Finger weg von "Bruchpiloten" : Vogeleltern suchen ihre flüggen Kinder

Kaum sind die Vogeleltern nur  kurz auf der Suche nach einem leckeren Wurm, wird der Nachwuchs flügge.  Erste Flugversuche enden häufig  mit einer harten Landung auf dem Erdboden. Experten raten, die kleinen Bruchpiloten nicht anzufassen.   Walter Thiel
Kaum sind die Vogeleltern nur kurz auf der Suche nach einem leckeren Wurm, wird der Nachwuchs flügge. Erste Flugversuche enden häufig mit einer harten Landung auf dem Erdboden. Experten raten, die kleinen Bruchpiloten nicht anzufassen. Walter Thiel

Mitleid erregend rufen junge Vögel auf dem Boden nach Hilfe. Kaum verlassen die Eltern das warme Nest, starten die Jungtiere ihre ersten Ausflüge. Die enden oft mit einem schmerzvollen "Plumps" auf der harten Erde.

von
06. Mai 2012, 04:51 Uhr

Schwerin | Mitleid erregend rufen junge Vögel auf dem Boden nach Hilfe. Der tierische Nachwuchs ist flügge geworden. Kaum verlassen die Eltern das warme Nest, starten die Jungtiere ihre ersten Ausflüge. Die enden anfangs mit einem schmerzvollen "Plumps" auf der harten Erde. Nach dem ersten Schrecken beginnen die kleinen Bruchpiloten laut zu rufen - allerdings nicht, weil sie verletzt sind oder Angst haben. Sie schreien wie kleine Kinder nach ihren Eltern, damit diese sie finden und zurück ins Nest tragen.

So mancher Schweriner versteht das allerdings falsch, wie Experten aus dem Zoo der Landeshauptstadt berichten. Dort werden jedes Jahr etwa 100 Wildvögel aufgenommen, denn der Zoo fühlt sich dem Arten- und Tierschutz verpflichtet. Doch die Fachleute warnen vor übereilter Hilfe durch den Menschen. Nicht jedes hilflos erscheinende Tier benötigt wirklich Unterstützung durch den Menschen. Die Erfahrung des Zoos zeigt, dass jedes Jahr unnötig Tiere der Natur entnommen werden. Besonders in der derzeitigen Ästlingsphase, wenn die Jungvögel das erste Mal das Nest verlassen, aber noch nicht richtig fliegen können, landen sie oft auf dem Boden. Wer den Tieren helfen möchte, sollte sie nicht mitnehmen, sondern sie in einen Busch oder einen Baum setzen.

Die Aufnahmestation im Zoo bittet Finder, die einen solchen Vogel bringen, nicht selten die Federtiere an die Fundstelle zurückzusetzen, denn die Chance einen Jungvogel in diesem Alter aufzuziehen ist äußerst gering. Oft sterben sie stressbedingt. Dasselbe gilt für Nester mit Jungvögeln, die scheinbar verlassen sind - auch dort sind die Eltern in der Nähe auf Nahrungssuche. Abgestürzte Nester können mit ein wenig Geschick wieder angebracht werden oder durch Osternester ersetzt werden. Diese Behelfsnester werden in den häufigsten Fällen wieder von den Vogelfamilien angenommen. Und die kleinen Bruchpiloten starten dann von dem Behelfs-Zuhause aus ihre Ausflüge in große Welt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen