Künftig auf dem Dreesch? : Volkshochschule soll ausziehen

<fettakgl>Die alte Schelfschule </fettakgl>wurde vor zehn Jahren passgenau für die Arbeit der Volkshochschule umgebaut. Vier Millionen Euro flossen in das Projekt. <foto>Reinhard Klawitter</foto>
Die alte Schelfschule wurde vor zehn Jahren passgenau für die Arbeit der Volkshochschule umgebaut. Vier Millionen Euro flossen in das Projekt. Reinhard Klawitter

Bei den Besuchern der Volkshochschule gibt es derzeit nur ein Thema: Werden sie ihre Kurse am gewohnten Standort in der alten Schelfschule weiter besuchen können oder müssen sie auf den Dreesch fahren?

svz.de von
01. März 2013, 07:49 Uhr

Schelfstadt | Bei den Besuchern der Volkshochschule (VHS) gibt es derzeit nur ein Thema: Werden sie auch künftig ihre Kurse am gewohnten und lieb gewonnenen Standort in der alten Schelfschule besuchen können oder müssen sie künftig auf den Dreesch fahren? Mittlerweile kursieren bereits Unterschriftenlisten, mit denen sich Hunderte Besucher der Einrichtung für den Verbleib in der Puschkinstraße 13 aussprechen. So war denn auch die Standortfrage zentrales Thema des politischen Stammtisches am Donnerstagabend in der Aula der Schelfschule.

Hintergrund der großen Aufregung ist indes nicht das Sparpaket der Stadt, sondern die prekäre Hort- und Schulraumsituation in der Innenstadt. "Die dringend notwendige Sanierung der Heinrich-Heine-Schule kann nur durchgeführt werden, wenn der Schulbetrieb in dieser Zeit ausgelagert wird. Wir prüfen derzeit verschiedene Optionen für die Verlagerung des Unterrichts an einen anderen Ort und ziehen dabei natürlich alle Varianten in Betracht", bestätigte Schuldezernent Dieter Niesen auf Anfrage unserer Redaktion. Ob dies den Umzug in die alte Schelfschule, also den bisherigen Volkshochschul standort, und die Verlagerung der VHS ins Mueßer Holz bedeute, wollte er weder bestätigen noch ausschließen.

Für die meisten Besucher der Volkshochschule ist die Schließung des zentral gelegenen Standorts in der Schelfstadt unvorstellbar. Gisela Pohl erklärt: "Der geplante Standortwechsel in eine dezentrale Randlage wird schwerwiegende Folgen haben. Viele Bürger müssten dann weite Wege auf sich nehmen, um die Bildungsangebote der VHS wahrnehmen zu können. Ein großer Teil der arbeitenden Bevölkerung wird es sich aus Zeitgründen, andere wegen der höheren Wegekosten zweimal überlegen, ob für sie die Kurse noch in Frage kommen. Gegen einen Standortwechsel spricht auch, dass auf die Stadt für ein neues Domizil der VHS hohe Sanierungskosten zukommen. Mit mir sind sicher viele Schweriner der Meinung, dass die Stadt eine funktionierende und attraktive Volkshochschule benötigt."

Das sehen auch Elisabeth Behrens, Jutta Kypke und Marion Moll so. Sie besuchen seit sechs Jahren einen Englischkurs der Volkshochschule. "Jetzt plant die Stadt zu Gunsten einer Grundschule ihre Verlegung in eine Randlage der Stadt. Das wäre fatal für die VHS und damit auch für Schwerin. Nicht nur unser Kurs würde zerfallen. Wir befürchten, dass eine nach Lage und Ausstattung wenig attraktive Volkshochschule so uninteressant wird, dass diese in der Bedeutungslosigkeit versinkt."

Volkshochschulleiterin Marita Schwabe nutzte den politischen Stammtisch im Gespräch mit Jürgen Seidel vor allem dazu, die Leistungskraft ihrer Einrichtung und deren Verankerung in der Stadtgesellschaft darzustellen. Mehr als 13 000 "Schüler" sind als Nutzer der VHS "Ehm Welk" eingetragen, die 16 000 Unterrichtsstunden in den großen Bereichen Schulbildung, politische, kulturelle und Gesundheitsbildung wahrnehmen. 150 Schüler holen jedes Jahr an der Volkshochschule ihren Schulabschluss nach. Großen Raum nehmen die Sprachangebote ein. In 70 Kursen lernen mehr als 800 Bürger diverse Fremdsprachen. Auch kreative und Gesundheitsangebote sind sehr nachgefragt. In den 15 Seniorengruppen treffen sich regelmäßig Hunderte Schweriner zu gesellschaftlichen Aktivitäten und kultureller Bildung. Hinzu kommt die Arbeit der Sternwarte, die jährlich mehr als 7000 Besucher zählt.

"Wir haben eine Kostendeckung von 65 Prozent", sagt Schwabe. Als Leitlinie gelte bundesweit: Wenn eine Volkshochschule ein Drittel ihrer Kosten erwirtschaftet, ist sie gut. Die hohe Attraktivität der VHS "Ehm Welk" liege neben den guten Unterrichtsbedingungen - das alte Schulhaus wurde passgenau für die Arbeit einer Volkshochschule umgebaut - vor allem in der zentralen Lage in der Altstadt begründet, erläutert sie. Denn drei Viertel der Besucher würden aus der Innenstadt kommen. "Die Erfahrungen anderer Städte wie Ludwigslust oder Neustrelitz zeigen, dass durch die Verlagerung der Volkshochschulen in Randlagen die Besucherzahlen dramatisch einbrechen." Abgesehen davon würden die vielen Synergieeffekte, die durch die Vernetzung der VHS mit Kulturbüro, Konservatorium und anderen Kultureinrichtungen der Stadt entstanden seien, wegbrechen.

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