Brandstiftung Schwerin : Vereinschef von „Power for Kids“ verhaftet

Immer noch geöffnet: „Power for Kids“
„Power for Kids“ in Schwerin

Staatsanwaltschaft prüft, ob Brandstiftung mit Missbrauchsskandal zu tun hat.

svz.de von
01. Juni 2016, 12:33 Uhr

Es sollte einen Neuanfang geben nach dem Missbrauchsskandal  im Treff des Vereins Power for Kids im Schweriner Plattenbaugebiet Mueßer Holz. Ein neuer Vorstand ist gewählt, ein Beirat beratend zur Seite gestellt, Schulungen der Mitarbeiter sind angelaufen. Das alles ist nun in Gefahr:  Vereinschef Walter B. sitzt seit gestern in Haft.

Dem 34-Jährigen wird vorgeworfen, am 3. April die Erdgeschosswohnung eines Bekannten  im vereinseigenen Block in der Keplerstraße in Brand gesetzt zu haben. Der Mieter war nicht zu Hause, wohl aber eine 33-jährige Nachbarin, die wegen einer Rauchgasvergiftung behandelt werden musste. Walter B. soll unter dem Sofa im Wohnzimmer mit einem Teelicht und einer Kartusche Feuerzeugbenzin ein Feuer entzündet haben. Die Flammen  griffen auf die gesamte Wohnung über, die vollständig ausbrannte. Der Sachschaden beträgt  80 000 Euro. Wegen schwerer Brandstiftung und Körperverletzung  drohen Walter B. nun bis zu fünf Jahre Haft.

Völlig unklar ist allerdings sein Tatmotiv, bestätigt Claudia Lange, Sprecherin  der Schweriner Staatsanwaltschaft. Bei umfangreichen Ermittlungen seien viele Zeugen gehört worden. Es sei aber offen, ob die Straftaten etwas mit Power for Kids zu tun haben oder gar mit dem 62-fachen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im Verein  durch dessen  einstigen Gründer, Peter B. Der ist bereits zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden, ihn erwartet aber ein weiterer Prozess. Inzwischen haben sich noch mehr Opfer gemeldet.

„Wenn die Vorwürfe stimmen, wäre es erschütternd für unsere Zusammenarbeit mit dem Verein“, sagt Jugenddezernent Andreas Ruhl. „Das belastet den Aufarbeitungsprozess sehr.“ Am Nachmittag wollte Ruhl das Gespräch mit dem verbliebenen Vereinsvorstand suchen, „um zu sehen, wie im Treff die Aufsicht und Kontrolle der Kinder gewährleistet werden kann“.

Der Jugendhilfeausschuss der Stadtvertretung hatte ohnehin gefordert, dass der bei den Kindern und Jugendlichen aus dem Viertel äußerst beliebte private Treff so lange geschlossen bleiben soll, bis die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle abgeschlossen und neue Schutzmechanismen installiert worden sind. Dass sich nun der neue Vereinschef strafbar gemacht haben könnte, zeige, wie richtig diese Forderung war, so Ausschussvorsitzender Peter Brill. Der Treff selbst war gestern geschlossen – allerdings wegen eines Wasserschadens.

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