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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 19:02 Uhr

Museum Schwerin : Uralt-Siedlung im Innenhof gefunden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Archäologen graben bei den Tiefbauarbeiten im Hof eimerweise Keramik und Schmuck aus dem 13. Jahrhundert aus

von
erstellt am 07.Jan.2015 | 15:45 Uhr

Hoch-Zeit für die Archäologen in Schwerin: Nicht nur die Ausgrabungen im Schlossinnenhof mit zahlreichen Funden aus der Frühzeit der slawischen Besiedlung vor mehr als 1000 Jahren sind für die Forscher hochinteressant. Etwas abseits, aber nicht weniger spektakulär, sind die Grabungsergebnisse auf der Baustelle im Museumshof. Dort, wo künftig der Anbau für die Kunst der Moderne stehen soll, sind die Tiefbauer am Werk. Doch nicht alleine: Sie arbeiten Hand in Hand mit den Bodendenkmalpflegern.

„Das ist eine eingespielte Prozedur. Dafür ist in den Bauablaufplänen auch genügend Zeit eingeplant“, sagt Chefarchäologe Dr. Detlef Jantzen vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege. Und die brauchen die Bodendenkmalpfleger um Grabungsleiter Peter Kaute auch, die sich in der Baugrube Zentimeter für Zentimeter in Handarbeit vorkämpfen, das modrige Erdreich mit den Augen, den Händen und Metalldektektoren durchsuchen.

„Wir haben bereits reichlich Funde aus verschiedenen Siedlungsepochen geborgen“, berichtet Dr. Jantzen. Die ältesten wie etwa eine Feuerstein-Pfeilspitze, stammen aus der Jungsteinzeit. Nachweise für slawische Siedlungsstrukturen indes wurden an dieser Stelle noch nicht gefunden. Der Hauptteil der Funde ist etwas jünger, stammt aus dem 13. Jahrhundert, der Zeit der frühdeutschen Besiedlung Schwerins. Und es sind viele, sehr viele. Eimerweise werden sie von den Archäologen geborgen. Auch die zahlreichen Knochen von Tieren, die unseren Vorfahren als Nahrung dienten, deuten auf eine lange und intensive Besiedlung des Areals hin.

Besonders erstaunt ist Dr. Jantzen indes über die Vielzahl von Scherben aus dem 13. Jahrhundert. „Offensichtlich handelt es sich um den Abfall einer Töpferei, die wahrscheinlich auch für das Fürstenhaus produziert hat. Darauf deuten jedenfalls die reichen Verzierungen der Gefäße hin“, so Dr. Jantzen.

Die Masse der Scherben ist graue Irdenware aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, also frühdeutsche Alltagskeramik, berichtet Grabungsleiter Peter Kaute. Spektakulär indes sei die reich verzierte glasierte rote Irdenware. Sind schon die sternförmigen Malereien und Applikationen keineswegs alltäglich, so sind die Hochreliefs mit Tierköpfen wie Hund und Pferd geradezu sensationell. „Auch wenn die exakte Datierung und wissenschaftliche Vergleichsanalysen noch ausstehen, denn wir bergen und sichern zunächst nur, so kann ich schon jetzt sagen: Dies ist etwas ganz Besonderes. Tierdarstellungen aus dieser Zeit in dieser Gegend sind völlig neu für uns.“

Stolz ist Kaute auch auf die wunderschönen und perfekt erhaltenen Spielsteine. Die im Durchmesser drei bis sechs Zentimeter großen Stücke sehen wie neu aus, dürften aber ebenfalls um 1250 gefertigt worden sein. „Doch auch hier steht die exakte Bestimmung noch aus“, betont der Grabungsleiter.

Vor ihm und seinen Kollegen liegt in den nächsten Tagen noch viel Arbeit. Denn von der etwa 15 mal 35 Meter großen und im ersten Grabungsschnitt etwa 2,50 Meter tiefen Baugrube haben sie erst ein Fünftel freigelegt. Zu Tage gekommen sind neben den vielen kleinen Fundstücken vor allem Siedlungsstrukturen – Pfähle und Balken von Häusern und Schuppen, Flechtfußböden, Befestigungen von Wegen.

Erleichternd für die wissenschaftliche Arbeit ist, dass der morastige Boden die Artefakte über die Jahrhunderte hinweg konserviert hat und zudem einen sauberen Schnitt durch die Erdschichten ermöglicht. Nachteilig indes ist das Wasser, das trotz der geschlossenen Stahlspundwand in die Baugrube eindringt. „Wir liegen aber gut im Plan“, bestätigt Kaute. Der milde Winter erleichtere die Grabung. Bis Ende des Monats wollen die Denkmalpfleger im Museumshof fertig sein.

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