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Lankower See in Schwerin : Verletzter Schwan half sich selbst

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Als die Rettungsaktion am Südufer beginnen sollte, war er plötzlich verschwunden: der am Bein verletzte Schwan vom Lankower See. Dabei hatte Jacqueline Linke alle Hebel Bewegung gesetzt, um dem Tier zu helfen.

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erstellt am 28.Feb.2013 | 07:05 Uhr

Lankow | Als die große Rettungsaktion am Südufer beginnen sollte, da war er plötzlich verschwunden: der kranke Schwan vom Lankower See. Alle Hebel hatte Jacqueline Linke in Bewegung gesetzt, um dem Tier zu helfen. "Der Schwan war sehr gesch wächt. Er hatte sich am Bein verletzt und konnte nicht mehr richtig laufen", berichtet die 34-Jährige aus Groß Rogahn. Von überall her hatte sie sich Rat geholt - von der Feuerwehr, von der Stadt, von einem Ornithologen, vom Schweriner Zoo, von der Tierklinik.

Von der Unteren Jagdbehörde, an gesiedelt im Ordnungsamt der Stadt, habe sie die Empfehlung bekommen, zunächst abzu warten und den Schwan zu beobachten, schildert Linke, die sich in der AG Kranichsc hutzbund, im Förderverein Grambower Moor und im Entomologischen Verein Mecklenburg engagiert. Nachdem sich der Zustan d des Tieres immer weiter verschlechtert habe, er kaum stehen konnte, ohne Nahrung auf einem zu gefrorenen See, habe sie sich zum Handel n entschlossen, sagt die gebür tige Schwerinerin. "Tierklinik und Zoo wussten Besche id", so Linke.

Auf eigene Faust trommelte die 34-Jährige eine Gruppe von Helfern zu sam men. Doch der Schwan war weg - so schien es jedenfalls auf den ersten Blick. "Im Schilfgürtel haben wir ihn dann in Begleitu ng eines anderen Schwans entdec kt", erzählt Linke. Völlig unerwartet seien die beiden imposanten Tiere dann von allein zu den Helfern geflog en. "Das war ein Wahnsinnsgefühl." Offenbar sei der Schwan doch nicht so krank gewesen.

Rechtlich habe sich die Lage durchaus kompliziert dargestellt, erklärt Linke. So verbiete etwa das Artenschutzrecht einen Zugriff auf wild lebende Tiere. Außer dem könnten sich Helfer dem Vorwurf der Wilddieberei aussetzen. "Wenn man ein in Not geratenes Tier findet, sollte man sich zunächst mit der Unteren Jagdbehörde in Verbindung setzten. Dort gibt es eine Liste mit den zuständigen Jägern", so die Groß Rogahnerin.

Die Untere Jagdbehörde könne im Bedarfsfall auch an die Feuerwehr oder das Veterinäramt verweisen, bestätigt die Stadt auf Anfrage unserer Zeitung. "Das Umweltamt wird in den Fällen tätig, wenn artenschutzrechtliche Fragen wie Tötung, Störung oder Umsiedlung zu entscheiden sind", sagt Stadtsprecherin Michaela Christen. Einen Schwanen-Betreuer, den sich etwa Hamburg seit Jahrzehnten leiste, gäbe es in Schwerin nicht. "Die Umweltbehörde hat in Ermangelung einer rechtlichen Regelung keine Handhabe, in solchen Fällen tätig zu werden", so Christen. Der Zoo habe in der Vergangenheit in Einzelfällen verletzte Vögel aufgenommen, soweit es die Kapazitäten zuließen.

Per Facebook rief Jacqueline Linke eine Spendenaktion für in Not geratene Wildtiere ins Leben. Das gesammelte Geld - immerhin 350 Euro - hat die Groß Rogahnerin mittlerweile dem Förderverein des Zoos übergeben. An die Schweriner appelliert Linke, Schwäne und andere Entenvögel nicht aus falsch verstandener Tierliebe das ganze Jahr mit Brot zu füttern: "Wenn Schwäne und Enten ständig an den gleiche n Stellen gefüttert werden, kommt es zu einer unnatür lichen Anhäu fung der Tiere , die mit einer Verschmutzung des Gewässers und einem hohe n Infektionsrisiko für die Tiere verbunden ist", so die 34-Jährige. Sie schlage deshalb vor, Schilder aufzustellen, die mit dem Slogan "Bitte füttert uns nicht!" für Aufklärung sorgten. "Ich bleibe an der Sache dran", verspricht Linke, die im Hauptberuf als Prophylaxeassistentin in einer Zahnarztpraxis arbeitet und ihrer Freizeit auch noch Musik macht.

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