noch eine Wohnung in der Hafenstadt. Die Liebe zur Heimat ist geblieben. Die Sammelleidenschaft für Flaschen von Hamburger Brauereien sogar gewachsen. 1375 Exemplare hat er bereits. „Mir fehlen aber mindestens noch 1000 Stück“, sagt Helmut Thomsen. Woher er das so genau weiß? Aufgrund gefundener Verschlüsse: „Auf Müllhalden werden immer wieder mal Keramikverschlüsse gefunden und die passenden Flaschen müssen dann gesucht werden“, erzählt der Sammler aus Leidenschaft.

Doch in Helmut Thomsens Sammlung gibt es auch viele andere, meist formschöne Flaschen. Ein ganz besonderes Exemplar hat der Wahl-Afrikaner auch diesmal mit nach Langen Brütz zum Waldglastreffen gebracht. Grün-silber schimmert die Flasche und hat eine knopfförmige Prägung am Hals. „Sie wurde auf einer Plantage auf den Seychellen gefunden, auf dem Grundstück meiner Tochter“, erzählt der Senior. Verkaufen möchte er sie nicht. „Ich habe sie mitgebracht, um bei anderen Sammlern einen Rat einzuholen. Es könnte eine Weinflasche sein“, vermutet Thomsen. Nach einem geselligen Abend im Waldglasmuseum war dann aber klar: Die Flasche ist von 1880 und wurde für französischen Hustensaft hergestellt.

So wie Helmut Thomsen nutzten in diesem Jahr wieder mehr als 30 Aussteller aus dem Norden des Bundeslandes das Treffen in Langen Brütz, um sich auszutauschen, die eigene Sammlung und das Wissen zu erweitern und zu verkaufen. Denn sonntags kommen traditionell auch viele Interessenten aus der Region. Im kommenden Jahr soll auch wieder der Ofen angeheizt werden, erzählte Vereinschefin Sigrid Bondzio. Sie ist zufrieden mit der Resonanz, hat allerdings noch einen Wunsch für die kommenden Jahre: „Es wäre wunderbar, wenn wir mehr Nachwuchs-Sammler für unseren Verein gewinnen könnten. Wir sind ja alle nicht mehr die Jüngsten.“

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