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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 21:05 Uhr

Schweriner Bauten : Vom Wasserwerk zum Boxtempel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Industriebrachen in Schwerin – heute: Ex-Weltmeister Jürgen Brähmer will am Medeweger See eine Trainingsstätte einrichten

von
erstellt am 08.Mär.2017 | 07:45 Uhr

Einst gingen Hunderte dort zur Arbeit, die Produktionsstätten waren aus dem Alltag der Schweriner nicht wegzudenken. Heute sind es nur noch dem Verfall preisgegebene Industriebrachen. In dieser Woche nehmen wir fünf davon unter die Lupe – heute: das ehemalige Wasserwerk in Gosewinkel.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts kam das Wasser der Schweriner aus bis zu zehn Meter tiefen Brunnen. Doch mit der steigenden Einwohnerzahl reichte das nicht mehr. So wurde 1888 bis 1892 das Wasserwerk in Neumühle mit dem imposanten Wasserturm gebaut. Die Kapazität musste immer weiter erhöht werden, weil der Bedarf stieg. 1954 ging das Wasserwerk in Gosewinkel ans Netz. Die Entnahme erfolgte zunächst aus dem Medeweger See. Von 1961 an wurde zusätzlich Grundwasser gefördert. Das war von 1989 an die einzige Wasserquelle für das Werk Gosewinkel, die Seewasserentnahme wurde eingestellt.

Doch 1999 war dann in Gosewinkel ganz Schluss mit der Trinkwasseraufbereitung. Zum einen waren die Anlagen veraltet und marode und entsprachen nicht mehr den Anforderungen der Zeit. Zum anderen bewegte sich von Lankow aus eine Giftwolke im Grundwasser auf die Brunnen am Medeweger See zu. Auf dieses Problem waren die Experten der Wasserversorgungsgesellschaft schon Mitte der 90er-Jahre gestoßen. Als wahrscheinlicher Verursacher wurde eine Firma in der Grevesmühlener Straße ermittelt. Dort müssen über Jahre chemische Reinigungsmittel ins Grundwasser gelangt sein, das jedoch in Richtung Medeweger See fließt. Nach und nach mussten einzelne Trinkwasserbrunnen deshalb abgeschaltet werden.

Seit nunmehr fast 19 Jahren liegen die Gebäude und Anlagen in Gosewinkel brach. Doch nun soll neues Leben auf das 2,2 Hektar große Areal direkt am See kommen. Der Ex-Weltmeister Jürgen Brähmer will im ehemaligen Wasserwerk ein Gym aufbauen, wie die Trainings- und Wettkampfstätte der Profiboxer genannt wird. Der 38-Jährige hat das Gelände bereits von den Stadtwerken gekauft. Dort will der Sauerland-Profi ein sportliches Zuhause für sich und seine langsam anwachsende Trainingsgruppe errichten.

Das Projekt wird aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Denn bevor die Bauarbeiten beginnen können, muss der gebürtige Stralsunder gemeinsam mit der Stadt einen Bebauungsplan erstellen. Liefe alles nach den Wünschen Brähmers, so würde das Gym noch in diesem Frühjahr bezugsfertig. Möglichst parallel zu seinem geplanten Rückkampf gegen den Waliser Nathan Cleverly.

Mit dem Abschalten des Wasserwerkes Gosewinkel gingen die neuen Anlagen am Mühlenscharrn in Betrieb. Dieses Wasserwerk sichert zusammen mit dem in Pinnow die Versorgung der Schweriner. Die verbrauchen aktuell knapp 100 Liter Wasser pro Kopf und Tag. Zum Vergleich: 1960 waren es 221 Liter, 1973 sogar 330 Liter.

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