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Serie: Buga-Rückblick : Vergessenes Schmuckstück erweckt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das hat uns die Bundesgartenschau 2009 gebracht: der südliche Schlossgarten mit Labyrinth und Hippodrom

von
erstellt am 13.Aug.2017 | 23:58 Uhr

Wenn die alten Griechen vom „Hippodrom“ sprachen, dann meinten sie eine Bahn für Pferde- oder Wagenrennen. Die Römer meinten mit „Hippodromus“ eine besondere Gartenform, denn ihre Pferderennen veranstalteten sie im „Circus“. In der Neuzeit hießen auch große Bauten oder Zelte „Hippodrom“, in denen Pferdeakrobatik gezeigt wurde. Die Schweriner Monarchen wählten das römische Beispiel und bauten in ihrem Schlossgarten ein „Hippodrom“ – höchstwahrscheinlich nach dem Vorbild des Charlottenhofs in Sanssouci. Hofgärtner Theodor Klett gestaltete ihn nach Entwürfen von Peter Joseph Lenné Mitte des 19. Jahrhunderts. Pferde liefen hier aber nie und so geriet das Areal nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit. Erst zur Bundesgartenschau 2009 wurde es aus dem Dornröschenschlaf erweckt und in Szene gesetzt. Steinmetze präsentierten hier ihre Arbeiten, viele Schweriner entdeckten während der Buga diesen Teil des Schlossgartens zum ersten Mal. Nach der Buga wurden die Anlagen allerdings „zurückgebaut“. Die Grabstellen, die hier zur Bundesgartenschau angelegt waren, sind verschwunden. Nur noch wenige Spaziergänger verirren sich heute hierher.

So hat sich der Schlossgarten verändert

 

Eine besondere Attraktion im südlichen Schlossgarten wurde das Hecken-Labyrinth. Auf 2500 Quadratmetern plante der Landschaftsarchitekt Georg von Gayl aus Berlin einen Irrgarten, bestehend aus 50 verschiedenen Musterhecken. Der Irrgarten wurde als modernes Gestaltungselement in die Sanierung des südlichen Schlossgartens integriert, die die Planer nach denkmalpflegerischen Aspekten anlässlich der Bundesgartenschau umgesetzt hatten.

Hainbuche, Thuja, Buchs, Rotdorn, Feld-Ahorn gehören als klassische Heckensträucher ebenso zur Anlage wie ausgefallene Arten, beispielsweise die Apfelsorte „Evereste“. Das Areal wurde außerdem als Ausstellungsfläche für gestalterische Elemente genutzt wie etwa Stufen, Treppen und Wege im Garten, Hochbeete und Einfassungen sowie zur Präsentationen von besonderen Gehölzen und Spiel- und Sitzmöglichkeiten.

 

Doch auch diese Pracht verwilderte nach der Buga schnell. Teilweise hatten die Bäume und Sträucher bereits eine Höhe von 2,50 Meter, als Ingrid Schultze sie für sich entdeckte. Die Schwerinerin entdeckte ihr Herz fürs Gärtnern und für das einstige Buga-Labyrinth.

Mit den Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen (SDS) schloss die Schwerinerin einen Patenschaftsvertrag ab, fand Unterstützung bei den Fachkräften, die im Schlossgarten tätig waren. In ihrer Freizeit legte sie die verbliebenen Stauden von Purpurglöckchen, Fetthenne und Funkie frei, sorgte für Nachpflanzungen. Durch ihren unermüdlichen Einsatz hat sie ein fast verlorenes Stück Gartenschau-Kunst wieder der Öffentlichkeit zurückgegeben. Glücklich sei sie, wenn der Erlebnisraum „Labyrinth“ von Hort- und Kita-Kindern zum Versteckspiel genutzt wird – „das ist Freude pur“, sagt Ingrid Schultze. „Auch Touristen und junge Grundstücksbesitzer sprechen mich manchmal an, um nach Heckensorten zu fragen, die sie besonders interessieren.“ Bis vor Kurzem hatte sie das Areal von ihrer Arbeitsstelle, der Landesbibliothek in der Stellingstraße, immer gut im Blick. Als Rentnerin wird Ingrid Schultze nicht kürzer treten. „Ich werde meine Fürsorge sicher auf das Sauberhalten weiterer Flächen, wie des kleinen Sandspielplatzes im Labyrinth, erweitern“, sagt sie.

 

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