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Schweriner Stadtgeschichte : Vom Bauerndorf zum Badeort

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zippendorf gehört seit 1282 zu Schwerin, wurde aber erst 1920 offizieller Stadtteil

svz.de von
erstellt am 05.Jul.2017 | 16:00 Uhr

Die Landeshauptstadt hat 24 Stadtteile, doch nur wenige gehören seit der Gründung Schwerins mit der Verleihung der Stadtrechte 1160 zum Stadtgebiet. Viele der Viertel wurden erst nach und nach eingemeindet, so wie Zippendorf zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

„Einem geschenkten Gaul schaut man nichts ins Maul“ lautet ein altes Sprichwort. Und so freute sich die Stadt Schwerin 1282 über das Geschenk von Graf Helmold: Zippendorf, Göhren und Ostorf. Doch die Freude über das Kämmereigut Zippendorf währte nicht lange, denn die schlechten Bodenverhältnisse und Wildfraß zerstörten die Ernte der Bauern und so waren die Pachteinnahmen gering. Auch die Aufhebung der Leibeigenschaft und weitere Veränderungen brachten nichts: Zippendorf spülte kein Geld in die Stadtkasse, die Bauern lebten in ärmlichen Verhältnissen und so unternahmen die Schweriner Politiker keinen Versuch, das Gebiet offiziell einzugemeinden.

Von den ärmlichen Verhältnissen ist heute nichts mehr zu sehen. Schicke Villen im repräsentativen Stil eines Badeortes reihen sich aneinander, der Strand lädt besonders im Sommer zum Verweilen ein, die Strandpromenade zu entspannten Spaziergängen. Wie hat sich Zippendorf von einem ärmlichen Bauerndorf zu einem touristisch attraktiven Stadtteil entwickelt?

Prinzessin Charlotta vom herzoglichen Hof wusste schon 1775 ganz genau, wo man in Schwerin frische Luft schnappen und reine reizvolle Landschaft genießen kann. Sie ließ sich einen Spazierweg zwischen Zippendorf und Mueß anlegen und mit einem Schlagbaum schützen, damit ihn das Volk nicht auch nutzt. Laut dem Chronisten David Russa war das aber gar nicht nötig: „Sie sind überhaupt keine Spaziergänger ex professo, diese Schweriner. Dieses Zippendorf könnte ebenfalls durch mehr Besuche gewürdigt werden. Der Schweriner begibt sich aber lieber in seinen Clubb, pflanzt sich hinter den Kartentisch in tabacksgeschwängerter Atmosphäre, wo er immer unter Seinesgleichen ist“, schrieb er 1844.

In den folgenden Jahren sollte sich das Bild von Zippendorf ändern. Der heutige Stadtteil entwickelte sich zu einem beliebten Ausflugs- und Erholungsort für Schweriner aus allen gesellschaftlichen Schichten. Immer mehr wohlhabende Rentner, höhere Regierungsbeamte, Offiziere, Lehrer und Pastoren zogen aus der Stadt ans Wasser und bauten sich ein Eigenheim.

Der Erste Weltkrieg dämpfte die touristische Entwicklung in Zippendorf zunächst. Da schlug die Stunde der Schweriner Politiker. Sie versprachen den Bewohnern, den Ausbau des Dorfes zu einem repräsentativen Badeort finanziell zu unterstützen. Diese stimmten zu und so konnte das ehemalige Kämmereigut am 19. März 1920 offiziell eingemeindet werden. Neben dem Ausbau wurde den Bewohnern noch etwas versprochen: das lebenslange Recht auf Hausschlachtungen.

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