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Schweriner arbeiten im Niedriglohn-Bereich : Vollzeit-Job reicht nicht zum Leben

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Fast jeder sechste Schweriner mit einem Vollzeit-Job muss mit einem Niedriglohn leben. Das geht aus aktuellen Zahlen des Schweriner DGB hervor. Der Gewerkschaftsbund sieht darin die "Zeitbombe für künftige Altersarmut".

svz.de von
erstellt am 19.Dez.2012 | 05:52 Uhr

Schwerin | Jeden Tag pünktlich zur Arbeit und dennoch reicht der Lohn nicht zum Leben: Davon sind immer mehr Schweriner betroffen. Denn immer mehr Vollzeitbeschäftigte in Schwerin erhalten nur Niedriglohn. Exakt 6188 Vollbeschäftigte in der Landeshauptstadt verdienen miserabel, bilanziert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Diese Schweriner arbeiten nach einer aktuellen Erhebung des DGB lediglich für einen Niedriglohn. Im Jahr 2010 waren dies bereits 18,9 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten. Auszubildende nicht einmal mitgezählt. Auch qualifizierte Arbeitskräfte in der Stadt erhalten oftmals nur einen mickrigen Lohn.

Erstmals legt der DGB damit regionale Daten zum Niedriglohnsektor vor. Konkret lag die Niedriglohnschwelle 2010 in allen ostdeutschen Ländern bei einem Monatsbrutto von 1379 Euro. So zählten in Schwerin bereits 14,9 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten mit Berufsabschluss zu den Niedrigverdienern. In Deutschland insgesamt waren es demgegenüber 19,1 Prozent der Erwerbstätigen in Vollzeit und mit Ausbildung. Auch qualifizierte Beschäftigte bekommen den Druck auf das Lohngefüge zu spüren.

Dieses hohe Niedriglohnrisiko von qualifizierten Arbeitskräften passe nicht zu den Klagen von Arbeitgebern über Fachkräftemangel, heißt es in der Auswertung des DGB Schwerin. Dies sei vielmehr ein Indiz dafür, dass Beschäftigte teils im erlernten Beruf keinen Job finden oder nicht qualifikationsgerecht vergütet werden. Trotz Berufsabschluss stecken sie oftmals in Jobs für Un- oder Angelernte. Je länger diese Situation andauere, desto weniger wert sei die erworbene Qualifikation.

Noch weit miserabler sei die Entlohnung für viele ohne Berufsabschluss. 38 Prozent der Geringqualifizierten in der Stadt zählen nach der DGB-Auswertung zugleich zu den Geringverdienern. Das Risiko, als Vollzeitbeschäftigter einen Niedriglohn zu erhalten, ist für Beschäftigte ohne Berufsabschluss mehr als doppelt so hoch wie für Qualifizierte.

Insbesondere im Dienstleistungsgewerbe sei das Risiko einer schlechten Bezahlung überdurchschnittlich hoch. Nach Einschätzung der Gewerkschafter haben Menschen, die wenig verdienen, oftmals ein instabiles Arbeitsverhältnis und ein hohes Entlassungsrisiko.

Die beruflichen Aufstiegschancen für Niedriglohnverdiener seien zudem ungünstiger als in anderen Industrieländern. Wer behaupte, Niedriglöhne seien Einstiegslöhne, der liege falsch. Die Chancen, in besser bezahlte Jobs aufzusteigen, seien in der Region relativ gering. Viel häufiger als der Einstieg in besser bezahlte Tätigkeiten, ist eine Verfestigung der Niedriglohnfalle, warnt der DGB. Der hohe Niedriglohnsektor in Schwerin ist nach Einschätzung des DGB auch eine Zeitbombe für künftige Altersarmut. Wer über einen längeren Zeitraum wenig verdient, wird künftig verstärkt von Altersarmut bedroht sein. Hinzu komme, dass private Altersrücklagen bei niedrigem Einkommen so selten sind, dass das soziale Problem der Altersarmut dadurch kaum gemindert werden kann.

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