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23. November 2017 | 04:46 Uhr

Voller Bus und leere Kassen

vom

svz.de von
erstellt am 24.Jun.2010 | 07:12 Uhr

Langen Brütz | Der Bus ist voll, die Luft dünn. Einige Fahrgäste müssen stehen. Am Schweriner Hauptbahnhof geht die Fahrt los. SGS Bus und Reisen und der Nahverkehr Schwerin, die beiden Betreiber der Buslinie 100, haben zu einer Info-Tour eingeladen. Hoteliers, Pensionsbetreiber und Gemeindevertreter sind dabei. Sie profitieren von der Linie, die die wichtigsten touristischen Punkte am Ostufer des Schweriner Sees anfährt. Am

1. Mai ist die Linie in ihre sechste Saison gestartet. Es könnte die letzte sein. Denn die Finanzierung des Projekts gestaltet sich zunehmend schwieriger.

SGS-Geschäftsführer Andreas Helms begrüßt die Gäste an Bord: "Wir wollen Ihnen zeigen, wie wir mit der Linie zum Tourismus beitragen können." Dass die Busroute, die noch bis zum 3. Oktober fünfmal täglich abgefahren wird, ein Pluspunkt für den regionalen Tourismus ist, davon ist Helms überzeugt. Doch durch die zahlenden Gäste allein kann sich die Linie nicht finanzieren. Die Unterstützung der angefahrenen Gemeinden ist wichtig. Im Schnitt 1500 Euro haben sie in den zurückliegenden Jahren gezahlt. Doch einige Ostufer-Gemeinden geben 2010 kein Geld.

Streichung der Gelder - Gnevens Bürgermeister erklärt

Eine dieser Gemeinden ist Gneven. Trotzdem ist Bürgermeister Johannes Neben mit auf Tour. Er steht in der Mitte des Busses und muss sich festhalten. In jeder Kurve schaukelt der Bus hin und her. "Wir sind eine kleine und finanzschwache Gemeinde", erläutert Neben. Auch in den nächsten Jahren werde Gneven die Buslinie nicht unterstützen können. Es habe geheißen, dass sich die Linie nach der Buga selbst tragen solle. "Das haben wir beim Wort genommen", unterstreicht Neben.

Diesen Plan habe es tatsächlich gegeben, muss NVS-Geschäftsführer Norbert Klatt eingestehen. Leider jedoch reichen die Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf auch derzeit nicht aus, um die Kosten zu decken. "Ich rufe energisch dazu auf, die Finanzierung möglich zu machen", sagt Klatt. Andernfalls müsse man Konsequenzen ziehen. Vorstellbar sei etwa, die Gemeinden, die nicht zahlen, auch nicht anzufahren. Es müsse laut Klatt etwa 15 Prozent mehr Fahrgäste geben, um die Linie aus den Einnahmen zu finanzieren. Aktuell seien die Fahrgastzahlen immerhin ähnlich hoch wie zu Zeiten der Buga. "Ein gutes Zeichen", sagt Klatt. Leider sei die Bereitschaft, Geld zuzusteuern, auch von Seiten der Hoteliers gering. Mit auf Tour ist Corinna Lepsien, Marketing-Assistentin des Hotels Schloss Basthorst. Sie kann sich eine finanzielle Unterstützung der Linie durchaus vorstellen. "Für unsere Gäste, die ohne Auto anreisen, ist die Linie eine gute Möglichkeit, um mobil zu sein", so Lepsien. Und um den Gästen diese Möglichkeit zu bieten, gibt es bei Bedarf einen Shuttle vom Hotel nach Kritzow. Das Hotel stehe auch einer Mitfinanzierung der Linie 100 aufgeschlossen gegenüber.

Beim Landhaus Bondzio in Langen Brütz macht der Bus einen Zwischenstopp. "Auch für mich ist die Linie wichtig", sagt Inhaber Siegfried Bondzio, während er hinter der Theke ein Bier zapft. An guten Tagen seien es bis zu 20 Touristen, die mit dem Bus zum Landhaus und ins benachbarten Waldglasmuseum kommen. Nach dem Zwischenstopp fährt der Bus weiter - über den Paulsdamm zum Schweriner Hauptbahnhof.

Nach der gemeinsamen Fahrt bleibt weiterhin fraglich, ob die Linie 100 auch im nächsten Jahr um den Schweriner Innensee fahren wird. "Das steht auf Messers Schneide", betont Norbert Klatt eindringlich. Nach der Tour ist eben vor der Tour.

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