Freiwilliges Soziales Jahr : „Verwaltung ist gar nicht öde“

Ein handfestes Resultat aus einem Jahr Freiwilligendienst:  Magnus Stein hat einen alten Flyer zum Burggarten aufgemöbelt. Der 19-Jährige hat sich jetzt entschieden, Bauingenieur zu werden.
Ein handfestes Resultat aus einem Jahr Freiwilligendienst: Magnus Stein hat einen alten Flyer zum Burggarten aufgemöbelt. Der 19-Jährige hat sich jetzt entschieden, Bauingenieur zu werden.

Magnus Stein sammelte bei seinem Freiwilligen Jahr in der Denkmalpflege wichtige Erfahrungen fürs echte Berufsleben

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11. August 2015, 08:00 Uhr

Wichtige Erkenntnisse hat der 19-jährige Magnus Stein aus seinem ersten Jahr nach dem Abitur mitgenommen: Ein Job in der Verwaltung ist zum Beispiel viel spannender, als die meisten glauben. Und: Archäologische Ausgrabungen können trotz sensationeller Funde manchmal ganz schön langweilig sein. Seit September 2014 absolviert Magnus Stein ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege in der Landtagsverwaltung, genauer gesagt im Referat Z 1 für Bauangelegenheiten, Betriebstechnik und Querschnittsaufgaben. Der junge Schweriner hat einen Flyer zum Burggarten neu gestaltet, der jetzt für Touristen und andere Interessierte ausliegt. Er hat die Baufortschritte im Plenarsaal regelmäßig mit dem Fotoapparat dokumentiert und Plakate für den Tag der offenen Tür im Landtag entworfen. Das wichtigste Resultat seiner Arbeit ist aber, dass Magnus Stein jetzt genau weiß, was er in Zukunft machen will: Bauingenieurwesen studieren.

Eine Option war das Studium schon gleich nach dem Abi 2014 an der Niels-Stensen-Schule, erzählt Magnus. Aber sicher war er sich nicht und wollte außerdem ein bisschen Praxisluft schnuppern. „Hier in der Landtagsverwaltung durfte ich bei den Planungsgesprächen zum Plenarsaal dabei sein. Da habe ich gesehen, dass der Beruf des Bauingenieurs tatsächlich so funktioniert, wie ich ihn mir vorgestellt habe“, sagt Magnus Stein. Das Team in seinem Referat habe ihn toll aufgenommen, er hat Einblicke in viele verschiedene Bereiche bekommen. „In den ersten drei Monaten war ich bei den Ausgrabungen im Schlossinnenhof dabei“, sagt der junge Mann und berichtet von mittelalterlichen Keramikscherben oder alten Schweineknochen, die vorsichtig geborgen werden mussten – bei Wind und Wetter. Im Winter habe er dann sein großes Projekt, den Flyer zum Burggarten, in Angriff genommen. Wie für jeden FSJ-ler gab es für die Arbeit ein „Taschengeld“ und Sozialversicherung, Magnus durfte Urlaub nehmen und an Seminaren mit anderen Freiwilligen in der Denkmalpflege teilnehmen. „In Groß Raden haben wir beispielsweise das Schmieden gelernt – Pfeilspitzen und Nägel. Und in Wismar haben wir einen Lokschuppen saniert.“ Träger von Steins Freiwilligem Soziale Jahr ist der Verein Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (IJGD), der unter anderem ein Büro in Wismar unterhält.

In der Verwaltung des Landtages MV sind seit September 2008 regelmäßig Freiwillige im „FSJ in der Demokratie“ sowie seit 2012 im „FSJ in der Denkmalpflege“ tätig. Im September werden wieder drei neue kommen. „Der Landtag hat ausgezeichnete Erfahrungen mit den jungen Leuten gemacht“, sagt Dirk Lange von der Landtagsverwaltung und verweist unter anderem auf die 55-seitige Broschüre „Rundgang durch das Residenzensemble Schwerin“, die Katharina Wiegräbe während ihres FSJ 2013/14 erarbeitet hat. „Es interessieren sich auch immer wieder Leute aus anderen Bundesländern für einen Einsatz in MV. In den vergangenen Jahren waren z.B. regelmäßig junge Niedersachsen im Landtag tätig. Auch ein junger Mann aus Baden-Württemberg war unter den Teilnehmern.“ Sehr häufig handele es sich um Abiturienten, die sich beruflich orientieren möchten. „Die meisten Ehemaligen haben im Anschluss an ihre Zeit bei uns ein Studium begonnen“, sagt Dirk Lange. „Ein junger Mann hat im Anschluss eine Ausbildung innerhalb der Landesverwaltung angefangen.“

Magnus Stein hat seinen Studienplatz bereits in der Tasche – er geht nach Braunschweig, in die alte Residenzstadt von Heinrich dem Löwen, dem Stadtgründer Schwerins. Für Magnus schließt sich dort noch ein anderer Kreis: In der Löwenstadt haben schon seine Eltern studiert und 1996 wurde er selbst dort geboren.

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