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Neues Ferienparadies in Schwerin : Urlaub am Flugzeugbau-Denkmal

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auf dem Areal der ehemaligen Fokker-Flugzeugwerke am Ufer des Schweriner Sees soll ein Ferienparadies entstehen

von
erstellt am 28.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Gebüsch und Brennnessel, windschiefe, verfallende Bootsschuppen und eine uralte große Holzhalle – so sieht das Gelände kurz vor dem Ende der Bornhövedstraße direkt am Schweriner See aus. Vom Wasser aus eine der letzten Ufer-Schmuddelecken der Stadt. Doch das wird sich bald ändern. Dort soll ein Urlauberparadies mit Caravan-Stellplätzen, Ferienhäusern und Bootsanleger entstehen.

Die Stadt hatte das Grundstück 2012 erworben, um die einsturzgefährdete Halle, ein Industriedenkmal, zu erhalten. Es handelt sich um die ehemalige Werkhalle 1 der Fokker-Flugzeugwerke. Der holländische Flugpionier Anthony Fokker hatte 1913 seine bis dahin in Berlin-Johannisthal ansässige Firma „Fokker Aeroplanbau GmbH“ nach Schwerin verlegt, um hier, im Hintenhof 43, der heutigen Bornhövedstraße 95, Wasserflugzeuge zu bauen. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges wurden Fokkers Flugzeugfabriken in Schwerin baulich erweitert und stellten auf Rüstungsproduktion um. Die Belegschaft wuchs rasch von rund 250 im Jahre 1914 auf 1600 im Jahre 1917. Deshalb wurde 1915 die zweite Werkhalle in der Bornhövedstraße 101 gebaut, jetzt ebenfalls Denkmal und vom Anglerverein genutzt. Zu den bekanntesten Flugzeugen, die in Schwerin gebaut wurden, zählt der Dreidecker Dr. 1, den auch der legendäre Rote Baron, Rittmeister Manfred von Richthofen, flog. Als nach dem Ende des 1. Weltkrieges der Bau von Flugzeugen in Deutschland untersagt wurde, zog Fokker mit seinem Werk nach Amsterdam-Shiphol. Die früheren Werkhallen am Schweriner See wurden in den folgenden Jahrzehnten unterschiedlich genutzt. Halle 2 beherbergt seit vielen Jahren den Anlerverein, der sie in Schuss hält, Halle 1 verfiel nach der Wende zusehends. Um das Industriedenkmal zu retten, kaufte es die Stadt mit dem Ziel, das Areal zu entwickeln. Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege unterstützte die Sanierung des historischen Gebäudes mit Fördermitteln in Höhe von 167 000 Euro. Die Stadt trägt 50 Prozent der Kosten. Das Gelände wurde beräumt und das Grundstück zum Verkauf ausgeschrieben. „Unser städtebauliches Ziel für das Areal in exponierter Lage direkt am Schweriner See ist eine nachhaltige touristische Nutzung unter Einbeziehung der denkmalgeschützten Halle“, erläutert Baudezernent Bernd Nottebaum. Entsprechend sei die Ausschreibung formuliert worden. Es gab mehrere Bewerber und viele Ideen, mehrere Vorgespräche und schließlich eine Entscheidung. „Wir haben uns für eine GbR mit vier Gesellschaftern entschieden. Sie erfüllte als einziger Bewerber die Vorgaben der Stadt“, berichtet der Vize-Oberbürgermeister.

Das Konzept sieht den Bau von zunächst 16 Wohnmobil-Stellplätzen, die Errichtung von vorerst 20 Ferienhäusern und den Bau eines Bootsanliegers mit 40 Plätzen vor. Die Halle soll als Unterstellmöglichkeit und Reparaturwerkstatt genutzt werden, beschreibt Nottenbaum. Dann geht er ins Detail: Die Situation an der Marina Nord zeige die große Nachfrage nach Caravan-Stellplätzen und Ferienwohnungen insbesondere für Familien. Dem will die Stadt mit der Entwicklung des Geländes Rechnung tragen. Die Bootsliegeplätze indes seien keine zusätzlichen, sondern sollen vorhandene ersetzen. „Die in dem Uferbereich stehenden Bootshäuser sind marode und werden abgerissen. Deren Nutzer können ihre Boote an den neuen Steg legen.“

Der Verkauf der Immobilie ist bereits beurkundet, doch die Übergabe erfolgt erst, wenn die Dachsanierung beendet ist. Die GbR will 6,5 Millionen Euro investieren – gestreckt auf einen Zeitraum von fünf Jahren. Eine Wassertankstelle werde es dort aber nicht geben, sagt Nottebaum bedauernd. „Das Wasser ist in dem Bereich einfach zu flach.“

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