Goldenstädts Sportler : VfB bleibt auch in Liga zehn am Ball

Von wegen Sommerpause: „Im Juli kommt Hansa Rostock nach Goldenstädt“, freut sich VfB-Vorsitzender Maik Kaiser.
Von wegen Sommerpause: „Im Juli kommt Hansa Rostock nach Goldenstädt“, freut sich VfB-Vorsitzender Maik Kaiser.

Beim Goldenstädter Fußball-Verein geht es auf und ab – und immer weiter

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26. Juni 2017, 14:00 Uhr

In Deutschland gibt es mehr als 620 000 eingetragene Vereine. Dort treffen sich Menschen, um Sport zu treiben, ihren Hobbys nachzugehen, Traditionen und Kultur zu pflegen, zu helfen oder zu fördern. Die SVZ besucht einige der mehr als 100 Vereine im Schweriner Umland, um zu erfahren, warum sich Menschen in Vereinen engagieren, was ihnen wichtig ist und mit welchen Problemen sie dort zu kämpfen haben. Heute stellen wir den VfB Goldenstädt vor.

Maik Kaiser lässt sich nicht kleinkriegen. Nicht vom seinem kaputten Knie, das operiert werden muss. Nicht vom Abstieg der Fußballmannschaft aus der Kreisoberliga und auch nicht von den Vandalen, die Anfang April im Vereinshaus gewütet und alles geklaut haben, was nicht niet- und nagelfest war. „Es wird schon“, sagt Kaiser und humpelt über den Rasen des VfB Goldenstädt zu einem Holzbau mit Terrasse, dass der Verein Schankstübchen getauft hat. „Haben wir alles selber gemacht“, sagt Kaiser. Anpacken, das war schon immer sein Ding. Ob als Auslieferungsfahrer eines großen Getränkeherstellers in Hamburg oder als Vorsitzender des Sportvereins in Goldenstädt. Wenn er beim VfB aufhören würde, da sind sich hier alle einig, dann würde der Klub sofort den Bach runtergehen. Und sie wissen: Wenn er nicht gewesen wäre, damals, kurz nach dem Mauerfall, dann wären die Lichter im Verein schon längst aus.

Winter 89/90. Alles war im Umbruch. Jeder hatte mit sich zu tun, musste schauen, was aus ihm wird, jetzt, wo eine neue Zeitrechung anstand. Fußball, das war Nebensache. Nur 15 Mitglieder hatte der Klub Traktor Goldenstädt jetzt noch. „Wir lösen uns auf“, war der Tenor. Maik Kaiser aus Lübesse war da anderer Meinung. „Ich bin über Freunde gerade erst zum Verein gekommen, hörte, dass hier Schluss sein soll. Aber das musste doch nicht sein“, sagt Maik Kaiser. Gut, sagten die anderen, dann mach mal. Und Kaiser, gerade mal etwas älter als 20, machte. Jetzt war der gelernte Jungviehpfleger plötzlich auch Manager eines Dorfvereins. Vor ihm lag ein Berg Akten. Wie das alles funktionierte? „Keine Ahnung.“ Er machte sich schlau, der Ball rollte weiter, der Traktor zog wieder an.

Zwei Jahre später kam die Neugründung. Aus dem Klub Traktor Goldenstädt wurde der Verein für Bewegungsspiele, der VfB Goldenstädt. Neues Logo, neue Farben, neuer Schwung. Sportliche Erfolge im Kreis stellten sich ein. Mal stiegen die Herren auf, mal gewannen sie den Pokalwettbewerb. Im Laufe der Zeit wurde Kaiser zum Vorsitzenden gewählt, Jugendteams formierten sich. Der VfB spielte gut mit.

Vor einigen Jahren kehrten dem Klub auf einem Schlag 47 Kicker den Rücken. „Warum, weiß ich bis heute nicht“, beteuert Kaiser. Waren es mal neun Teams zu Spitzenzeiten, gibt es aktuell im 120 Mitglieder starken Klub nur noch eine Männermannschaft.

Sportlich, so der Klubchef, sei es zuletzt gar nicht so schlecht gelaufen. Platz zehn in der Kreisoberliga. Wäre da nicht die Liga-Reform mit der Staffelreduzierung gewesen, dann hätte dieser Rang zum Klassenerhalt gereicht. Jetzt heißt es: 10. Liga. „Natürlich geht es weiter“, weiß Kaiser. 20 Spieler stünden schon bereit, drei, vier könnten noch kommen.

Unermüdlich dreht sich eine Sprenkleranlage auf dem Rasen und spritzt Wasser auf das trockene Grün. Auch nach Saisonende wird hier noch gekickt. Der Rostocker FC kommt am 8. Juli zum Freundschaftsspiel, Drittligist Hansa Rostock am 22. Juli. Kaiser: „Dynamo Schwerin spielt dann hier gegen diese Teams , weil in Schwerin die Plätze nicht verfügbar sind.“

Am Freitag musste Kaiser in ein Hamburger Krankenhaus. Vorbesprechung für die Knie-OP. Sonnabend war er mit beim Turnier in Klinken. Heute geht es zur Operation in die Klinik. „Ja, ich würde schon sagen, dass ich fußballverrückt bin“, gibt er zu. Lädiertes Knie, Abstieg oder Trikot-Diebe werden daran auch nichts ändern.

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