Naturschutz : Vielfalt durch Kreuzkraut und Co.

Die Blutzikade war Insekt des Jahres 2009.
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Die Blutzikade war Insekt des Jahres 2009.

Nahrungsgrundlage für selten werdende Bienen, Schmetterlinge, Käfer und Heuschrecken: BUND wählt die Wiese zum Biotop des Monats

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15. August 2015, 13:00 Uhr

Die Pflanzen, die auf ihr wachsen, besitzen oft Heilkraft für Mensch und Tier, sind schön anzuschauen und tragen selbstverständlich zur Artenvielfalt bei: Die Wiese ist vom Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Mecklenburg-Vorpommern zum Biotop des Monats gewählt worden.

„Naturnahe Wiesen, wie es sie z.B. im Alpenvorland gibt, sind in MV selten. Das lässt unsere intensive Landwirtschaft nicht zu“, erklärt Janine Wilken, Naturschutzreferentin beim BUND. „Es werden sortenreine Weidelgraswiesen bevorzugt, was das liebe Vieh angeblich am liebsten frisst.“ Dabei hätten z.B. Klee, Esparsette, verschiedene Süßgräser, Spitzwegerich, Frauenmantel, Zaunwicke, Wiesenkümmel, Bibernelle, Großer Wiesenknopf und sogar der Löwenzahn auch einen hohen landwirtschaftlichen Nutzwert, der sich aus Futterwert, Ertragsfähigkeit sowie Ausdauer zusammensetzt. Viele Wiesenkräuter besäßen zudem heilende Inhaltsstoffe, die die Nutztiere vor Krankheiten schützen können.

Die Anzahl von zehn verschiedenen Pflanzenarten auf einer Wiese gilt als artenarm. Umso wichtiger sei es, für das wertvolle Biotop Wiese zu sensibilisieren, so der BUND. Die wilden Kräuter und Gräser bieten Wildtieren und bodenbrütenden Vögeln ein Versteck, das durch zu häufige Mahd allerdings gefährdet ist. „Hier bietet der Verein Wildtierhilfe MV Unterstützung aus der Luft an“, empfiehlt Wilken.

Die Vielfältigkeit an Wiesenpflanzen ist Nahrungs- oder Fortpflanzungsgrundlage für selten werdende Bienen, Schmetterlinge, Käfer, Heuschrecken und Schwebfliegen. Sie verschwinden durch hohe Stickstoffeinträge und intensive Bewirtschaftung, so dass konkurrenzstarke Allerweltsarten, wie z.B. Brennnessel, viele Kräuter verdrängen. Je intensiver die landwirtschaftliche Nutzung ist, umso artenärmer ist das Biotop. Das hat auch das Bundesamt für Naturschutz 2014 in seinem Grünland-Report mit Besorgnis festgestellt.

„Natürlich finden sich auf Wiesen auch Pflanzen mit giftigen Inhaltsstoffen“, so Wilken. „Die Kampfansage gegen das Jakobs-Kreuzkraut halte ich für übertrieben. Es ist nur verarbeitet im Heu für Nutztiere gefährlich. Auf der Wiese wird es natürlicherweise gemieden, weil es nicht schmeckt.“ Es sei eine einheimische Pionierpflanze, die nach einiger Zeit durch andere Pflanzen wieder verdrängt wird. „Die giftigste Grünlandpflanze ist übrigens nicht das Jakobs-Kreuzkraut, sondern die Herbstzeitlose, die sich viele auch in den Garten pflanzen“, gibt Wilken zu Bedenken.

Der BUND empfiehlt, ganz genau die Wiesenpflanzen zu betrachten, um die vielseitige, faszinierende Insektenwelt zu entdecken. „Wer glaubt, jemand hätte in die Wiese gespuckt, sollte den Schaum vorsichtig beiseite wischen. Hier verbirgt sich eine Zikade“, weiß die Naturschutzexpertin.

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