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Schweriner OB im SVZ-Interview : Video Rico Badenschier: Die ersten 100 Tage sind geschafft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Oberbürgermeister Rico Badenschier spricht mit SVZ über seinen Start ins neue Berufsleben und Aufgaben, die vor ihm liegen

von
erstellt am 08.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Heute ist Rico Badenschier exakt 100 Tage Schweriner Oberbürgermeister. Das ist die Zeitdauer, die im Allgemeinen einem neuen Amtsinhaber zugestanden wird, um sich einzuarbeiten. Im Gespräch mit den SVZ-Redakteuren Timo Weber, Alexander Hamacher und Bert Schüttpelz zieht Badenschier ein erstes Fazit und blickt auch schon einmal voraus auf die kommenden Jahre.

Wie war es für Sie, nach zwei Jahren als kritischer Beobachter der Verwaltung die Seiten zu wechseln? Wie viel wussten Sie schon von Verwaltung?
Rico Badenschier: Es ist schon ziemlich viel neu. Jetzt schaue ich von innen auf die Abläufe, bin früher dabei. Aber dafür sind die ersten 100 Tage auch da, um zu lernen, wo man rechtzeitig in die Prozesse eingreifen kann.

Die Stadtvertreter wollen das eine, die Öffentlichkeit will das andere. Wie viel Politik von Rico Badenschier gibt es denn schon nach 100 Tagen?
Bürgermeister anderer Städte in MV haben mir gesagt: Schau erst mal ein Jahr lang, wie es geht. Erst wenn du was zum zweiten Mal machst, kannst du den eigenen Spielraum richtig abschätzen, ausfüllen und wahrnehmen. Ein paar Sachen sind dennoch schon bewegt: Die Stadt-Umland-Beziehungen haben wir durch ein gutes Angebot in Fragen Wohnraumstandort-Entwicklung verbessert, denke ich. Auch für das Stadtteilzentrum Lankow hat sich etwas getan. Es wird wohl keinen Verkauf der Julius-Polentz-Straße 1/2 geben. Das war mein Ziel.

Sie sind studierter Mediziner: Wie sehr doktern Sie an Verwaltungsabläufen herum?
Der Kommunikationsstil ist ein anderer. Im Krankenhaus muss man ziemlich schnell ziemlich ehrlich sein. Es bringt nichts, dem Chef irgendeine unangenehme Wahrheit vorzuenthalten. Ich bin mir noch nicht sicher, ob das in der Verwaltung genauso gelebt wird. Ich bin für eine klare Kommunikation.

Sie führten als Oberarzt schon Mitarbeiter. Wie fühlt es sich an, Chef von 1000 Mitarbeitern zu sein?
Es kommt schon vor, dass mich jemand auf dem Flur mit „Hallo Chef“ begrüßt. Das kannte ich so noch nicht. Jetzt muss ich das Wissen aus den Führungskräfteseminaren anwenden. Natürlich werde ich dabei noch viel lernen.

Kommen wir zu Sachthemen: Wollen Sie eine Buga 2025?
Es wäre sehr schön, wenn wir das Geld für eine Buga hätten. Es wäre auch schön, wenn wir einen ausgeglichenen Haushalt hätten. Es wäre so vieles so schön. Ich werde aber weiterhin beim Land dafür kämpfen, dass die Buga möglich wird. Die Situation ist nicht besser geworden durch die klaren Aussagen von zwei Ministern im Dezember. Ich möchte die Buga, aber die zentralen Probleme, die Schwerin hat, sind andere.

Nennen Sie bitte Beispiele.
Die Buga ist ein Stadtentwicklungsprojekt. Sie könnte helfen, die Stadt weiter zum Wasser zu entwickeln. Wir haben aber auch Probleme mit der Entwicklung des Stadteilzentrums in Lankow und wir wollen das Areal Magdeburger Straße neu gestalten. Da müssen wir schauen, wie uns dafür eine Buga helfen kann. Es gibt erste Überlegungen, wie man das zusammenbringt.

Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang für Sie die Welterbe-Bewerbung?
Ich sehe den langfristigeren Effekt für Schwerin im Welterbetitel. Auch wenn das in erster Linie ein Kulturprojekt ist, würden wir dadurch ebenso touristisch profitieren. Aber es ist auch klar: Mit dem Welterbetitel gehen wir viele Verpflichtungen ein.

Was versprechen Sie sich von der Vollmitgliedschaft in der Metropolregion Hamburg?
Viel. Es wird einen touristischen Effekt geben, wenn wir als das Schloss Hamburgs wahrgenommen werden. Wirtschaftsansiedlungen, die zentrale Vermarktung von Gewerbeflächen, da sind wir dann richtig mit dabei. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Überhaupt der Fakt, dass wir ganz in der Nähe von Hamburg sind, wird dadurch vielen Menschen deutlicher bewusst.

Ihre Vorgängerin musste unter anderem wegen der Fehler im Jugendamt gehen. Auch Sie haben noch keinen Leiter für die wichtige Behörde. Was tun Sie?
Die Stelle ist ausgeschrieben und wir haben die Ausschreibung breiter gestreut. Ich hoffe, dass es am Ende eine sachliche Diskussion gibt. Bei der Vorstellung des ersten Kandidaten gab es eine Diskussion, bei der ich das erste Mal in meiner neuen Aufgabe die Sachlichkeit der Politik vermisst habe.

Die Politik wollte keinen Jugendamtschef mit Parteibuch. Sie haben gesagt, dass Sie nicht wussten, dass der vorgeschlagene Kandidat SPD-Mitglied ist.
Das wusste ich auch noch nicht, als mir die Fachverwaltung kurz nach meinem Amtsantritt drei Kandidaten präsentiert und gesagt hat: Den hier halten wir für den besten. Erst als er hier zum Gespräch in der Dezernentenberatung war, haben wir ihn dazu befragt. Aber selbst wenn: Es war einfach nicht erheblich bei der Auswahl.
Wenn jedoch aus vertraulichen, geschlossenen Sitzungsunterlagen Informationen genutzt werden und 48 Stunden später eine Ablehnung öffentlich gemacht wird, dann ist das nicht sachgerecht. Der Bewerber ist rein aus politischen Gründen abgelehnt worden, ohne die Person oder die Bewerberlage zu kennen. Das geht zu Lasten der Kinder und Jugendlichen in Schwerin.

Sie sind SPD-Politiker. Wie groß ist der Einfluss Ihrer Parteifreunde Sellering und Schwesig auf Sie?
Die Gesprächsbasis ist da, das ist ein Vorteil. Aber genau wie sie ihre Landes- oder Bundesinteressen nicht unter Wert verkaufen, werde ich das mit unseren kommunalen Interessen nicht tun. Aus der Bekanntschaft gar eine Abhängigkeit abzuleiten, Entschuldigung: Das ist Quatsch.

Wo sehen Sie Schwerin im Jahr 2023?
Da kann ich dasselbe sagen, wie im Wahlkampf: Schwerin hat mehr als 100 000 Einwohner, wir sind anerkanntes Zentrum der Region Westmecklenburg als Partner der Landkreise. Wir besitzen den Welterbetitel und sind einen ganz großen Schritt zum Stadtteilzentrum Lankow gegangen, in dem wir die drei Zehngeschosser durch modernen, barrierefreien und bezahlbaren Wohnraum ersetzt haben. Auch in Neu Zippendorf östlich des Berliner Platzes haben wir etwas geschafft. Die direkte Bahnverbindung von Schwerin nach Kopenhagen hebe ich mir für die zweite Amtszeit auf.
 

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