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Schweriner Schleifmühle : Verein rettet technisches Denkmal

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Seit 300 Jahren steht am Bach zwischen dem Faulen See und dem Schweriner See eine Mühle. Die historische Technik, mit der seit mehr als 250 Jahren Steine zersägt und poliert werden, ist noch heute voll funktionstüchtig.

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erstellt am 22.Sep.2013 | 07:55 Uhr

Ostorf | Seit mehr als 300 Jahren steht am Bach zwischen dem Faulen See und dem Schweriner See eine Mühle. 1705 als Lohmühle zur Gewinnung von Gerbstoffen für die Lederverarbeitung errichtet, wurde sie später zur Graupenmühle umgerüstet und 1753 schließlich zur Schleifmühle umgebaut. Die historische Technik, mit der seit mehr als 250 Jahren Steine zersägt und poliert werden, ist noch heute voll funktionstüchtig. Und das ist wesentlich dem Trägerverein des technischen Denkmals, dem Schweriner Stadtgeschichts- und -museumsverein zu verdanken.

Noch zu DDR-Zeiten war im Jahre 1985 die viele Jahre außer Betrieb befindliche Anlage notdürftig restauriert worden, danach wurde sie zunächst von Schleifmüller Herbert Koch bis 1993 als technisches Denkmal betreut. Später übernahm Waldemar Leide diese Aufgabe. Doch für die in Landesträgerschaft befindliche Immobilie wurde das Geld knapp, 1995 sollte die Schleifmühle geschlossen werden. Dies allerdings wollten ehrenamtlich engagierte Schweriner Geschichtsfreunde nicht geschehen lassen. Deshalb übernahm der Stadtgeschichts- und -museumsverein das Denkmal und startete im März 1996 seine erste Saison. Der Verein handelte mit dem Land als Eigentümer zunächst einen Mietvertrag aus, der 2004 in ein langfristiges Pachtverhältnis umgewandelt wurde. Nun konnte investiert werden: Im Freigelände wurde ein Ausstellungs- und Veranstaltungsbereich geschaffen. Dazu gehört eine riesige Gattersäge eines Steinmetzes aus Altentreptow, die vom Verein gerettet und 2005 auf dem Museumsgelände aufgestellt wurde. Das denkmalgeschützte Schleifmüllerhaus aus dem Jahre 1785 wurde aufwändig und mit geschichtlich überlieferten Materialien saniert und wird als Ausstellungs- und Funktionsraum, als Museumswerkstatt und Vereinsbüro genutzt. Um mehr Platz für die museumspädagogische Arbeit zu gewinnen, wurden 2008 die alten Holzschuppen abgerissen, und der Verein begann mit dem Bau eines Funktionsgebäudes mit modernen Toiletten und einen Werkstattraum. In Anlehnung an die historisch überlieferten Schuppen auf dem Schleifmühlgelände wurde es als eingeschossiger hölzerner Winkelbau mit typisch Mecklenburger Stülpschalung konzipiert. Nach dessen Fertigstellung steht seit 2011 im historischen Schleifmüllerhaus mehr Platz für die Besucherbetreuung und die Vereinsarbeit zur Verfügung.

Die rührigen Vereinsmitglieder haben es immer wieder geschafft, Unterstützer für ihre ehrenamtliche Arbeit zu finden, beim Abriss der alten Schuppen, den Vermessungsarbeiten für das neue Funktionsgebäude, der Nivellierung des Geländes und schließlich beim Bau. 20 000 Euro brachte der Verein selbst für dieses Projekt auf.

Doch im Frühjahr 2013 brannte die Luft erneut. Das Kultusministerium hatte den vergleichsweise geringen Zuschuss von 10 000 Euro gestrichen, der aber für die Aufrechterhaltung des musealen Betriebes unverzichtbar war. Eine Welle der Entrüstung brach sich Bahn. Vereinsmitglieder, Museologen, Historiker und Kommunalpolitiker verwiesen darauf, dass das Schleifmühlenmuseum von außerordentlicher Bedeutung für Mecklenburg ist. Die Granitplatten für die Sockel der Fürsten-Denkmäler, beispielsweise für die Standbilder der Großherzöge Paul Friedrich und Friedrich Franz, wurden in der Schleifmühle gefertigt ebenso wie Fensterbänke, Treppenstufen oder Kaminsimse der Schlösser und vieler Herrenhäuser im Lande, die jüngeren Steinsarkophage in den Fürstengruften der Kirchen tragen die Handschrift der Schweriner Steinschleifer und Schleifmüller. In dieser schwierigen Situation sicherte die Stadt Schwerin Unterstützung im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu, Sponsoren halfen, und schließlich lenkte auch das Land ein und gab Geld, wenn auch weniger als erwartet. Und so kann das viereinhalb Meter große, von der Wasserkraft des Faulen Sees angetrieben Schaufelrad noch heute die historische Schleif- und Schneidetechnik in Gang setzen. Etwa 10 000 Besucher, darunter mehr als 2500 Schüler, bestaunen das alljährlich.

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