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Zeitung für die Landeshauptstadt

17. Dezember 2017 | 07:20 Uhr

Schwerin Tierheim : Voller Einsatz bei Tag und Nacht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hunde, Katzen, Kaninchen, Degus: Tierheim Warnitz kümmert sich mit Herzblut um seine Gäste – mit hoher Vermittlungsquote

von
erstellt am 07.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Wenn Tierheimleiterin Ilka Dittberner morgens gegen halb acht die Türen zum Gelände am Kirschenhof 72 aufschließt und mit der Fütterung beginnt, dann hat sie oftmals eine kurze Nacht hinter sich. „Heute rief mich die Polizei um 0.30 Uhr an wegen eines herrenlosen Hundes im Mueßer Holz.“ Für Ilka Dittberner bedeutet das: Raus aus dem Bett, rein ins Auto, los zum Einsatzort. Einen Golden Retriever „sammelte“ sie in dieser Nacht ein, brachte ihn möglichst leise ins Tierheim, an dessen Rand gerade ein neues Wohngebiet wächst. Noch am nächsten Mittag steht der stattliche Hund in seinem Zwinger in Warnitz. Das Herrchen hat sich aber schon gemeldet und wird ihn wohl noch heute abholen. „50 Euro kostet der Nachteinsatz und zehn Euro der Tag bei uns“, sagt Ilka Dittberner.

Auch das Tierheim müsse wirtschaftlich denken, selbst wenn es von der Stadt getragen wird. Zwei Vollzeit-Mitarbeiter, zwei FÖJ-ler und eine Teilzeitkraft – sie kümmern sich verlässlich um das Wohlergehen der Tiere, nehmen Anrufe an, führen Besucher rum, vermitteln, schreiben Protokolle, kümmern sich um die Pflege des Außengeländes, haben Nachtbereitschaft und vieles mehr. Zahlreiche Ehrenamtler helfen außerdem mit, dass die Tiere zum Beispiel genug Auslauf bekommen. 18 Hunde, 46 Katzen, 3 Kaninchen und 3 Degus leben zurzeit im Schweriner Tierheim und warten auf ein neues Zuhause. So etwas wie ein Sommerferien- oder Weihnachtshoch gäbe es in Schwerin glücklicherweise nicht, sagt Ilka Dittberner. „Hier werden Tiere selten unbedacht als Geschenk unter den Tannenbaum gelegt. In der Urlaubszeit bringen die Leute ihre Vierbeiner bei Nachbarn, Verwandten oder in Pensionen unter.“ Auch im Schweriner Tierheim gibt es einige Plätze für vierbeinige Feriengäste.

Seit 1995 leitet Ilka Dittberner das Schweriner Tierheim. Sie kennt inzwischen viele Ausreißer-Hunde, aber auch die Tricks von Menschen, die mit ihrem eigenen Hund nicht mehr klarkommen und ihn gerne kostenlos abgeben möchten: „Den habe ich angeleint an der Straße gefunden.“ Ilka Dittberner findet im Gespräch fast immer heraus, wer die eigentlichen Besitzer sind. „Wir reden dann über das Problem und vereinbaren manchmal eine Probezeit, in der ich sehen kann, ob und wie ich den Hund vermitteln kann“, sagt sie. „Das ist aber eine Ausnahme.“ Denn das Heim soll sich um Fundtiere kümmern und nicht um Halter, die sich das Leben mit einem Tier einfacher vorgestellt hatten – und ihn vielleicht für wenig Geld im Internet oder auf Autobahn-Parkplätzen gekauft haben. „Jeder muss sich bewusst sein, dass er sich einen Begleiter für viele Jahre anschafft, der Ansprüche hat, Abwechslung und Auslauf braucht, Zeit und Geld kostet“, sagt sie und streichelt das junge „Scheidungsopfer“ Kira, die gerade dabei ist, ein neues Zuhause zu finden.

Ilka Dittberner weiß aber auch, dass die meisten Schweriner es sehr gut meinen mit Tieren: Die Vermittlungsquote des Heimes ist sehr gut, viele Menschen spenden Geld und Futter. Auch beim jährlichen Tierheimfest mit Besichtigung, Beratung, Vorführungen, Ponyreiten. Bogenschießen, Glücksrad, Hüpfburg, Musik, Speis und Trank helfen diverse Freiwillige mit. Am Sonnabend, 26. August, von 10 bis 15 Uhr ist es soweit.

Neben den zumeist sehr dankbaren Tieren entschädigen auch besondere Erlebnisse für den hohen Zeitaufwand: „Wir hatten hier einmal ein Ehepaar aus München, das seine Katze suchte“, erzählt Ilka Dittberner. Sie sei vielleicht in einen Möbelwagen mit dem Kennzeichen „SN“ gekrabbelt, vermuteten die beiden, die ihre Samtpfote lange in München gesucht hatten. „Als wir in unser Katzenhaus gingen, saß die Vermisste tatsächlich da“, sagt die Tierheim-Leiterin lächelnd. „Etwa 250 Katzen nehmen wir hier im Laufe eines Jahres auf, nur etwa zehn gehen an ihre alten Besitzer zurück. Das war wirklich ein Glücksfall.“

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