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Marktplatz in Schwerin : Viele Händler haben aufgegeben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Berliner Platz wirkt nach der Sanierung verlassener denn je: Immer weniger Stände auf dem Markt, immer mehr leere Geschäfte

von
erstellt am 16.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Blumenhändler Bernd Pfeifer hat seit den 90er-Jahren auf den Wochenmärkten auf dem Berliner Platz seinen Stammplatz. So schlecht wie jetzt lief sein Geschäft noch nie. „Wir nehmen jetzt hier noch ein Drittel ein von dem, was wir früher hatten“, sagt der Schweriner. „Das ist die absolute Schmerzgrenze.“ Nur noch drei Händler stehen am Sonnabend auf dem für 600 000 Euro sanierten Berliner Platz. Im vergangenen Jahr war er mit einem großen Fest eingeweiht worden. Politik, Verwaltung und Bürger lobten den lebendigen Platz.

Von dem Leben ist im Sommer 2017 nicht mehr viel zu sehen. Der runde Platz mit dem Baum in der Mitte und den vielen Sitzgelegenheiten ist schick, aber fast niemand hält sich hier auf. Nicht mal an Markttagen. Der gewohnte Dienstags-Termin ist seit dem Winter schon auf den Sonnabend verlegt worden. Anfang der Woche stehen die Marktbeschicker jetzt lieber am Hauptbahnhof als auf dem Berliner Platz. Doch auch Freitag und Sonnabend geht hier kaum jemand bummeln. „Während der Umbauphase standen wir eine Querstraße weiter vor dem Discounter“, sagt Bernd Pfeifer. Da sei das Geschäft besser gelaufen. Dorthin würde er gerne wieder umziehen.

Seitdem mehrere WGS-Hochhäuser am Platz für einen Abriss leergezogen sind, fehle viel Kundschaft aus dem direkten Umfeld. Was außerdem störe, seien die wenigen Parkmöglichkeiten und vielen neuen Steinquader. „Der Laden da drüben läuft gut“, sagt Bernd Pfeifer und zeigt auf den Halal-Shop, in dem es vor allem Lebensmittel gibt, die Migranten aus dem Nahen Osten schätzen: Gemüse, Bulgur, Kichererbsen, viele Gewürze, aber auch Teegläser und ähnliches.

Die Videothek nebenan steht leer, das Firmenschild prangt noch über der Tür. Auf der anderen Seite hat Schuhmacher Reno Wolfgramm sein kleines Geschäft. Er ist seit 23 Jahren an diesem Standort. An der Neugestaltung des Platzes liegt es seiner Ansicht nach nicht, dass hier nicht mehr viel los ist. Nach der Wende habe das Geschäft geboomt. Mit dem Euro sei der erste Einschnitt gekommen, mit den vielen Discountern der nächste. Und: „Die Leute haben heute deutlich weniger Geld in der Tasche“, sagt Wolfgramm. Seine Stammkunden kämen natürlich weiter zu ihm, außerdem verkauft der Schuhmacher noch Lottoscheine, die SVZ und macht Schlüssel nach. Und zum Plaudern bleiben auch einige bei Reno Wolfgramm im Laden stehen.

Baudezernent Bernd Nottebaum räumt ein, dass der aktuelle Zustand in Neu Zippendorf unglücklich sei, gibt dem Platz aber unbedingt eine Chance. Die maroden WGS-Hochhäuser müssten zuerst weg, dann soll der Bau von besseren Wohnungen folgen. Mit neuen Mietern käme neuer Einzelhandel und dann könne der Platz seine Wirkung entfalten. Leider sei der Abriss-Termin für die Hochhäuser verschoben worden, erst kämen die Lankower Riesen dran. In Neu Zippendorf rücken die Bagger wohl erst nach 2018 an. Ob Bernd Pfeifer und seine Kollegen so lange durchhalten? Eine Alternative wäre ein Kooperationspartner, der der WGS bei der Finanzierung des Abrisses hilft und an einem Konzept für Neubebauung mitstrickt, sagt Nottebaum. Die Idee zumindest stehe im Raum.


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