Stadtpolitik : Vertrauenskrise in Crivitz

Schwieriges Terrain: Die Crivitzer Stadtvertreter debattierten lange über die Personalie Alexander Gamm (2.v.l.). Mit der notwendigen Mindestanzahl von neun Stimmen wurde er aus allen Ausschüssen abberufen.
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Schwieriges Terrain: Die Crivitzer Stadtvertreter debattierten lange über die Personalie Alexander Gamm (2.v.r.). Mit der notwendigen Mindestanzahl von neun Stimmen wurde er aus allen Ausschüssen abberufen.

Personalie Alexander Gamm spaltet Stadtvertretung: Kommunalpolitiker aus allen Ausschüssen abberufen

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30. Mai 2017, 21:00 Uhr

Die Debatte  um die Vergangenheit  und die Straftaten  von  Stadtvertreter Alexander Gamm   bestimmt  seit Wochen das Stadtgespräch in Crivitz und  stellt  die  Sachpolitik  in den Schatten. So auch wieder  bei der  Sitzung  der Stadtvertreter am Montagabend  in Kladow. Nachdem die CDU-Fraktion bereits  die Abwahl Gamms  als  Chef des städtischen Kulturausschusses durchsetzen konnte,   hatte  jetzt   auch der CDU-Antrag  zur Abberufung des   2014  für die Linken gewählten Stadtvertreters  aus dem Kultur- und  dem  Sozialausschuss  sowie aus dem Crivitzer Amtsausschuss Erfolg. Drei geheime Abstimmungen fanden  dazu statt. Und in jeder  kam die  notwendige  Mindestzahl  von neun  Stimmen  für  die Abberufung  zusammen. Alexander Gamm  bleibt jedoch  fraktionsloser Stadtvertreter. Das direkt  gewonnene Mandat   kann   ihm niemand  nehmen.

Und Alexander Gamm will auch weiterhin in der Stadtpolitik mitmischen, sich „nicht mundtot  machen lassen“. Das machte er in der Debatte  vor der Abstimmung  deutlich. „Meine Vergangenheit  und die aktuellen Vorwürfe  haben nichts mit   meiner Arbeit  für die Stadt  Crivitz zu  tun“, wiederholte Alexander Gamm.   Vor allem die  CDU-Fraktion sieht jedoch  keine  Basis mehr  für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit   in der Stadtvertretung,  weil Alexander Gamm   sich   in der Öffentlichkeit nicht zu den    lange verjährten  Vergehen  äußert und inzwischen in  zweiter Instanz wegen des Verrats  von Geschäfts- und  Betriebsgeheimnisses  verurteilt wurde. Dieses Urteil aus der vorigen Woche  wurde  wenige  Stunden nach der Sitzung  der Stadtvertretung  rechtskräftig. Das  Hauptverfahren zum  Rechtsstreit   um den  ehemaligen  Arbeitgeber von Alexander Gamm steht aber  noch aus, erklärte  Gamm auf Nachfrage unserer Redaktion.

Harsche Kritik musste sich die CDU-Fraktion  schon  während der Bürgerfragestunde  aus den Reihen der Publikums anhören.

In der Debatte legte die  Fraktion der Crivitzer Wählergemeinschaft   nach. Die CDU   mache sich „zum Handlanger  anonymer Hetzer“ gegen  Alexander Gamm und seiner Frau, der Bürgermeisterin  Britta Brusch-Gamm, heißt es  in einer Erklärung, die  Martina Torbahn vortrug.  Die Wählergemeinschaft, zu der auch die Bürgermeisterin gehört, habe  das  Gesprächsangebot  von Alexander Gamm  zur internen Klärung der Vorwürfe angenommen und  sei   bereit,   weiterhin   mit ihm zusammenzuarbeiten. Die Wählergemeinschaft forderte  die CDU-Fraktion  auf, ihren Antrag zurückzuziehen und so  „diese  Farce zu beenden“.

Das  taten die Christdemokraten aber nicht. Und die fünf Stadtvertreter dieser Fraktion   standen mit  ihrer Position nicht allein. Helmuth Schröder  von der SPD    hatte    erklärt, dass  er  gegen Alexander Gamm stimmen werde, weil dieser von  seinem avisierten Rückzug  aus der Stadtvertretung wieder Abstand  genommen hat.   Drei weitere Stadtvertreter hatten in den  geheimen Abstimmung  für die Abberufung Gamms aus  allen Ausschüssen  plädiert. Vier CWG-Stadtvertreter  und Alexander Gamm hatten vor der Abstimmung  den Sitzungssaal  demonstrativ verlassen. 

Kommentar "Sippenhaft" von Werner Mett

Was in Crivitz abläuft, ist keine Kleinstadt-Posse: Ein Rechtsstreit wird genutzt, um Recht zu beugen. Zielperson ist nicht mehr nur Stadtvertreter Alexander Gamm, sondern seine Frau, Bürgermeisterin Britta Brusch-Gamm. Die CDU-Fraktion hat zwar die Linie zur Sippenhaft nicht überschritten. Doch anonyme Hetzer haben das längst getan. Den Flurschaden kann nur einer rasch bereinigen: Alexander Gamm. Mit Rückzug aus der Kommunalpolitik schützt er seine Frau und ihr Amt.
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