Handwerk : Viele Friseure – geringer Verdienst

Friseur Cornel Ortmann hat in seinem Salon genug zu tun und würde aber gern mehr junge Menschen zu Hair-Stylisten ausbilden. Fotos: Reinhard Klawitter(3)
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Friseur Cornel Ortmann hat in seinem Salon genug zu tun und würde aber gern mehr junge Menschen zu Hair-Stylisten ausbilden. Fotos: Reinhard Klawitter(3)

In Schwerin hat sich die Anzahl der Betriebe verdoppelt: Wegen des Mindestlohns kämpfen viele kleine Salons jetzt ums Überleben

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06. März 2014, 16:00 Uhr

Die Friseurbranche in der Landeshauptstadt steht Kopf: Es gibt so viele Friseurbetriebe wie selten zuvor, in der Folge leben viele Haarstylisten am Existenzminimum. „Für Schwerin verzeichnen wir derzeit 80 Eintragungen im Gewerk Friseur“, berichtet die Handwerkskammer Schwerin. Vor zehn Jahren waren es noch halb so viele Betriebe.

Fakt ist: Auf dem Friseurmarkt ist es eng geworden. Hinzu kommt, dass jeder eingetragene Friseur auch in Schwerin unter Umständen mehrere Filialen betreibt. Der Bruttojahresverdienst eines Coiffeurs liegt im bundesweiten Schnitt bei rund 17 200 Euro. Das geht aus einer brancheninternen Erhebung aus dem Jahr 2012 hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Zu dem Zeitpunkt waren mehr als 93 000 Friseure in Deutschland gemeldet. „Bundesweit gibt es derzeit etwa 80 000 eingetragene Friseurunternehmen“, teilt die Handwerkskammer Schwerin mit. Wie viele Friseure eine Stadt wie Schwerin „verträgt“, lasse sich pauschal allerdings nicht festlegen. Ein weiterer Fakt ist: Der seit 1. August 2013 geltende Mindestlohn belastet kleine Betriebe unter Umständen sehr. Die Gewerkschaft Verdi hatte sich mit den Verbänden im Friseurgewerbe auf zunächst 6,50 Euro im Osten und 7,50 Euro im Westen pro Stunde geeinigt. Nach zwei Jahren sollen deutschlandweit 8,50 Euro gezahlt werden. Die Personalkosten eines Betriebes betrugen vor der Mindestlohneinführung etwa 40 Prozent des Umsatzes. Inzwischen dürfte der Anteil in einzelnen vorwiegend kleineren Betrieben auf 50 Prozent gestiegen sein, wie Cornel Ortmann, Inhaber des Salons „Ortmann & Christ“ und Mitglied der Friseur-Innung Schwerin schätzt. Er sieht ein weiteres Problem auf die Branche zusteuern: „Wir können zurzeit kaum neue Friseure ausbilden, weil uns aktuell der Nachwuchs fehlt.“ Seit 20 Jahren betreibt Cornel Ortmann inzwischen einen Salon in Schwerin und beobachtet die aktuelle Entwicklung am Ausbildungsmarkt mit Sorge. Wenn es hoch komme, würden in Schwerin pro Jahr nur noch etwa zehn Friseure ihre Ausbildung abschließen. Aus diesen Gründen bildet auch Cornel Ortmann zurzeit weniger junge Erwachsene aus, als er eigentlich könnte und wollte.

Der Geschäftsführer der Hair-Cosmetic-Team GmbH sieht das etwas anders. „Sicher schauen wir mittlerweile auch mehr auf Realschulabgänger als zuvor“, sagt Geschäftsführer Steffen Clauß. Sein Unternehmen betreibt zurzeit 16 Filialen in Schwerin und 34 in MV und Brandenburg. Ein Blick in Schwerins benachbarte Kreise zeigt, dass es auch dort eine hohe Anzahl an Friseurbetrieben gibt. Nach Angaben der Handwerkskammer sind es in Nordwestmecklenburg 126 Unternehmen, in Ludwigslust-Parchim 191 und in Altkreis Güstrow 81.


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