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Weltkulturerbe Schwerin : Verwaltung im klassizistischen Stil

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ stellt in einer Serie die einzelnen Teile des Residenzensembles vor. Teil 14: Kollegiengebäude und Regierungsgebäude II

Typischer kann ein Verwaltungsgebäude kaum sein: Die heutige Staatskanzlei, das so genannte Kollegiengebäude, wurde einzig und allein aus diesem Grund geplant, gebaut und auch immer von Staatsdienern belebt: Von 1834 bis 1918 residierte hier das Großherzogliche Staatsministerium, bis 1933 das Mecklenburgische Staatsministerium. Der Reichsstatthalter der NSDAP für den Gau Mecklenburg saß hier bis 1945, anschließend diente es der Landesregierung Mecklenburgs und von 1952 bis 1989 der SED-Bezirksleitung Schwerin. Seit der Landtagswahl im Oktober 1990 ist es Sitz der Staatskanzlei: Alfred Gomolka (CDU), Berndt Seite (CDU), Harald Ringstorff (SPD) und Erwin Sellering (SPD) hatten beziehungsweise haben hier ihr Büro.

Hinein kommen an normalen Tagen nur Mitarbeiter oder offizielle Besucher. Eigentlich schade, denn laut Kunsthistoriker Dr. Christian Ottersbach gibt es im Innern jede Menge Schönes zu entdecken. Prunkstück ist das Treppenhaus mit Geländern und tragenden Elementen aus Gusseisen. „Der Kabinettsaal in der Beletage zeigt ein reich eingelegtes Parkett, wie es typisch ist für die Schweriner Repräsentationsbauten des 19. Jahrhunderts. Die Wände sind mit dunklen Rahmen und helleren Spiegeln aus mehrfarbigem Stuckmarmor verkleidet“, schreibt der Kunsthistoriker in seinem Welterbe-Gutachten. „Die Eisenträger der Decke sind vergoldet, zwischen ihnen spannen sich stuckierte preußische Kappen. Der Kollegiensaal im zweiten Obergeschoss zeigt in reicher Rahmung aus Stucco-Iustro einen Gemäldezyklus mit den Ansichten der großherzoglichen Amtshäuser von Friedrich Jentzen und führt so das landesherrliche Domanium vor Augen. Die Decke ist als stuckiertes Kappengewölbe ähnlich aufgebaut wie die des Kabinettssaales“, beschreibt Ottersbach .

Schon 1867 sah es hier so aus. Kurz zuvor war das erste Kollegiengebäude abgebrannt und wieder aufgebaut worden. Die jüngste Fassadensanierung liegt erst wenige Monate zurück. Von den 3,7 Millionen Euro Kosten floss ein großer Teil in den Brandschutz.

1819 wurden Pläne für das Kollegiengebäude in Auftrag gegeben. Bis dato tagte das Kammer-Kollegium im Schloss, Kanzlei und Regierung waren im Bischofshof nahe dem Dom untergebracht.

Landbaumeister Johann Georg Barca lieferte einen ersten Entwurf für ein zweigeschossiges Haus – gedrungen und schwer. Carl Theodor Severin legte 1823 nach, Demmler überarbeitete dessen Zeichnungen. Er übernahm schließlich auch die Bauleitung. Es entstand ein Haus im Stil des Berliner Klassizismus, das an Schinkels Schauspielhaus erinnert. Herrschaftliche Architekturelemente kennzeichnen es als hoheitliches Bauwerk: Palaisartige Grundform, hierarchische Gliederung der Fassaden, Mittelrisalit mit monumentalen Säulen ionischer Ordnung.

Für den Bau hatten die Schweriner höchstwahrscheinlich Baumaterialien des ehemaligen Franziskanerklosters verwendet, das seit 1236 an dieser Stelle gestanden hatte. 1548 war es im Zuge der Reformation aufgelöst und anschließend weitgehend abgetragen worden. Gebäudeteile, die erhalten geblieben waren, dienten fortan als Fürstenschule und später als Marstall mit Wagenremise, Heu- und Strohmagazin.

1834 wurde das Kollegiengebäude bezogen. Technisch war es sehr modern und hatte sogar eine Warmluftheizung. Der Bau kostete damals 126 600 Taler und wurde wegen der klammen Staatskasse des Großherzogs durch Obligationsscheine mitfinanziert.

Bei einem Brand 1865 wurde das Kollegiengebäude im Innern völlig zerstört und bis 1867 nach Plänen von Hofbaumeister Hermann Willebrand wieder aufgebaut. Georg Daniel schuf 1890 bis 1892 das vierflügelige Regierungsgebäude II unmittelbar nebenan. Die Bürokraten brauchten mehr Platz. Die triumphtorartige Galerie auf drei Arkaden, mit der er die beiden Häuser verband, wird im Volksmund „Beamtenlaufbahn“ genannt. Im Regierungsgebäude II arbeitet heute Verkehrsminister Christian Pegel (SPD). Ob er die Beamtenlaufbahn Richtung Staatskanzlei wohl ausprobiert?

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erstellt am 30.Mai.2016 | 16:00 Uhr

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