Schwerin : Vom Kriegsflüchtling zum IT-Profi

Nach zehn Tagen Flucht aus dem Kriegsgebiet Syrien will sich Hussin Aldegehm nun in Deutschland eine neue Existenz aufbauen.  Fotos: Thorsten Meier
Nach zehn Tagen Flucht aus dem Kriegsgebiet Syrien will sich Hussin Aldegehm nun in Deutschland eine neue Existenz aufbauen. Fotos: Thorsten Meier

Der Syrer Hussin Aldegehm hat durch ein besonderes Integrations-Projekt im Autohaus Ahnefeld eine Arbeit und Freunde gefunden

von
26. März 2018, 23:29 Uhr

Wenn der Computer rumzickt, ist Hussin Aldegehms Ehrgeiz geweckt. Der 32-Jährige ist erst zufrieden, wenn der Datenfluss wieder ungehindert das System passiert. Das hat den Kriegsflüchtling aus Syrien, der dort sieben Jahre Mathematik studiert hat, nun ins Autohaus Ahnefeld gebracht. 2015 endete seine Flucht in Deutschland.

„Er hat mich schnell überzeugt. Mich hat jedes Mal besonders beeindruckt, wie gut er sich auf unsere Treffen vorbereitet hatte“, erinnert sich Jens Ahnefeld, Inhaber des Autohausesund betont: „Seine Abschlüsse sprechen dafür, dass er etwas kann.“

Die Chance, sich überhaupt im Unternehmen vorstellen zu können, bekam der angehende IT-Profi durch das Unternehmen GSM Training und Integration. Hier hatte das Job-Center den jungen Mann hingeschickt. Das straffe Programm dauert etwa drei Monate und enthält auch ein vierwöchiges Praktikum.

„Mit uns vollbringen Menschen scheinbar Unmögliches. Jeder Teilnehmer bestimmt seinen Integrationsprozess mit. Alle Entscheidungen und Ergebnisse werden mit ihm besprochen. Seine Probleme werden immer ernst genommen“, erklärt Intergrationsbegleiterin Franziska Riedel. Dass Hussin Aldegehm in Jens Ahnefeld seinen neuen Chef finden würde, freut die 36-Jährige sehr. „Es ist ein kleines und feines Projekt für gut qualifizierte Frauen und Männer, das wir seit 18 Monaten begleiten. Bisher haben von zehn Zuwanderern sieben Arbeit gefunden. Wir machen eine Stärken- und Schwächen-Analyse, prüfen Abiturzeugnisse und berufliche Abschlüsse. Gerade die Syrier sind sehr gut sortiert und haben immer alles dabei.“ Eine mobile Integrationshilfe werde am Standort Schwerin bereits seit vier Jahren erfolgreich praktiziert, so die junge Frau.

Einen Umstand, den auch Firmenchef Ahnefeld sehr begrüßt. Der 46-Jährige hegt große Hoffnungen in die Talente seines neuen Mannes. „Er wird bei uns in die gesamte Systemwelt eingearbeitet, als Assistent des EDV-Administrators. Wenn wir sehen, wo seine Stärken und Schwächen liegen, wissen wir auch, wie wir ihn am besten einsetzen können.“ Er habe jedenfalls eine schnelle Auffassungsgabe, sei sehr wissbegierig wie fleißig und sein Deutsch werden von Tag zu Tag besser und flüssiger.

„Ich will mir in Deutschland ein neues Leben aufbauen. Ein bisschen Glück hatte ich sicher auch. Ich danke meinem neuen Chef, dass er mir diese Chance ermöglicht hat“, sagt Hussin Aldegehm, der sich auf diesem Wege auch bei den Mitarbeitern des Autohauses in der Gartenstadt bedanken möchte. „Sie sind alle sehr nett und helfen mir bei der deutschen Sprache. Besonders unterstützt mich der EDV-Administrator Lutz Jäsche. Mit ihm verbindet mich mittlerweile sogar eine echte Freundschaft.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen