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21. November 2017 | 03:54 Uhr

Schweriner See : Vögel stoppen Tourismus-Projekte

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Vögel oder Boote? Wegen des EU-Vogelschutzgebietes Schweriner Seen liegen viele Projekte für den Wassersport vorerst auf Eis. Ein Managementplan für das Schutzgebiet liegt noch immer nicht vor.

svz.de von
erstellt am 12.Apr.2013 | 06:18 Uhr

Schwerin | "Wir wissen noch nicht, was da auf uns zukommt", sagt Frank Preuß. Der Umweltschutzwart des Schweriner Seglervereins befürchtet, dass der neue Managementplan für das EU-Vogelschutzgebiet "Schweriner Seen" deutliche Einschränkungen für die Wassersportler bringen wird. Genau wissen es die Nutzer der Seen frühestens im Jahr 2014. Dann soll der vom Staatlichen Amt für Land wirt schaft und Umwelt (StALU) in Auftrag gegebene Managementplan vorliegen.

Schon jetzt, in der Erarbeitungsphase, gibt es bereits erhebliche Einschnitte. "Gegenwärtig ist jegliche Entwicklung auf und an den Seen blockiert", sagt Umweltdezernent Wolfram Frieders dorff. So liegt die Entwicklung des ehemaligen Klärwerkes in der Bornhövedstraße auf Eis. Der Anleger in der Schlossbucht kann nicht gebaut werden. Das kleine Wohngebiet auf dem ehemaligen Gelände des Straßenbauamtes an der Güstrower Straße bekommt kein künstliches Hafenbecken. "Da damit auch mehr Boote auf den See kommen würden, müssten wir für viel Geld Ausgleichsmaßnahmen umsetzen", so Friedersdorff. "Das ist wirtschaftlich nicht darstellbar." Sprich: Es wäre zu teuer.

Selbst nicht zum EU-Vogelschutzgebiet zählende Seen sind betroffen. Beispielsweise können im Ziegelinnensee selbst dann keine Stege gebaut werden, wenn die Weltkriegsmunition sofort vom Grund geholt werden würde. Denn an den Anlegern könnten Boote liegen, die dann zusätzlich auf den Schweriner See fahren. Das wäre dann eine Beeinträchtigung der Vogelwelt. Die hat in den Jahren 2005 bis 2010 ohnehin schon gelitten. "Durch zwei harte Winter haben sich die Bestände negativ entwickelt", sagt der Schweriner Umweltdezernent. Außerdem sind die Schilfbestände auf den Seen zurückgegangen. "Um die Wachstumsbedingungen zu verbessern, müssen einige Uferbereiche besonders geschützt werden." Die Folge: Es wird wohl Befahrensregelungen für die Schweriner Seen geben müssen. Ein solches Vorhaben gab es schon einmal vor etlichen Jahren. Damals wollte das städtische Umweltamt über 100 gelbe Tonnen auf dem See auslegen und damit große Bereiche für den Bootsverkehr sperren. Erst ein massiver Proteststurm der Wassersportvereine stoppte das Vorhaben. Jetzt wird das Thema wieder auf die Tagesordnung kommen. "Wir sind bereit, über solche Regelungen zu diskutieren", sagt Frank Preuß. Der Umweltwart wünscht sich, dass die Stadt und die Vereine gemeinsam gegenüber dem StALU auftreten. "Wir würden uns mehr Engagement von Seiten der Stadt wünschen und kämen gern mit ihr in einen Dialog." Denn, so Preuß, die Wassersportler kennen die Seen und haben damit auch eine hohe Kompetenz. "Wir haben die Sorge, dass die touristische Entwicklung gehemmt und viel Potenzial verspielt wird", sagt der Naturschutzwart. "Wir schauen da neidisch auf die Müritzregion. Da funktioniert das Miteinander von Wassersport, Berufsschifffahrt und Naturschutz bestens."

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