Schwerin : Verwirrspiel um die Seeterrasse

Die Seeterrasse am Südufer des Lankower Sees: Einst beliebte Ausflugsgaststätte - heute Gegenstand juristischer Streitereien.  Foto: Reinhard Klawitter
Die Seeterrasse am Südufer des Lankower Sees: Einst beliebte Ausflugsgaststätte - heute Gegenstand juristischer Streitereien. Foto: Reinhard Klawitter

Horst Krasemann und Salvatore Pincone hatten große Pläne für die Gaststätte "Seeterrasse" am Ufer des Lankower Sees. Doch die Eigentümer haben ihnen den Pachtvertrag jetzt überraschend gekündigt.

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28. Mai 2013, 07:02 Uhr

Weststadt | Das hatten sich Horst Krasemann und Salvatore Pincone anders vorgestellt. Als sie zum 1. April die Gaststätte "Seeterrasse" am Südufer des Lankower Sees übernahmen, konnten sie die eigenen Ideen erstmal nicht umsetzen. Das Telefon war noch aus der Zeit des vorherigen Betreibers vom Anbieter gesperrt. Raustelefonieren ging gar nicht. Ankommenden Anrufe wurden aber nach Hamburg zur Besitzerin umgeleitet. Von dort wurden dann die Termine vorgegeben: für Hochzeiten, für Tanzveranstaltungen und anderes. "Wir waren nicht Herr im eigenen Haus", beklagte Horst Krasemann. "Wir mussten Veranstaltungen durchführen, die wir gar nicht vereinbart hatten."

Trotzdem wollten die beiden Gastronomen mit dem Restaurant unter neuem Namen - Estancia Seeterrasse - durchstarten. Doch daraus wurde nichts. Denn inzwischen haben ihnen die Eigentümer der Seeterrasse den Pachtvertrag gekündigt und sogar ein Hausverbot erteilt. Bei der Polizei liegt eine Anzeige gegen Krasemann und Pincone vor: Ihnen wird vorgeworfen, so genannte Pachtnomaden zu sein. Sie sollen Leistungen von Lieferanten in Anspruch genommen, aber nicht bezahlt und Versicherungen und Mietwagenfirmen geprellt haben. Die Mietkaution, die zum Beginn einer Verpachtung fällig ist, soll, ebenso wie die Pacht selbst, nicht bezahlt worden sein. Die gesamte Schließanlage hatten Krasemann und sein Partner austauschen lassen. "Weil der Vorbetreiber einen Schlüssel behalten hatte und in der Seeterrasse ein- und ausging, wenn wir nicht da waren."

Die Eigentümer wiederum sagen, dass die Schlösser teilweise sogar widerrechtlich aufgebohrt wurden. Inzwischen gab es sogar mehrere Polizeieinsätze, um das von den Vermietern ausgesprochene Hausverbot durchzusetzen. Angeblich soll dabei ein Bevollmächtigter der Vermieterin mit einem Totschläger, einem ausziehbaren Schlagstock, bedroht worden sein. Pfingsten musste ein Wachdienst mehrmals täglich nach dem Rechten sehen. Die beiden verhinderten Gastronomen waren zu all diesen Vorwürfen am Telefon nicht zu erreichen.

Auch die Stadtverwaltung hat große Probleme rund um die Seeterrasse am Lankower See. Allerdings nicht mit Krasemann und Pincone, sondern mit dem Vorbetreiber, der verwandschaftlich mit der Eigentümerin verbandelt ist. "Der macht auf städtischem Gelände, was er will", erklärt Stefan Schlick von der städtischen Liegenschaftsverwaltung. Zäune sollen auf Stadtgrund stehen, Wege wurden auf fremden Grundstück betoniert und zerbröseln jetzt wieder. Es geht die Rede von Schwarzbauten um. "Wir erwägen inzwischen eine Klage", so Schlick. Ein Ordnungsverfahren läuft bereits gegen den Ex-Betreiber. Er hatte großflächige Werbe tafeln auf Anhängern im Stadtgebiet aufgestellt und darauf seine Veranstaltungstermine angekündigt. Mehrfachen Aufforderungen der Verwaltung, diese zu entfernen, kam er nicht nach. Inzwischen werden keine Termine mehr angekündigt - doch die großen Tafeln stehen immer noch. Deshalb das Ordnungswidrigkeitenverfahren.

"Wir möchten mit dem Betreiber der Seeterrassen zu einer einvernehmlichen Regelung kommen - egal wer das ist", sagt Schlick. Bisher sei das der Stadt nicht möglich gewesen.

Vor der Kündigung des Pachtvertrages gab es einen Vor-Ort-Termin der neuen Pächter mit der Stadt, etliche Probleme konnten dabei ausgeräumt werden, bestätigt Stefan Schlick. Sie wollten den Parkplatz sanieren und - zusammen mit der Stadt - Wege in Ordnung bringen.

Gepachtet hatten Krasemann und Pincone die Seeterrasse einst für zwei Jahre. "Wir würden gern kaufen", sagte Krasemann damals. "Doch dafür müssten die juristischen Fallstricke, die uns der vorherige Betreiber hinterlassen hat, erst aus dem Weg geräumt sein." Jetzt sind Krasemann und Pincone erstmal weg und die juristischen Fallstricke immer noch da.

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