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Schwerins Jugend : Viel Geld für Kinder mit Problemen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Stadt will sparen bei den so genannten Hilfen zur Erziehung, die jährlich steigen und aktuell bei 19 Millionen Euro liegen

von
erstellt am 27.Apr.2017 | 07:40 Uhr

Was haben wir gelacht über die dreisten Sprüche und Streiche von Karlsson aus Astrid Lindgrens Meisterwerk „Karlsson vom Dach“. Und das, obwohl der siebenjährige Lillebror Karlsson für dessen Frechheiten noch bewunderte. Doch in der Realität ist Eltern oft nicht zum Lachen, wenn sie die Probleme mit ihrem Nachwuchs nicht mehr allein in den Griff bekommen. Gut, dass es dafür Hilfe vom Staat gibt. Das kostet natürlich Geld, in Schwerin besonders viel.

Hilfen zur Erziehung gewährt die Kommune immer dann, wenn – vereinfacht gesagt – ein Kind in seiner Entwicklung gefährdet ist und Eltern erzieherisch überfordert sind, das zu ändern. Das Kinder- und Jugendhilfegesetz steckt den Rahmen ab, ein vorgeschriebener Hilfeplan schreibt vor, welche Unterstützung das Kind erhält. Im Vergleich zu anderen Städten und Landkreisen ist das in Schwerin besonders oft die Heimunterbringung.

„Schwerin hat die längste Verweildauer von Kindern bei stationärer Hilfe. Wir müssen klären, warum das so ist“, sagt Sozialdezernent Andreas Ruhl, der als Finanzdezernent auch die städtischen Ausgaben im Blick haben muss. „Es muss mehr gelten: ambulant vor stationär.“ Familienbeihilfen könnten dazu beitragen, aber auch intensive Einzelfallprüfungen.

Denn allein in diesem Jahr gibt Schwerin 19 Millionen Euro für Hilfen zur Erziehung aus. „Wir wären schon froh, wenn wir es schaffen könnten, auf diesem Niveau zu bleiben“, sagt der Dezernent. In den vergangenen Jahren sind die Ausgaben jährlich gestiegen.

Angriffspunkte, etwas zu ändern, gibt es viele. Abrechnungen der freien Träger seien teilweise nicht nachvollziehbar, die Qualität der Leistungen steht in der Kritik – jede zweite Anzeige auf Kindeswohlgefährdung betrifft Familien, die bereits Hilfe durch freie Träger erhalten – und der beratende Beauftragte, der vor zwei Jahren die städtischen Ausgaben im Auftrag des Innenministeriums unter die Lupe genommen hatte, sprach bei den freien Trägern in Sachen Hilfen zur Erziehung von „kartellähnlichen Strukturen“. Natürlich verdienen Awo, ASB, Caritas, Diakonie & Co. an der Arbeit mit Kindern mit Problemen. Und es gibt mehr Geld von der Stadt für eine Heimbetreuung als wenn ein Sozialarbeiter einmal pro Woche die Familie besucht. Nur: Ist eine lange Unterbringung in einer betreuten Wohngruppe auch die erzieherisch beste Hilfe?

„Die Ansprüche an die Betreuung sind in den vergangenen 20 Jahren ebenso gestiegen wie die mediale Aufmerksamkeit oder der Blick aufs Kindeswohl in der Nachbarschaft“, sagt Ruhl. Auch gäbe es in Städten deutlich mehr Fälle als in den Landkreisen. Allein das alles führe zu steigenden Ausgaben.

Neben der Einzelfallprüfung, einer Verbesserung der Zusammenarbeit mit freien Trägern und der Neubesetzung der Schiedsstelle – dort ist im Streitfall bislang ausschließlich zu Ungunsten der Stadt entschieden worden – setzt der Dezernent auch intern auf Änderungen. So soll es Strukturveränderungen im Jugendamt geben, eine einheitliche Software, ein effektives Finanzcontrolling und die Besetzung von freien Stellen.

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