Jubiläum gefeiert : Vom Uralt-Japaner zum 40-Tonner

Einweisung für die nächste Tour: Schon seit 1990 fährt Kay Heilmann (l.) für Dirk Wernicke und hat in dieser Zeit fünf Millionen Kilometer unfallfrei auf deutschen Straßen zurückgelegt.
Einweisung für die nächste Tour: Schon seit 1990 fährt Kay Heilmann (l.) für Dirk Wernicke und hat in dieser Zeit fünf Millionen Kilometer unfallfrei auf deutschen Straßen zurückgelegt.

Spedition Wernicke feierte ihr 25-jähriges Bestehen und blickt auf eine Geschichte mit Höhen und Tiefen zurück

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01. Juni 2015, 08:00 Uhr

Großes Fest am Wochenende im Heinrich-Hertz-Ring in Süd. Mitarbeiter mit ihren Familien, Kunden und Lieferanten feierten den 25. Jahrestag der Gründung der Spedition Wernicke.

Angefangen hat Dirk Wernicke 1989 mit einem uralten Mazda. Der sollte am 13. November 1989, am Montag nach der Grenzöffnung, verschrottet werden. Doch Wernicke konnte seine Verwandten bei einem Besuch am Sonnabend zuvor in Ahrensburg überzeugen, dass das Auto durchaus noch zu gebrauchen war. Und so wurde es ihm geschenkt. Aber der „Westwagen“ brachte dem jungen Wirtschaftskaufmann, der 1989 gerade ausgelernt hatte, erst mal Ärger ein. Als er am Montag auf den Hof seines damaligen Betriebes, der Baustoffversorgung in Lankow, fuhr, kam sofort sein Chef: Er möge das „kapitalistische Auto“ sofort vom Betriebsgelände entfernen. Grund genug für Dirk Wernicke, die Firma in der Woche darauf zu verlassen und sich selbstständig zu machen. Und so fuhr er mit seinem alten Japaner Zeitschriften aus – nachts um eins ging es jeden Tag los.

„Irgendwann reichte der Mazda nicht mehr“, erinnert sich Dirk Wernicke. „Da habe ich mir meinen ersten Transporter gekauft.“ Schon 1990 kam der zweite hinzu. Und damit der erste angestellte Fahrer. Doch der wollte bezahlt sein. Und so kehrte der Jungunternehmer doch noch einmal zur Baustoffversorgung zurück. „Nachts haben wir Zeitungen und Zeitschriften ausgefahren und tagsüber Badewannen und Fliesenpakete bis in den fünften Stock auf dem Dreesch geschleppt.“ Doch dieser Rhythmus zehrte natürlich an den Kräften. Als dann ein Hamburger Verlag seinen Fuhrpark loswerden wollte, konnte Wernicke eine ganze Transporterflotte samt Fahrer übernehmen. Das Unternehmen wuchs jetzt kontinuierlich. Und trotzdem beteiligte sich Dirk Wernicke im Jahr 2000 auch noch an einem Musikstudio in Hamburg. Mit großem Erfolg.

Heute fahren für die Spedition ausschließlich 40-Tonner. 40 Fahrzeuge sind deutschlandweit unterwegs. Das Unternehmen beschäftigt 59 Mitarbeiter.

25 Jahre Spedition Wernicke – eine Erfolgsgeschichte. Und doch kamen dem Firmengründer zwischendurch auch Zweifel. „Das war 2008. Durch die Wirtschaftskrise brachen die Aufträge von einem Tag auf den anderen weg.“ Fahrzeuge wurden stillgelegt, Kurzarbeit eingeführt und sogar acht Fahrer entlassen. Die sind alle wieder an Bord. Und der Chef weiß, was er an ihnen hat. „Mitarbeiterzufriedenheit ist das Wichtigste für die Firma.“ Deshalb achtet Dirk Wernicke beispielsweise darauf, dass die Mitarbeiter am Wochenende zu Hause sind. Und drei dürfen sogar ihre Hunde täglich mit ins Büro nehmen.

Doch ohne Probleme geht es auch heute nicht. Die Biodieselbesteuerung, das Hin und Her bei der Maut – „in die Politik habe ich kein Vertrauen mehr“, sagt Wernicke. Und die größte Sorge für die Zukunft? „Fahrer sind ganz schwer zu finden.“ Wer will schon die ganze Woche unterwegs sein?

Doch jammern will Unternehmer Dirk Wernicke nicht: Deshalb wurde am Wochenende auch groß gefeiert – mit Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow und dem Ex-Modern-Talking-Sänger Thomas Anders. Auf Geschenke hat Wernicke gern verzichtet. Wer unbedingt etwas schenken wollte, spendete für die Kinderkrebshilfe Westmecklenburg.

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