Asylbewerber : Vom Flüchtling zum Helfer

Engagiert sich für andere Flüchtlinge: Hasan Ibrahem hilft unter anderem als Dolmetscher.
Engagiert sich für andere Flüchtlinge: Hasan Ibrahem hilft unter anderem als Dolmetscher.

Hasan Ibrahem findet bei der Freiwilligenhilfe in der Schweriner Bahnhofsmission seine „zweite Familie“

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11. Januar 2016, 14:22 Uhr

„Hasan war in den vergangenen Monaten eine große Hilfe hier in der Bahnhofsmission. Ohne ihn und seine Arabischkenntnisse wäre es uns wesentlich schwerer gefallen, den ankommenden Flüchtlingen unsere Unterstützung anzubieten, denn einige Flüchtlinge verstehen leider kein Englisch, von Deutsch ganz zu schweigen. Er ist immer da, wenn mal Not am Mann ist“, schildert Olaf Hagen, der die Bahnhofsmission in Trägerschaft der Sozial-Diakonischen Arbeit zusammen mit Marcus Wergin koordiniert, die Arbeit des Palästinensers Hasan Ibrahem.

Der 32-jährige Journalist Hasan Ibrahem ist wegen des Bürgerkriegs in Syrien über die Balkanroute nach Deutschland geflohen. Fünf Monate ist das nun her und normalerweise beginnt nach der Flucht für die Asylsuchenden das große Warten. Warten auf die Bearbeitung des Asylantrages, auf die Arbeitserlaubnis, auf einen Platz im Deutsch- und Integrationskurs. Der gebürtige Palästinenser aber wollte sich nützlich machen. Einige Tage nach seiner Ankunft in Schwerin erkundete er die Stadt und wurde auf die Bahnhofsmission aufmerksam. Er will selbst mit anpacken, bietet seine Hilfe an. Seitdem kommt er täglich in die Mission.

Für den 32-Jährigen ist sein Wirken in der Bahnhofsmission dabei viel mehr geworden, als ein bloßer Zeitvertreib. „Die Menschen hier sind meine zweite Familie geworden. Ich habe hier Freunde gewonnen, die es mir viel einfacher machen, mich in Deutschland einzuleben. Die mir die deutsche Kultur näher bringen und dank denen ich mich hier zu Hause fühlen kann.“

Die Sehnsucht nach der Heimat bleibe aber trotzdem bestehen. „Ich vermisse besonders meine Eltern. Sie sind schon vor Jahren aus Syrien in den Libanon geflüchtet, aber die Regierung dort hatte mir die Einreise verwehrt. Unter Assad konnte ich aber auch nicht mehr im Land bleiben, denn abgesehen von der Zerstörung durch den Krieg bin ich durch die Diktatur auch meiner Arbeitsgrundlage beraubt.“ Ein Journalist könne in Syrien nur arbeiten, wenn er positiv über die Machthaber berichtet. Mit Journalismus habe das dann aber nichts mehr zu tun. Seine Erfahrungen: „Ich kam ins Gefängnis und wurde des Terrorismus bezichtigt. Dabei wollte ich nur die Wahrheit berichten über die Lage vor Ort.“

Hier in Deutschland möchte er jetzt so schnell wie möglich Deutsch lernen, um danach wieder in der Medienbranche Fuß fassen zu können. Bis dahin hilft er weiter in der Bahnhofsmission und will auf diese Weise etwas zurückgeben von der Unterstützung, die ihm in Deutschland zuteil wurde.

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