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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. Dezember 2017 | 23:36 Uhr

Tierschützer : Vogelschutz mit Hindernissen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Managementplan Schweriner Seen soll im April fertig sein / Kritiker bemängeln fehlende Transparenz und zu wenig klare Vorschriften

Was darf man in Zukunft noch auf den Schweriner Seen und was wird verboten sein? Eine Frage, die derzeit Wassersportler, Angler, Touristiker, Landwirte, Stadtplaner und Anwohner umtreibt. Denn den Rahmen für alle Aktivitäten an und auf den Gewässern wird der Managementplan für das „EU-Vogelschutzgebiet Schweriner Seen“ abstecken. Darüber gibt es schon lange Diskussionen.

„Auf den Schweriner Seen sind keine sofortigen Restriktionen erforderlich“, sagt Bernhard Fiedler, beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) für die Erarbeitung des Managementplanes zuständig. „Es wird aber Empfehlungen geben.“ Im Klartext: Auf den Seen ist die Vogelwelt nicht akut gefährdet. Damit das so bleibt, müsse es aber Maßnahmen geben – freiwillig.

Auf diese Freiwilligkeit pocht auch die Interessengemeinschaft Schweriner Seen und Umland (ISSU). Wenngleich der Zusammenschluss vor allem von Wassersportlern vieles an der Erarbeitung des Managementplanes kritisiert: mangelnde Transparenz, fehlende Untersuchung von Einflüssen durch das Wetter, durch Windkraft- oder Biogasanlagen, veraltete Erhebungen des Vogelbestandes.

Strikt gegen eine Freiwilligkeit spricht sich die Initiative EU-Vogelschutz – Rahmenbedingungen – Lärmschutz aus. „Gefährdete Arten können nicht durch Freiwilligkeit geschützt werden“, sagt Fred-Rüdiger Knaak, der als ehrenamtlicher Naturschutzwart in Schwerin arbeitet. „Im Wickendorfer Moor leben beispielsweise die Heidelerche, die Rohrdommel, der Wachtelkönig oder auch die Rohrweihe, die alle auf der Roten Liste stehen. Diese Arten müssen mit einem Sofortprogramm geschützt werden und können nicht im Managementplan betrachtet werden.“ Knaak fordert deshalb eine sofortige Sperrung des Wickendorfer Moores – auch von der Wasserseite. „Wenn der Schutz dieser Arten dringend notwendig ist“, sagt dagegen Bernhard Fiedler, „muss die Untere Naturschutzbehörde der Stadt aktiv werden. Der Managementplan stellt keine Ver- und Gebote auf, sondern gibt den Rahmen vor. Konkrete Vorgaben müssen Behörden wie die Umweltämter, Schifffahrtsamt oder auch das Ministerium erlassen.“ Die Initiative Lärmschutz bemängelt auch, dass nur die Vogelwelt betrachtet wird. Bisamratten, Biber, Fischotter und andere Tiere und deren Wirkung auf die Vogelpopulation sei nicht betrachtet worden. „Auch das Bauen am Wasser wird Auswirkungen haben“, sagt Hartmuth Lorenz. Eine Untersuchung dieser Faktoren ist nach Angaben von Bernhard Fiedler im Managementplan nicht vorgesehen.

Doch die Lärmschutzinitiative lässt sich nicht beirren. Sie fordert grundlegende Änderungen auf dem Schweriner See. „Ich möchte, dass es nicht so weiter geht“, sagt Hartmuth Lorenz. „Lärm und Raserei müssen gestoppt werden.“ Deshalb sei beispielsweise ein Verbot von Powerbooten und Jetski in den Managementplan zwingend einzuarbeiten. Der Entwurf des Managementplanes soll Ende des Monats vom beauftragten Ingenieurbüro dem Stalu vorgelegt werden. Das wird das Papier prüfen und dann dem Umweltministerium vorlegen. Nachdem das ebenfalls geprüft hat, wird das Papier voraussichtlich im April der Öffentlichkeit vorgestellt.
 

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