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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. Oktober 2017 | 01:40 Uhr

Heinehort : Verwaltung räumt Fehler ein

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

OB Angelika Gramkow begründet, warum für den Heinehort jetzt statt der beschlossenen Altbausanierung ein Neubau her muss

von
erstellt am 28.Okt.2015 | 07:45 Uhr

„Ja, wir haben offensichtlich einen Fehler gemacht“, gab Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow offen zu und der Ärger stand ihr bei diesem Termin ins Gesicht geschrieben: Noch bevor die neueste Verwaltungsvorlage in Sachen Heinehort dem Hauptausschuss vorgestellt wurde, gab es dazu eine Pressekonferenz. SVZ hatte bereits am Freitag berichtet, dass die bisherigen Pläne zur Sanierung der Werderstraße 66/68 gekippt werden müssen. Die Häuser können zu einem vernünftigen Preis nicht saniert werden, hieß es plötzlich. Aus ursprünglich 3,3 Millionen Euro Baukosten waren nach Feinuntersuchungen mindestens 4, 4 Millionen geworden. Zu viel und nicht förderfähig, meint die OB. Die Häuser sollen nun abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden, in dem 198 Kinder Platz finden.

Lange Diskussionen in der Stadtvertretung, mindestens ein halbes Jahr Planungszeit und eine noch nicht zu beziffernde Architektenrechnung scheinen umsonst. Immerhin: Der Neubau soll nicht wesentlich teurer werden als die geplante Sanierung. In der aktuellen Vorlage ist er mit 3,8 Millionen Euro veranschlagt. Darin enthalten seien Abbruch und bereits getätigte Ausgaben. Das Land habe seine alte Fördermittelzusage aufrecht erhalten, würde also 2,4 Millionen Euro dazu geben. 300 000 Euro sollen aus der „Umverteilung anderer Förderprogramme“ fließen. Bleiben für die Stadt Eigenmittel von rund einer Million Euro.

Der Zeitverzug zu den bisherigen Plänen soll „nur“ ein halbes Jahr betragen. Wenn alles glatt läuft, könnte der Heinehort im Winter 2017 fertig sein. Erst danach würde mit der Innensanierung der Grundschule begonnen.

Angelika Gramkow ist immerhin optimistisch, dass Schüler und Eltern die Wartezeit fröhlich überstehen. „Inzwischen sind die Kinder gut untergebracht“, sagt sie und denkt vor allem an die 66 Schüler, die jetzt in der Bebelstraße betreut werden.

Dennoch: Die OB ärgert sich. Obwohl sie weiß, dass in Schweriner Altbauten oft teure Überraschungen schlummern. Mussten diese wirklich erst so spät entdeckt werden? In der Werderstraße 66/68 schienen die Bauunterlagen aus den 20er-Jahren und die Wirklichkeit kaum übereinzustimmen. Unglücklicherweise fußte das erste Gutachten aus dem Jahr 2013 vor allem auf eben diesen alten Unterlagen. Bei einer ersten Gebäudebegehung und Kostenschätzung wurden der Fußboden, die Decken oder die Gründung nicht genauer inspiziert oder gar geöffnet.

Das sei nicht üblich, sagt ZGM-Werkleiter Ulrich Bartsch auf Nachfrage. So ergab erst die statische Feinuntersuchung vor wenigen Wochen, dass die Holzbalkendecken nicht tragfähig und die Wände viel zu dünn sind, die Fensterstürze aus Holz und der Unterbau katastrophal.

Der Verwaltungsvorschlag muss jetzt durch verschiedene Ausschüsse, dann durch die Stadtvertretung und der Abriss muss trotz Erhaltungssatzung genehmigt werden. Es lauern also noch Fallstricke. Doch Ulrich Bartsch sieht das Projekt gelassen: Der Berliner Flughafen zeige doch, wie schwierig Bauen in Deutschland sei.

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